Bürgermeister hält nichts vom Rabatt

von Redaktion

Samerberger Gemeinderat beschließt Ermäßigung für Kita-Geschwister

Samerberg – Mehr Kinder kosten mehr Geld. Um junge Familien zu entlasten, forderten die Gemeinderäte Christian Bauer (Überparteiliche Wählergruppe, ÜPW), Thomas Schmid (Zukunft Samerberg, ZS) und der Elternbeirat nun einen Preisnachlass für Geschwister. „Bei Recherchen in anderen Landkreiskommunen stellte sich heraus, dass es in den Kindertagesstätten der meisten Gemeinden einen sogenannten Geschwisterrabatt gibt“, heißt es in dem Antrag.

Gebührennachlass
ist nicht unüblich

Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen: In Feldkirchen-Westerham koste die Betreuung für das erste Kind 100 Prozent, für das zweite 50 Prozent und für das dritte 25 Prozent. In Prien am Chiemsee bekommen die Eltern dem Antrag zufolge 20 Euro Rabatt pro Monat für jedes Geschwisterkind. Und in Neubeuern koste die Betreuung ab dem zweiten Kind in einer Einrichtung 75 Prozent.

Bürgermeister Georg Huber bezeichnete es als schwierig, in Anbetracht von drei Beispielen, von den meisten Gemeinden im Landkreis zu sprechen. „Man müsste fast alle abfragen“, sagte er. Zudem müsste herausgefunden werden, ob in den anderen Orten Spiel-, Medien- und Kochgeld von den Eltern verlangt wird. Denn am Samerberg gebe es solche Gebühren nämlich nicht.

Der Kitaverbund Chiemsee gibt dem Bürgermeister zufolge zehn Prozent Rabatt auf die Betreuung von Geschwistern. Der Kitaverbund Inntal biete nur eine Ermäßigung für Krippenkinder. „Die unterscheiden da schon, weil ein Kindergartenbeitrag mit Ermäßigung schon relativ günstig ist“, sagte Huber und verdeutlichte seine Aussage anhand einer Präsentationsfolie mit dem Titel „Unterstützung für Familien in Bayern“. Danach bekommen Eltern für ein- und zweijährige Kinder 250 Euro pro Monat, ab dem dritten Kind sind es 300 Euro. Ab einem Alter von drei Jahren bekommen Familien pro Kita-Kind bis zur Einschulung 100 Euro Beitragszuschuss im Monat. Das Krippengeld über 100 Euro pro Kind und Monat sei hingegen einkommensabhängig. Außerdem gebe es zusätzliche Leistungen zum Kindergeld des Bundes.

3000 Euro an
Mindereinnahmen

Dennoch haben Mitarbeiter der Gemeinde den Rabatt, der zehn Krippen-Kinder betreffen würde, ausgerechnet. „Das würde bei zehn Prozent 3000 Euro Mindereinnahmen verursachen“, teilte der Bürgermeister mit. „Bei 20 Prozent das Doppelte.“ Georg Huber bezeichnete eine Ermäßigung des Kindergartenbeitrags als „nicht notwendig“ – wegen dem Zuschuss von 100 Euro, den die Eltern ohnehin bekämen.

Vergangene Woche hat der Bürgermeister nach eigenen Angaben ein Gespräch mit Vertretern des Elternbeirats geführt. Bei 95 Prozent der Eltern stoße die Gemeinde auf Verständnis, nur fünf Prozent seien unzufrieden. Huber verwies auf die Qualitätssteigerungen in den vergangenen Jahren: „Es wird fast jeder Wunsch erfüllt und es ist ein hohes Niveau erreicht.“ Er komme aus einer Zeit, in der es solche Rabatte nicht gegeben habe. „Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau“, sagte der Volksvertreter.

Thomas Schmid erklärte die Forderung nach einer Ermäßigung mit den gestiegenen Energiekosten, der Inflation und den höheren Kindergartengebühren. Ab 1. September kostet der Beitrag in allen Buchungskategorien 16 Prozent mehr. „Damit war ich nicht einverstanden“, sagte Schmid. Er wolle Familien mit mehreren Kindern unterstützen: „Das kann die Gemeinde verkraften und den Eltern tut’s gut.“ Der Gemeinderat hat selbst zwei Kinder, wies aber darauf hin, dass er nicht von dem Rabatt profitieren werde. Sein zweites Kind komme in den Kindergarten, wenn die Satzung anläuft.

Nach Angaben von Gemeinderätin Christine Eckert (ÜPW) hat es bereits einmal einen solchen Preisnachlass in der Gemeinde gegeben. „Ich finde das nicht verkehrt, aber unter den jetzigen Gegebenheiten bin ich der Ansicht, das sollte es nur in der Krippe geben“, sagte sie und verwies auf die 100 Euro Zuschuss für Kindergartenkinder. Thomas Schmid stimmte Eckert zu.

„Ich bin eher gegen die Ermäßigung. Wir fördern die Familien doch schon, die Kommune kann nicht alles tragen“, sagte Simon Hager (Bürger für Samerberg, BfS). Ob Geschwister oder nicht, es sei dieselbe Arbeit für die Betreuer. Die Gemeinde habe einen „super Einstellungsschlüssel sowie super schöne und moderne Einrichtungen“. Bürgermeister Huber zufolge wird ein Anstellungsschlüssel von 1:10 empfohlen, also ein Erzieher für zehn Kinder. Samerberg habe einen Erzieher für 7,3 Kinder. Zudem liege die Fachkraftquote bei 93 Prozent.

Irene Schulz-Strein (ZS) schlug vor, die Kita-Gebührenerhöhung auf alle Familien mit Kindern am Samerberg zu verteilen, auch auf die mit Schulkindern. Davon zeigten sich die übrigen Gemeinderäte wenig begeistert. Bürgermeister Huber verwies indes darauf, dass das Landratsamt Rosenheim bedürftige Familien von den Gebühren befreien kann.

„Ein Zuckerl
für die Eltern“

Von 15 Gemeinderäten waren 13 bei der Sitzung am Dienstag, 28. März. Die Entscheidung über den Geschwisterrabatt fiel äußerst knapp aus. Sieben Mitglieder stimmten dafür und sechs dagegen. Daraufhin entschieden die Gemeinderäte über einen Nachlass von zehn Prozent für Geschwister in der Krippe. Neun Mitglieder stimmten dafür, vier dagegen.

„Das ist ein zusätzliches Zuckerl von der Gemeinde an die Eltern“, sagt Kita-Leiterin Andrea Paul. Die betroffenen Familien hätten noch nicht auf die gute Nachricht reagiert, allerdings ist sich Paul sicher, dass sie sich freuen werden. Auch die Leiterin ist dankbar für die Unterstützung: „Die Gemeinde macht total viel für die Kinder.“

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