Stephanskirchen – „Ich in schon erschrocken, als ich den Brief im Postkasten fand“, sagt Manfred Müller (Name von der Redaktion geändert). Der Brief, der im privaten Postkasten landete, enthielt Drohungen gegen die Firma und die Familie des Unternehmers. „Meine Frau und meine Tochter mit Familie waren ziemlich verängstigt“, erzählt Müller. Für ihn sei eines aber vom ersten Moment an klar gewesen: Die Polizei muss eingeschaltet werden.
Firmen erhalten
Drohbriefe
Es waren gleich zwei Unternehmerfamilien, die entsprechende Drohbriefe erhielten und sich an die Polizei wandten, sagt Maximilian Maier, Sprecher des Rosenheimer Polizeipräsidiums. Genau das richtige Verhalten bei Erpressung. Und für Müller ohnehin „alternativlos“. „Die Polizei hat extrem professionell reagiert“, lobt der Unternehmer. Mit der Kriminalpolizei war er ständig in Kontakt, die Absprachen waren ausführlich und gut. Wie ernst die Polizei die Angelegenheit nahm, zeigt auch, dass das Landeskriminalamt den Erpresserbrief zur Analyse bekam. Und Müller erkennungsdienstlich behandelt wurde. „Klar, ich hatte den Brief ja in der Hand.“ Der Unternehmer muss lachen: „Das war wie im Krimi!“
Im Erpresserbrief war nicht nur die geforderte Summe – im mittleren fünfstelligen Bereich – angegeben, sondern auch Datum, Uhrzeit und Übergabeort. Müller und die Truppe der Kripo stimmten sich ganz eng ab, wie die nächtliche Übergabe über die Bühne gehen sollte.
Die Beamten der Kripo Rosenheim und Spezialkräfte vom Polizeipräsidium München legten sich auf die Lauer. „Wir haben uns die Unterstützung geholt, weil nicht abzusehen war, wie ernst das Ganze ist“, erklärt Maier. Müller gibt zu: „Mir ging der Puls schon ganz schön hoch, als es losging. So etwas erlebt man ja schließlich auch nicht alle Tage.“
Und dann war alles ganz schnell vorbei, die Erpresserin gefasst und festgenommen. Die Staatsanwaltschaft stellte einen Haftantrag, den der Richter aber ablehnte. Ihm reichten die Haftgründe wohl für die Anordnung von Untersuchungshaft nicht aus, nimmt Maier an. Personalien und Wohnsitz der 1965 geborenen Frau seien bekannt, Fluchtgefahr sah der Richter vermutlich nicht, so Polizeisprecher Maier. Also ist die Frau jetzt auf freiem Fuß. U-Haft oder nicht, das strafrechtliche Verfahren gegen die Frau läuft. Unternehmer Müller hat in der Zwischenzeit einen Brief an Polizeipräsident Manfred Hauser geschrieben. In dem bedankt er sich für die höchst professionelle Arbeit der Polizeibeamten. „Das sind Vollprofis. Denen kann man vertrauen. Die schützen uns“, sagt der Unternehmer überzeugt.
Er ist von noch etwas vollkommen überzeugt: „Jeder, der erpresst oder bedroht wird, der in Schwierigkeiten ist, muss die Polizei informieren. Alles andere ist keine Alternative.“ Natürlich sei es oft eine menschliche Tragödie, wenn jemand auf Mittel wie Erpressung zurückgreift oder gar zurückgreifen muss. „Aber es ist und bleibt ein Verbrechen.“