Kiefersfelden – Wenn Safran das Essen gelb färbt und Safran in Persien aus Krokussen gewonnen wird – funktioniert das mit dem gelb färben vielleicht auch mit unseren Krokussen? Das waren die Überlegungen der Jungfischer Moritz Köntopp, Tobias Kronthaler und Marius Mayländer. Auslöser war ein Krokusfeld direkt neben einem Zuchtbecken des örtlichen Sportfischereivereins EW Sachs für Regenbogenforellen.
Die Jungfischer hatten seit Beginn der Blüte immer wieder die gelben Krokusblüten aus Jux und Tollerei in das Zuchtbecken mit Regenbogenforellen geworfen. Kurz darauf erkannte Jugendleiter Michael Glenz bei diesen Zuchttieren am Bauch golden glänzende Einlagerungen.
Die Verantwortlichen des Vereins nahmen sich dann gezielt dieses Phänomens an, denn bisher gab es keinerlei fachliche Hinweise darauf, dass man bei Forellen aus einem gefestigten Zuchtstamm mit Farbfutter ihre ursprüngliche Färbung verändern könne.
Zufall oder nicht?
Verein forschte
Und so wurde im Verein weiter geforscht, sicher war man sich seiner Sache aber nicht, viele glaubten noch an einen Zufall oder an eine Laune der Natur. Dem Aufzuchtfutter der Forellen wurden dann über einen längeren Zeitraum gezielt die gelben Stempel des Krokus‘ beigemischt, wobei die Gaben und auch die Auswirkungen auf die fast ausgewachsenen Fische genau beobachtet wurden. Doch außer der sichtbaren Farbveränderung des Schuppenkleids in immer goldfarbenere Töne, war bei den Tieren nichts zu erkennen, sie schwammen munter im Becken und warteten geradezu gierig auf das neue Futter.
Vorsitzender Stefan Sporer und sein Team wussten natürlich, „dass aus den Blütenstengeln des Krokus das strahlend gelbe Gewürz Safran gewonnen wird, hauptsächlich im Iran“. Aber dass Fische, die Krokusstempel aus dem Inntal in das Futter beigemischt bekamen, eine goldene Färbung annahmen und sie intensivierten, das „war geradezu ein wirklicher Kracher“.
Im Verein ließ man nicht locker und unternahm Anstrengungen, dieses Farbfutter in größeren Mengen für die Zuchttiere zu bekommen. Die Jungfischer baten Eltern, Großeltern, Verwandte oder Freunde, in ihren Gärten Krokusse anzubauen, um so auch einen gewissen Vorrat von diesem jetzt heiß begehrten Futter anzulegen. Und gerade jetzt, in der Zeit der Krokusblüte, sind die engagierten Jungfischer auf den Feldern unterwegs, um die gelben Blütenstempel des Krokus einzusammeln, welche sodann getrocknet und vakuumverpackt eingelagert werden, um daraus den begehrten „Inntaler Safran“ zu gewinnen.
Da dieser heimische Safran ein intensives Gewürz ist, braucht es nicht allzu viel und gerade da liegt dann auch die Kunst, den Regenbogenforellen nur so viel ins Futter beizumischen, dass zur ihrer zweifelsfrei intensiven Färbung auch noch die gewünschte Goldnote hinzukommt, was sie letztlich außergewöhnlich macht. Bisher ist nicht bekannt, dass in anderen Fischereivereinen oder gar Fischzuchtstationen mit diesem Futter experimentiert worden ist, oder gar Erfolge in dieser Art verzeichnet wurden.
Der Vorstand hat lange Zeit gewartet, diese Zuchtsensation öffentlich zu machen. Aber nachdem sich die Farbfestigkeit der Forellen nahezu manifestiert hatte, wurde dieser Schritt gewagt.
Nachfragen von den
Nachbarn erwartet
Stefan Sporer weiß um die Brisanz dieser Meldung, „denn wir werden sicher die nächste Zeit von Kameraden aus anderen Vereinen oder gar von Zuchtstationen kontaktiert werden um unsere Methode nachzufragen und wir wissen noch nicht, wohin das führen könnte“. Sei’s drum: Mit diesem züchterischen Erfolg können die Kieferer Fischer Geschichte schreiben.
Jugendleiter Michael Genz gibt zu dem neuartigen Farbfutter noch einige Hinweise. Nach dem Pflücken werden die Krokus-Blütenstengel zwei bis vier Wochen an einem sonnigen Platz oder aber auch dem Heizungsraum getrocknet. In diesem Zustand werden sie dann vakuumiert.
Die Goldforellen werden von Februar (wenn kein Eis mehr in der Fischzucht ist) bis September (letzter Fischbesatz im Jahr) einmal täglich gefüttert. „Es macht richtig Spaß zu sehen, wie sich die Farbe der Fische verändert – je nachdem, wie viel sie von den gelben Blüten abbekommen.“