Kiefersfelden – Was lange währt, wird endlich gut – wenn auch noch nicht in diesem Jahr. Gemeint ist die Barrierefreiheit am Kieferer Bahnhof, die im Jahre 2024 erreicht werden soll. So zumindest die Ankündigung des Eisenbahn-Bundesamts, die dieser Tage schriftlich in der Gemeinde eintraf.
Genau gesagt „geht es um den Bahnsteig eins, der angehoben werden soll, um damit ein barrierefreies Ein- und Aussteigen zu ermöglichen“, erklärte Bürgermeister Hajo Gruber (UW) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Im Frühjahr 2024 solle es losgehen. „Wir bekommen auf diese Weise endlich einen barrierefreien Bahnhof – nach langen Jahren ständigen Anrennens.“ Vor allem Jürgen Wille, der zwischenzeitlich gestorben ist, habe „wesentlichen Anteil am jetzigen Erfolg“, so der Rathauschef. „Seine andauernden Eingaben und Initiativen haben das nach langen Jahren möglich gemacht und wir freuen uns, dass es schon bald losgeht“.
Die Initiative für Barrierefreiheit am Kieferer Bahnhof läuft bereits seit Ende 2018. Ein großes Anliegen war damals für Jürgen Wille die Schaffung eines barrierefreien Zugangs zu den Zügen in Richtung Kufstein/ Innsbruck. Nicht nur für den auf den Rollstuhl angewiesenen Initiator war die Situation vor allem am Bahnsteig eins, auf dem die Züge Richtung Österreich abfahren, schwierig.
Ein bislang nicht
tragbarer Zustand
Bis heute stellt die Situation für Menschen mit eingeschränkter Mobilität beim Aus- und Einsteigen ein großes, wenn nicht unüberwindliches Hindernis dar. Auch Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen stehen durch die bauliche Situation vor Problemen. Denn die Höhendifferenz vom Bahnsteig zur Zugeinstiegskante beträgt knapp 60 Zentimeter, die erst einmal überwunden werden müssen.
Bisher müssen Menschen mit Behinderung, Eltern mit Kinderwagen oder auch Kleinkinder, die nicht selbstständig in Kiefersfelden zu- oder aussteigen können, ihre Zugfahrt rechtzeitig beim Betreiber anmelden, da es auf dieser Strecke keinen mobilen Hilfsdienst gibt. Im Zug selbst helfen dann Zugbegleiter oder gar Fahrdienstleiter beim Aus- oder Einstieg – oder der Zug wird, wenn möglich, auf Gleis zwei umgeleitet, denn das ist schon barrierefrei. Wenn das alles nicht klappt, muss man gar bis Kufstein durchfahren und dann mit Auto, Taxi, Bahn oder zu Fuß beziehungsweise im Rollstuhl zurück nach Kiefersfelden. Das ist auch schon dem Bürgermeister passiert, der ebenfalls Rollstuhlfahrer ist.
Weil dieser Zustand so nicht tragbar ist, nahm Jürgen Wille das Heft in die Hand und suchte die Gespräche mit den zuständigen Vertretern der Bayerischen Staatsregierung, der Deutschen Bahn und der Bayerischen Oberlandbahn. Doch das andauernde Verfahren mit Eingaben und Gesprächen zog sich. Erste Erfolge zeichneten sich ab, als 2020 die alten Aufzüge gegen neue Technik getauscht wurden. Und nun soll der Bahnsteig eins auf einer Länge von 220 Metern bautechnisch so angehoben werden, dass er mit der Ausstiegskante der einfahrenden Züge höhenmäßig abschließt. Damit zeigten sich auch alle Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung zufrieden, zumal die Angelegenheit zuvor schon ausführlich im Fachausschuss diskutiert worden war.
Im Rahmen des vorgeschriebenen Beteiligungsverfahrens beschlossen die Räte einstimmig, „keine den Planungen entgegenstehenden Einwände vorzutragen“. Es wurde jedoch zusätzlich angeregt, den Fahrkartenautomaten auch nach Abschluss der Baumaßnahmen im Eingangsbereich zum Bahnsteig eins zu belassen.