„Irgendwer muaß ja wos doa“

von Redaktion

Nachruf „Lilly“ Brod, Kämpferin für Gerechtigkeit und OVB-Zustellerin, gestorben

Stephanskirchen Lilly Brod aus Stephanskirchen kämpfte ihr Leben lang für diejenigen, die es selber nicht oder nur schwer tun konnten. Sei es bei der SPD, der Arbeiterwohlfahrt oder als Betriebsrätin. Ihren letzten Kampf, gegen den Krebs, verlor sie jetzt im Alter von 76 Jahren.

Karolina, genannt Lilly, Brod wurde 1946 als Hälfte eines Zwillingspärchens in München geboren. 15 Minuten hatte sie ihrer Schwester Margot voraus. Nach Stephanskirchen, genauer nach Ziegelberg, kam sie durch die Hochzeit mit Klaus Brod. Die Kinder Sabine, Susanne und Sonja sowie mit einigem Abstand Thommy machten die Familie komplett. Eine Familie, die ihr über alles ging. „Und sie war eine liebevolle und manchmal schmerzhaft ehrliche Freundin“, sagt Irmgard Wagner über „ihre“ Lilly.

Zu einer Zeit, als das noch gar nicht üblich war, nämlich 1974, eröffnete Brod einen privaten Kindergarten. Einen, der vor allem berufstätigen Müttern das Leben erleichterte, denn sie konnten ihre Kinder schon am frühen Morgen zu Lilly Brod bringen und sie erst um 18 Uhr wieder abholen. Zeit für ihr großes Hobby, für ihren Garten, fand sie immer.

Lilly Brod war in der SPD aktiv, engagierte sich bei der AWO in Stephanskirchen, wo sie Mitglied des Vorstands war und den AWO-Kleiderladen mit aufbaute. Und sie kämpfte weit über 20 Jahre als Betriebsrätin im OVB für ihre Kollegen. Lilly Brod hatte sich nach dem Ende ihres Kindergartens eine andere Aufgabe gesucht und sie beim OVB gefunden. Über 35 Jahre stellte sie das OVB zu. Das macht grob gerechnet 10000 Zustelltage oder über eine Million Zeitungen, die sie zu unseren Lesern gebracht hat.

Ab den 1990er-Jahren war sie eine der „Gallionsfiguren“ des Kampfes für die Anliegen der Kollegen, die bei Wind und Wetter in aller Herrgottsfrüh unterwegs sind. Ihr ist es maßgeblich zu verdanken, dass es bis heute bei jeder Sitzung des OVB-Betriebsrates auch intensiv um die Zusteller-Themen geht. Brod konnte, wie ein ehemaliger Betriebsratskollege es formulierte, „hartnäckig bis kurz vor der Sturheit“ sein, wenn sie das Gefühl hatte, dass die Zusteller schlechter behandelt werden als der Rest der Belegschaft.

„Aber auch wenn es mal gekracht hat, ist da nichts stehen geblieben“, erinnert sich der heutige Betriebsratsvorsitzende Raimund Feichtner.

Wenn es bei Kollegen eng wurde, war es für Lilly Brod selbstverständlich, dass sie nach dem Rechten sah. Da gab es dann fast keine Grenze ihrer Hilfsbereitschaft – bis hin zur sanft schiebenden persönlichen Begleitung zu Beratungseinrichtungen und sogar zu Privatdarlehen an Hilfsbedürftige. Für sie war klar: „Irgendwer muaß ja wos doa.“

Der Trauergottesdienst für Lilly Brod ist am Samstag, 11. März, um 10.30 Uhr in der St.-Georgskirche in Schloßberg (Gemeinde Stephanskirchen). Die Beerdigung findet zu einem späteren Zeitpunkt im Familienkreis statt.

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