Großkarolinenfeld – Albert Schnitzer leitet seit 2015 als Vorsitzender die Geschicke des Männergesangvereins Großkarolinenfeld. In den vergangenen Jahren wurde der 83-Jährige dreimal wiedergewählt. Warum diese Aufgabe trotz jeder Menge Arbeit große Erfüllung bereitet, hat der Großkarolinenfelder im OVB-Interview verraten.
Herr Schnitzer, wie kamen Sie zu Ihrem Amt?
Gesungen habe ich schon immer gerne und bin bereits seit 1967 im Gesangverein. Ich war Lehrer und später Schulrat – für Lehrer war es damals mehr oder weniger selbstverständlich, dass sie in einem Chor mitsingen. Seit 2012 habe ich im Vorstand mitgearbeitet. Als mein Vorgänger krank wurde und das Amt nicht mehr ausführen konnte, habe ich es übernommen.
Sie sind 83 Jahre alt. Ist so ein Ehrenamt nicht sehr anstrengend?
Manchmal schon, insbesondere die Organisation. Man muss für seine Vorhaben immer Partner finden, Ziele im Verein absprechen, planen, vermitteln. Das meiste mache ich per E-Mail. Rund zehn Stunden pro Woche investiere ich für die Vereinsarbeit. Da sind die Chorproben nicht einberechnet.
Was gibt Ihnen diese Aufgabe?
Da gibt es gleich eine ganze Reihe von Aspekten. Zum einen ist es schön, anderen eine Freude zu machen. Unsere Zuhörer sind oft ältere Personen, für die es nicht so ein großes Angebot an Unterhaltung gibt. Da kommt es besonders gut an, dass wir viele bayerische und Volkslieder darbieten. Außerdem ist es schön, in den Veranstaltungskalender der Gemeinde so stark eingebunden zu sein. Als Nächstes steht zum Beispiel die Maiandacht an, zu der wir auftreten.
Und schließlich ist es die Geselligkeit, die große Freude macht. Ich sage immer: Wir sind ein Verein und keine Chorgemeinschaft. Der Unterschied ist, dass wir nach dem Singen noch sitzen bleiben.
Erst kürzlich war zum Beispiel Gesangsprobe bis um 21 Uhr, doch anschließend saßen wir noch fast zwei Stunden gemütlich beisammen. Da ein Sänger Geburtstag hatte, lud er uns nach dem obligatorischen „Standerl“ zu weiteren Getränken ein.
Ist es schwer, Kandidaten für die Posten in einem Verein zu finden?
Bei uns ist es leicht, weil der Großteil wiedergewählt wird. Wir haben das Glück, dass wir im Vorstand gut befreundet sind und auf jedem Posten ein Profi sitzt.
Die Zahl der Ehrenamtlichen ist in Deutschland laut Statista von 17,11 Millionen im Jahr 2020 auf 15,72 Millionen in 2022 gesunken. Ein Rückgang von über acht Prozent. Warum glauben Sie, schwindet das Interesse an einem Ehrenamt in einem Verein?
Der Vereinsgedanke kommt bei den jungen Leuten nicht mehr so an. Die junge Generation ist sehr mit dem Computer und dem Smartphone beschäftigt. Das soziale Moment und das Verbundensein sind da nicht mehr so wichtig. Für die Vereinsarbeit ist das natürlich schlecht. Was unseren Gesangverein angeht: Die jungen Leute haben auch bei der Musikauswahl einen anderen Geschmack und interessieren sich mehr für Popmusik als für Volksmusik.
Können Frauen bei Ihnen mitmachen?
Als passive Mitglieder gerne. Der Chor ist allerdings ein Männerchor, da würde es stimmlich nicht passen, wenn eine Frau mitsingen würde.
Was sollte man mitbringen, wenn man einen Posten als Vereinsvorsitzender übernimmt?
Man muss Zeit haben und Freude am Gesang. Dazu kommt die Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen, sowie die Fähigkeit, Kompromisse zwischen unterschiedlichen Interessen zu finden. Einerseits sollte man den Verein führen, andererseits darf man sich aber nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen.
Mit welchen Herausforderungen ist der Verein aktuell konfrontiert?
Unsere Mitgliederzahl ist rückläufig. Viele von uns sind schon seit Jahrzehnten dabei und werden nun einmal nicht jünger. Inzwischen sind wir nur noch 25 Mitglieder und davon 18 Sänger. Wir sind sehr froh, dass wir in den vergangenen Jahren dennoch vier neue Mitglieder gewinnen konnten. Wir hoffen natürlich, dass der Verein auch in Zukunft fortbestehen kann. Außerdem sind wir sehr glücklich, dass wir schon so lange durchgehalten haben. Im Januar dieses Jahres haben wir – wegen Corona um zwei Jahre verspätet – unser 125. Vereinsjubiläum gefeiert.
Interview: Katharina Heinz