Stephanskirchen – Am Ostersonntag treffen sie sich wieder, Familien und Freunde der Stephanskirchner Jungbauern, Kinder und Rentner, Frauen und Männer. Und dann geht‘s ans Oarscheim. „Wir machen das seit Jahren, und es ist schon immer a Gaudi“, sagt Marinus Ladner, Vorstandsmitglied der Jungbauernschaft. Eigentlich ist Oarscheim ganz einfach. Fehler kann der Uneingeweihte trotzdem machen. Welche das sind und wie es richtig geht, erklärt Marinus Ladner.
Die Spielfläche ist nicht eben: Dann rollt das Ei völlig unberechenbar weiter, dreht sich womöglich um seine eigene Spitze oder hoppelt und bricht. Also: Möglichst ebene Fläche suchen.
Der Untergrund ist zu hart: Bekommt dem Ei nicht. „Eine Wiese ist ideal, Erdboden geht auch“, erklärt Ladner. Die gepflasterte Garageneinfahrt taugt eher nicht.
Das Ei ist roh: Gibt eine Schweinerei. Gespielt wird selbstverständlich mit gekochten Eiern. Ob selbst bemalt, beziehungsweise gefärbt oder fertig gekauft, ist für die Laufeigenschaften egal.
Die Bahn ist nicht parallel: Das Ei bekommt einen unerwünschten Drall. Oarscheim-Profis haben sich Bahnen selbst gebaut. Denen sieht man noch die Herkunft an. Denn ursprünglich wurden zwei Rechen so ineinander verhakt, dass ihre Stiele parallel nebeneinanderliegen. Anfänger sollten es erstmal damit versuchen, „müssen vielleicht ein bisserl tüfteln, bis es passt.“
Die Bahn ist zu steil/zu flach: Ist die Bahn zu steil, nehmen die Eier zu viel Fahrt auf. Das sorgt beim Aufeinandertreffen nicht nur für Münzabwurf, sondern auch für Eierbruch. Ist die Bahn zu flach, versammeln sich alle Eier auf einem Fleck. Vergrößert das Durcheinander und verringert die Spannung. Ideal ist es, verrät Marinus Ladner, wenn der Startpunkt auf Stuhlhöhe ist – oder er liegt auf zwei Biertragerln. Die Männer in der Runde dürften volle Kästen bevorzugen, fürs Oarscheim ist es wurscht.
Das Ei wird längs gerollt: Bloß nicht – quer muss es die Bahn hinab aufs Feld. Sonst taumelt das Ei und eiert nicht richtig.
Eigentlich ist
es ganz einfach
Und der Rest ist einfach: Jeder Teilnehmer lässt sein Ei die Bahn hinunter rollen und legt einen Cent auf das stillliegende Ei. Früher war es natürlich ein Pfennig. Schubst der Nächste mit seinem Ei die Münze hinunter, darf er sie einstecken. Und der Ei-Eigentümer legt nach. „Wenn das eigene Ei ganz blöd liegt, muss man halt fast jedes Mal nachlegen“, sagt Ladner. Aber bei einem Cent pro Abwurf sind die Verluste überschaubar.
Ladner empfiehlt: Einfarbige Eier mit Initialen oder anderen Markierungen versehen, damit jeder weiß, welches gelbe oder pinke Ei denn nun wem gehört und wer wo nachlegen muss. Und die handbemalten Kunstwerke erkennen die Spieler ja sowieso.
Die Stephanskirchner Jungbauern treffen sich mit ihren Freundeskreisen am Ostersonntag nach dem Mittagessen. Da sind sie ganz der bayrisch-österreichischen Tradition verhaftet. Wenn es zu sehr vom Himmel schüttet, wird das Oarscheim vielleicht auch mal auf den Ostermontag verschoben. „Aber es findet an einem der beiden Tage statt. Niemals davor oder danach.“