Freche Diagnose für Vogtareuth

von Redaktion

„Guten Abend, mein Name ist Kontrabass“, tönte es sonor vom Pult und an den Biertischen gingen die Mundwinkel nach oben. Die Vogtareuther freuten sich auf die Diagnose des gemeindlichen Befindens zur Fastenzeit.

Vogtareuth – „Endlich ist es so weit: Kein Mensch braucht sich mehr die Hände zu waschen nach dem Bieseln“, kommentieren Dr. Kontrabass alias Hannes Herzog fröhlich-süffisant und sein Autor Florian Eichberger das Ende der Corona-Pandemie.

Ob mit gewaschenen Händen oder nicht: Die Vogtareuther strömten in die von Sauerkrautaroma erfüllte untere Turnhalle, hatten offensichtlich das Starkbierfest des Trachtenvereins Unterinntaler vermisst.

Gemeinderäte
im Untergrund

Das Zwischenzeugnis für den Gemeinderat könne er kurz machen, verkündete Dr. Kontrabass, „die waren fast immer im Untergrund“, sprich: Getagt wurde überwiegend in der unteren Turnhalle. Einige Spitzen auf verschiedene Gemeinderäte und ihre Lieblingsthemen ließ Kontrabass nicht aus – gehört ja zu einer Fastenpredigt. Auch der Bürgermeister kam nicht ungeschoren davon, was den humorbegabten Rudi Leitmannstetter sichtlich freute. Zur Stressvermeidung empfahl Dr. Kontrabass, dass sich Bürgermeister und Gemeinderat nicht weiter um Einheimischenbauland bemühen sollten – „bauen kann sich eh keiner leisten“.

Außerdem müssten ja auch die geforderten Stellplätze untergebracht werden. Wobei: Die Stellplatzfläche sei in Vogtareuth größer als die Verkehrsfläche. „Wenn sich alle gleichzeitig ins Auto setzen und losfahren, des geht gar nicht – dazu ist Vogtareuth zu klein.“

Vogtareuth ist klein genug, dass jeder weiß, dass sich der Leichenschmaus beim Hiesig in zwei Wellen auflöst: „Die auf der Friedhofsseite geparkt haben, gehen nach zwei Stunden. Die an der Wiese am Moosweg stehen, haben eine Stunde länger.“

Parkplatzprobleme hat Guido Seidenberger nicht. Für den Pfarrer entstand eine eigene Garage in der neuen Ortsmitte. Außerdem ist er, wenn es das Wetter zulässt, meist mit dem Fahrrad unterwegs in seinem Pfarrverband. Kommt aber meist auf den letzten Drücker an seinem Ziel an, wie Dr. Kontrabass festhielt – weswegen er gleich eine Warnung hinterher schickte: „Morgen um 9 Uhr ist Eucharistiefeier der Feuerwehr – die Einflugschneise für den Seidenberger bitte freihalten.“ Was der Ertappte mit Lachen und Kopfnicken quittierte. Auch die Feuerwehren kamen an diesem Tag nicht ungeschoren davon. Die Vogtareuther feiern ihr 150-jähriges Bestehen am 155. Geburtstag nach. „Hoffentlich wird‘s nicht wieder ein Fehlalarm“, so der Doktor.

Das Zaiseringer Feuerwehrhaus sei ein Bauwerk für die Ewigkeit und die Hieroglyphen an der Fassade seien mittlerweile auch entziffert. Beim Generalappell, „Volkszählung für Feuerwehren“, habe sich doch glatt gezeigt, dass in Zoassaring jetzt auch Mädchen bei der Feuerwehr sind. Damit habe die Feuerwehr der Kirche etwas voraus. „Bei der katholischen Kirche weiß man sehr wohl, dass es Frauen gibt. Man weiß nur nicht, wozu.“

Salvator und
Musi zum Abschluss

Nachdem Herzog und Eichberger das Dorf verarztet hatten, blieben die Vogtareuther bei Salvator und den Klängen der kleinen Besetzung der Vogtareuther Musi noch vergnügt sitzen, freundlich und flott versorgt von den jungen Mitgliedern des Trachtenvereins Unterinnthaler.

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