Frasdorf – Auf Einladung des Heimat- und Kulturvereins Frasdorf berichtete Gustl Lex aus Grabenstätt über die bewegten Jahrzehnte um das Jahr 1800. „Von der Obrigkeit und de kloana Leut“ war sein in bairischer Sprache gehaltener Vortrag überschrieben.
Lex, der weit über seine Heimat hinaus als Heimatforscher, Vortragsredner, Geschichtenschreiber und Verfasser von Mundartwerken bekannt ist, spannte einen Bogen vom Aussterben der letzten altbayerischen Wittelsbacher und dem Einzug des unbeliebten Pfälzers Karl Theodor als Kurfürst in München, über die Französische Revolution und ihre Folgen, die Napoleonischen Kriege mit der Besetzung Tirols durch Bayern bis hin zur Säkularisation.
Rigorose bayerische
„Boarfaken“ in Tirol
Vor allem die Leiden der kleinen Leute durch die ständigen Truppendurchzüge und Einquartierungen, mal von französischen, mal von österreichischen Soldaten, waren Thema.
Besonders ging Lex auf die Zeit ein, als Tirol, von Napoleons Gnaden, bayerisch war. „Boarfaken“ nannten die Tiroler damals die bayerischen Soldaten und vor allem die Beamten, die wohl ziemlich rigoros und unsensibel vorgingen. So wurden die auch im Land Bayern selbst im Zuge der Säkularisation verordneten Maßnahmen wie Abschaffung der meisten Kirchenfeste und der religiösen Gebräuche im erzkatholischen Tirol gegen alle Widerstände durchgezogen. Dazu kam sogar die Requirierung von jungen Tirolern für den Kriegsdienst. Wie das Ganze dann eskalierte mit der Schlacht beim Berg Isel bei Innsbruck und schließlich der Gefangennahme und Hinrichtung von Andreas Hofer, schilderte Lex sehr anschaulich. Als begnadeter Sänger untermalte er diese schicksalhafte Begebenheit mit dem Lied „Ach Himmel, es ist verspielt“. Begleitet wurde er dabei vom Duo Gaby Dicker und Norbert Hierl, die den Vortrag immer wieder mit passenden Musik- und Gesangsstücken bereicherten.
Wie sich auch bei uns die radikalen Reformen von Minister Montgelas auf das religiöse Leben auswirkten, wurde an vielen Einzelbeispielen deutlich gemacht. „Natürlich wurden Fronleichnam und alle Bittgänge, aber auch bei der Bevölkerung beliebte Bräuche wie die Palmweihe und sogar das Färben von Ostereiern verboten“, so Lex.
Die Prophezeiungen des „Mühlhiasl“ ergänzten die Geschichtsfakten. Dieser sagte nicht nur die Weltkriege ziemlich genau vorher, sondern auch Details wie das Aufkommen der Eisenbahn oder „dass sich eines Tages die Mannsbilder wie die Weiberleute kleiden werden“.
Unterhaltsam in
bairischer Sprache
Rudi Mörtl, der Vorsitzende des Vereins Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn und Mitveranstalter des Vortragsabends in Frasdorf, stellte abschließend seinen Verein vor.
Er würdigte Lex als begnadeten Redner und Geschichtskenner: „Er versteht es wie kaum ein anderer, komplizierte Zusammenhänge in bairischer Sprache verständlich und unterhaltsam zu präsentieren.“ Ein Zuhörer meinte über Gustl Lex: „Dem könnte ich stundenlang zuhören.“