Halfinger unternimmt Welturaufführung

von Redaktion

Wiederentdecktes Werk „Der Untersberg“ kommt auch in Brannenburg auf die Bühne

Traunstein/Halfing – Die Oper „Der Untersberg“ von Johann Nepomuk von Poißl, erstmals aufgeführt 1829 in München und lange vergessen, erlebt im Herbst im Berchtesgadener Land ein Comeback – in einer „Welturaufführung“ als Opernkonzert. Orchester, zwei Chöre und vier Solisten des Vereins „Erlesene Oper“ bringen das von Georg Hermansdorfer wiederentdeckte Werk der deutschen Frühromantik am 15. Oktober 2023 in der Stadt Laufen auf die Bühne. „Der Untersberg“ wird außerdem am 21. Oktober in Brannenburg-Degerndorf und am 27. Oktober im Kolping-Haus München zu sehen sein.

Aus der Feder von
Freiherrn von Poißl

Während der Corona-Pandemie fielen Auftrittstermine reihenweise weg. Derzeit ist es nach Hermansdorfer schwierig, zeitnahe Termine in der Region zu bekommen. Für heuer sucht der 65-Jährige noch nach Veranstaltungsräumen zwischen Salzburg und München für das Projekt „Oper am Klavier“. Dabei hofft er auf Unterstützung von Kommunen. Schon fest steht der Termin für „Dem Schelm die Hälfte“ am 4. März im Kuko Rosenheim.

Georg Hermansdorfer konzentriert sich seit Jahrzehnten auf die Kernzeit zwischen 1780 und 1850 in der deutschen und europäischen Operngeschichte. Nach 1850 stiegen die Anforderungen an ein Orchester enorm: „Als Amateur ist man dem nicht mehr gewachsen.“ „Der Untersberg“ stamme aus der Feder von Freiherrn von Poißl, der in München über 20 Jahre Hofintendant und 40 Jahre Hofkapellmeister war. Der Komponist, 1783 im Landkreis Straubing-Bogen geboren, verstorben 1865 in München, habe große Erfolge gefeiert und zusammen mit Carl Maria von Weber nach einer „deutschen Nationaloper“ gesucht.

Johann Nepomuk Poißl schuf nach Hermansdorfer keine deutsche, aber mit „Der Untersberg“ eine Art „bayerische Nationaloper“. Ein Bauernchor und Volksmusik fänden sich in dem Werk, das mitten im sagenumwobenen Untersberg in den Berchtesgadener Alpen spielt. Bei seinen Recherchen war der 65-Jährige in der Staatsbibliothek München auf die handschriftlichen Notenblätter gestoßen. Er besorgte sie sich in digitaler Form, tippte, ergänzte und bearbeitete sie zu Hause monatelang am Computer. „Es war ein Riesenspaß, ein solches Werk für die Bühne vorzubereiten“, erinnert sich der 65-Jährige.

Die „Erlesene Oper“ verfügt über eine Kerntruppe von 90 Frauen und Männern. 95 Prozent der Mitwirkenden von Chor und Orchester sind Laien. Im Zivilberuf sind sie Ärzte, Landwirte, Verwaltungsleute und Musiklehrer. Ein Maschinenbauer sitzt am Kontrabass. Mitglieder nähen selbst Kostüme oder reißen Karten bei Veranstaltungen ab.

Eine szenische Aufführung von „Der Untersberg“ schied nach Hermansdorfer wegen des zu hohen Aufwands aus. Doch auch die konzertante Version ist aufwendig. Mit Orchester und zwei Chören der „Erlesenen Oper“ sowie vier Solisten realisieren über 50 Mitwirkende das Werk – eine Art „Zauberoper“ mit Chor im Berg, Vulkanausbruch und Geist, der aus dem Untersberg heraustritt. Die Handlung: Der Geisterkönig Oderich und dessen Tochter Astralis herrschen tief im Berg. Herzog Guido verliebt sich in die schöne Maid, die ihm auf dem Gipfel des Untersbergs erscheint. Die beiden sind sich zugetan. „Aufi muaß i, auf muaß i am Berg“, heißt es in einer Liebesszene. Der Geisterkönig findet heraus, dass Herzog Guido der Sohn seines größten Feindes ist – der Oderich einst das Reich entrissen hatte. Wutentbrannt straft der König das Paar. Astralis stirbt, Guido ist verzweifelt. Angesichts seiner bewiesenen Liebe gibt es ein Happy End: Der Geisterkönig erweckt die Tochter wieder zum Leben.

Marionettenoper
für Kinder

Diese Geschichte will Hermansdorfer vielleicht auch als Marionettenoper für Kinder herausbringen – zusammen mit Andreas Kern am Tegernseer Volkstheater. Vorerst aber haben seine Ensemblemitglieder und er Freude daran, die Oper im Detail umzusetzen. Die Mitwirkenden, durchweg routinierte Bühnenleute, bringen Ideen mit ein.

Seine Leidenschaft, unbekannte Werke wieder auf die Bühne zu bringen, entstand in der Studienzeit. Ein Pfarrer in Neuperlach verwies auf die Oper eines Onkels, der mit Carl Orff verbunden war, und stellte Hermansdorfer das Material für „Don Juans allerletztes Abenteuer“ zur Verfügung. Auf dieser Schiene machte der Halfinger weiter, anfangs mit Freunden, später allein. Aus heutiger Sicht sagt er: „Zur richtigen Zeit bin ich den richtigen Leuten begegnet. Manches ist wieder eingeschlafen, anderes hat sich weiterentwickelt.“

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