Griesstätt – Angefangen hat alles vor rund sechs Jahren. „2016 war ich zum ersten Mal auf der ‚Comic Con‘ in Stuttgart – da hat mich das Fieber gepackt und für mich stand fest: Nächstes Jahr tauche ich als Batman auf“, erzählt Markus, den der „Fledermausmann“ schon als Kind begeistert hat.
Anzug, Umhang und Gürtel hat Markus selber gemacht, Maske, Armschienen und Stiefel gekauft. Kostenpunkt für das mittlerweile dritte Kostüm mit 3D-Elementen: knapp 3000 Euro. Viel Bewegungsfreiheit hat Markus nicht, das Kostüm ist starr, den Kopf kann er kaum drehen. „Man ist eingeengt, Platzangst darf hier keiner haben – und man muss seine Grenzen kennen, damit man nicht mitsamt Kostüm kollabiert.“
Verwandlung dauert
eine halbe Stunde
Eine halbe Stunde braucht Markus für die Verwandlung in den „Bavarian Batman“. Der Rückhalt in der Familie sei groß gewesen, als er sich zum ersten Mal so präsentierte. Ein paar Freunde habe er mit dem Cosplay-Fieber angesteckt.
Seine Freundin Nicole hat er so kennengelernt. Das erste Date fand auf der ‚Austria Comic Con‘ in Wels statt – und seither ist sie als „Catwoman“ an seiner Seite. Der gemeinsame Post als Superhelden-Paar erreichte auf seiner Instagram-Seite knapp 13000 Likes.
Über 143000 Menschen folgen Markus auf Instagram. Viele Follower habe der 41-Jährige wohl auch der Cosplay-Szene zu verdanken. Wichtig sei das für den Griesstätter aber nur in Bezug auf seine sozialen Projekte. Denn hinter dem leidenschaftlichen Hobby verbirgt sich ein großes soziales Engagement.
Mit dem Erwachen des „Bavarian Batman“ hat sich Markus einer Herzensangelegenheit verschrieben: Nach dem Prinzip der Klinik-Clowns besucht er Krankenhäuser und Hospize weit über den Kreis Rosenheim hinaus, um schwer kranken Kindern eine Freude zu bereiten und sie von ihrem täglichen Schicksal abzulenken. 40000 Kilometer legte er 2019 in ganz Bayern zurück. Nach der Corona-Pandemie nahm er auf Wunsch der Eltern auch Hausbesuche bei kranken Kindern wahr.
„Um so etwas zu machen, muss man seelisch schon gefestigt sein und viel Leid sehen können. Doch ich wusste, wenn ich in die Szene einsteige, dann für einen guten Zweck. Ich möchte den Kindern etwas Schönes geben und ihnen den Tag mit Geschichten und Geschenken versüßen.“
Im Gepäck hat er neben Spielsachen oft auch „Joker“, „Thor“ „Darth Vader“ oder die „Disney-Eisprinzessin“. Nicht nur von seinen Freunden erhält er Hilfe: Zum einen sei da sein Chef, bei dem er als CNC-Fräser in Bad Aibling angestellt ist, zum anderen der Betreiber des Fanshops „Innventory“ in der Wasserburger Altstadt, der ihn mit Sachspenden für die Kinder versorge und zum Dritten Anselm Fischer vom gleichnamigen Restaurant „Fischergust“ in Attel. „Wirklich gute Unterstützer“, betont Markus.
Durch die Cosplay-Szene sind freilich in seinem Freundeskreis neue Bekanntschaften dazu gekommen, mit denen dann Fotos gemacht werden: „Man hat in ganz Deutschland Freunde und der Zusammenhalt ist riesig. Wir sehen uns nicht so oft, aber haben uns immer viel zu erzählen.“
Selbstverständlich fallen die Reaktionen unterschiedlich aus, wenn „Batman“ mit seinen Freunden durch die Gassen der Wasserburger Altstadt spaziert. „Den Jüngeren gefällt es und wir posieren gerne für Fotos. Ältere reagieren eher mit Unverständnis oder Kopfschütteln. Aber für uns ist es ein Hobby und dass etwas Gutes dahintersteckt, wissen die Leute auf den ersten Blick ja nicht“, unterstreicht Markus. Ins Kostüm wirft sich Markus meist direkt vor Ort, denn Auto fahren mit Maske würde das Gesetz vermutlich eher nicht dulden. Mit der Polizei hatte es der Superheld ohnehin bereits ein paar Mal zu tun, wie er erzählt. Als er mit einer ganzen Gruppe in voller Montur durch München flanierte, habe jemand die Polizei alarmiert, weil „dunkle und düstere Gestalten“ um die Häuser schleichen würden. „Die Polizisten machten erst mal große Augen, als sie uns entdeckten und wollten dann Fotos schießen“, erinnert sich Markus mit einem breiten Grinsen an die skurrile Szene.
Beim Shooting
kommt die Polizei
Und bei einer blieb es nicht: „Bei einem Shooting auf einem Gelände am Bahnhof waren die Türen zu einer Lagerhalle nicht verschlossen, was wir nutzten – sieben Cosplayer, drei Fotografen und plötzlich stand die Polizei vor uns und wollte wissen, ob wir eingebrochen seien. Sind wir natürlich nicht. Die Bahn hat letztlich von einer Anzeige abgesehen, da sie wusste, dass der Ort gerne für Shootings genutzt würde. Unsere Personalien wurden trotzdem aufgenommen.“
Hätte er im realen Leben eine Superkraft, so würde Markus gerne fliegen können. „Alltagstauglich und spritsparend“, lautet die knappe Antwort nach kurzem Überlegen.