Umgehung gewünscht

von Redaktion

Tausende Autos rauschen täglich durch Niedernburg und Aign – Das soll sich ändern

Prutting – Es gibt eine jahrzehntealte Planung für eine Umgehung von Niedernburg, Gemeinde Prutting, und Aign, Gemeinde Vogtareuth. Die staubt seit vielen, vielen Jahren im Staatlichen Bauamt, Abteilung Straßenbau, ein. Zeit, sie zu entstauben? Oder sie durch eine neue Planung zu ersetzen? Ja, finden die Anwohner in den Weilern, „das wäre ein gutes Ziel – eine Umgehung von Niedernburg, Aign und Lochen“, sagt Emmeran Voringer. Um sein Haus windet sich die Staatsstraße in einer scharfen Kurve.

In Niedernburg soll
es ruhiger werden

Anwohner Ralf Schurzmann lebt zwar nicht so direkt an der Staatsstraße wie Voringer, ist aber auch ein Befürworter einer Umgehung. „Dann würde es im Ort sicher ruhiger“, sagt er. Und es bestünde die Chance, dass Niedernburg einen Ortsmittelpunkt bekomme. Das sei ja mit dem Neubaugebiet angedacht und ließe sich dann auch umsetzen.

Apropos Neubaugebiet: Das ließe sich nach dem Bau einer Umgehung auch besser erschließen und anbinden, so Voringer. Die geplanten rund 40 Wohneinheiten direkt an die Staatsstraße anzubinden, werde wohl problematisch, vermutet Voringer. Er hoffe zum Wohl des Ortsteils sehr, dass diesmal wirklich eine Umgehung komme, so Anwohner Schurzmann. „Ich bin 53. Als ich etwa 14 oder 15 war, war eine Umgehung schon einmal Thema. Es ist nie etwas daraus geworden.“

In der Verwaltung und im Gemeinderat sei kurz über eine kleine Umgehung, nur für Niedernburg, nachgedacht worden, sagt Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß. Sein Vogtareuther Amtskollege Rudolf Leitmannstetter habe ihn schnell überzeugt, dass eine größere Lösung sinnvoller sei. In der Gemeinderatssitzung am 18. April steht nun der Grundsatzbeschluss des Pruttinger Gemeinderates an. Schwung in die Sache kam durch den Feststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern, dass die Kraglinger Spange zwischen den Stephanskirchner Ortsteilen Kragling/Gehering und Entleiten gebaut wird. Mit der Kraglinger Spange soll eine leistungsfähige Verbindung für den Durchgangsverkehr zwischen Rosenheim und Vogtareuth geschaffen werden, erklärte Pressesprecher Wolfgang Rupp im November vergangenen Jahres.

Die Anwohner in den Weilern nördlich von Stephanskirchen und ihre Kommunalpolitiker befürchten, dass dann noch mehr Lkw knapp an den Häusern vorbeirollen. Dass die Staatsstraße noch attraktiver für Lkw-Fahrer wird, die sich von den Autobahnabfahrten im Süden Rosenheims bis zur Griesstätter Innbrücke nicht nur den Rosenheimer Stadtverkehr, sondern auch etliche Kilometer auf der mautpflichtigen B15 ersparen.

Die Niedernburger und Aigner machten sich im Oktober 2019 die Mühe, selbst zu zählen, wie viele Fahrzeuge am Tag durch ihre Dörfer fahren. Es waren rund 10000 Autos und gut 1300 Lkw. Die Zahlen der jüngsten offiziellen Verkehrszählung vor gut einem Jahr liegen nach Mitteilung des Straßenbauamtes vermutlich erst 2024 vor.

Ein gemeinsamer Antrag der Gemeinden Griesstätt, Vogtareuth, Prutting und Stephanskirchen, die Staatsstraße 2359 auf Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen zu begrenzen, scheiterte. Staatsstraßen seien dazu da, überörtlichen Verkehr aufzunehmen, gegebenenfalls gesperrte Bundesstraßen zu ersetzen, so das Landratsamt.

Jetzt wollen sie eine Umgehung. Thusbaß geht davon aus, dass der Grundsatzbeschluss im Pruttinger Gemeinderat auf wenig Widerstand stößt. Das hoffen auch Voringer, Schurzmann und wohl auch die meisten anderen Niedernburger. Etliche haben vor, am heutigen Dienstag ab 19.30 Uhr bei der Gemeinderatssitzung in der Pruttinger Grundschule dabei zu sein.

Alexander Eisner, beim Straßenbauamt für den Landkreis Rosenheim zuständig, wagt auf Nachfrage der Redaktion eine vorsichtige Schätzung: Wenn die betroffenen Gemeinden und die Anwohner sich einig sind, die nötigen Grundstücke problemlos zu bekommen sind und wenn niemand klagt – also unter idealen Voraussetzungen – wird es dennoch in diesem Jahrzehnt nichts mehr mit der Umgehung.

Zehn Jahre
bis zum Spatenstich

„Es ist sehr wahrscheinlich ein Planfeststellungsverfahren nötig und da dauert die Kartierung aller naturschutzrechtlichen Dinge schon ein Jahr.“ Laufe alles perfekt, sei ein Spatenstich in acht bis zehn Jahren denkbar, sagt Eisner, „aber das ist ein Blick in die Glaskugel“.

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