Komplizierter als gedacht

von Redaktion

Deutschlandweites 49-Euro-Ticket für Schüler produziert organisatorisches Chaos

Rosenheim/Brannenburg/Nußdorf – „Das ist alles deutlich komplizierter, als sich das alle vorstellen”, betont Kurt Margreiter, Geschäftsführer des gleichnamigen Busunternehmens. Der Nußdorfer muss sich im Moment täglich mit dem neuen Deutschlandticket auseinandersetzen. Denn der günstige Tarif, mit dem ab dem 1. Mai für monatlich 49 Euro durch ganz Deutschland gefahren werden kann, bringt die bisherige Ordnung im Schulverkehr komplett durcheinander. 

Grundsätzlich zahlt der Aufwandsträger

Um die Problematik zu verstehen, muss man sich aber zunächst mit den bisherigen Regeln für den Schulweg auskennen. Grundsätzlich wird die Schülerbeförderung in Bayern durch das Gesetz über die Kostenfreiheit des Schulweges geregelt. Demnach ist für die Finanzierung der sogenannte Aufwandsträger zuständig. Für Grundschüler ist dieser Träger die jeweilige Gemeinde. An weiterführenden Schulen bis einschließlich der 10. Klasse ist der Landkreis zuständig. 

Einen Anspruch auf den kostenlosen Schulweg haben dabei nur diejenigen, die in der Grundschule mindestens zwei oder ab der fünften Klasse mindestens drei Kilometer vom Schulgebäude entfernt wohnen. Sie bekommen für das Schuljahr eine Karte für den öffentlichen Nahverkehr finanziert. „Die Listen mit den Schülern bekommen wir normalerweise im Mai, also drei Monate vor Schulbeginn”, erklärt Margreiter. Dem Busunternehmen bliebe damit genug Zeit, um die ab September gültigen Tickets auszustellen. 

Dieses System wird durch das Deutschlandticket über den Haufen geworfen, da der neue Monatstarif nun für einige Schüler, je nach Entfernung, günstiger ist als die bisherige Monatskarte. Das bisher gültige Ticket muss daher kurzfristig für die abschließenden drei Schulmonate ausgetauscht werden. 

„Die Organisation ist noch nicht abschließend geklärt”, sagt Tanja Pfeffer, Sprecherin des Rosenheimer Landratsamtes, auf Nachfrage des OVB. Geplant sei derzeit, das Deutschlandticket in Form von Papier-Ausdrucken mit QR-Codes für jeden berechtigten Schüler zentral bei einem Anbieter zu bestellen. Die Ausgabe und Rückgabe der bisherigen Schülerfahrkarten soll dann über die jeweiligen Schulen erfolgen. „Die Gespräche mit den Schulen zum genauen Vorgehen folgen aber noch“, meint Pfeffer. Im besten Fall sollen die Schüler das Deutschlandticket bereits in der ersten Maiwoche erhalten. 

Während das Landratsamt die weiterführenden Schulen versorgt, ist der organisatorische Aufwand für das Deutschlandticket für Grundschüler in manchen Gemeinden zu groß. „Das können wir in der kurzen Zeit nicht stemmen”, meint Roland Berndl vom Brannenburger Schulverband, der sich um den Transport der Schüler zwischen Nußdorf, Flintsbach und Brannenburg kümmert. Er macht daher von der Sonderregelung des Bayerischen Verkehrsministeriums Gebrauch, wonach die „alten“ Tickets für das aktuelle Schuljahr noch beibehalten werden können. Zumindest für die Grundschüler rund um Brannenburg ändert sich damit bis zum September erst einmal nichts.  

Diejenigen, die im Mai schon ein Deutschlandticket bekommen, haben allerdings einen Vorteil. Denn mit dem neuen Ticket können die Schüler mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht nur zum Unterricht, sondern durch ganz Deutschland fahren.

Allerdings profitieren davon nur die Schüler bis zur 10. Klasse, die weit genug von der Schule entfernt wohnen. „Die Regelung ist insoweit unfair, da nur ein Teil der Schüler das Deutschlandticket finanziert bekommt”, sagt Martin Löwe, Landesvorstand des Bayerischen Elternverbandes. Man dürfe das Deutschlandticket daher eigentlich nicht mit der Distanzregelung verknüpfen, sondern vielmehr versuchen, die günstige Alternative für alle Schüler zugänglich zu machen. „Inwieweit das die Kommunen oder die Busunternehmen finanziell belasten würde, kann ich allerdings nicht einschätzen“, räumt Martin Löwe, Landesvorstand des Bayerischen Elternverbandes, ein. 

Im Fall von Margreiter ist das 49-Euro-Ticket ein klarer finanzieller Verlust. „Vorher lag der Tarif bei rund 90 Euro im Monat”, meint er. Um eine Entschädigung für seine Ausfälle zu beantragen, blieb ihm außerdem nur wenig Zeit. Bis zum 17. April musste er bereits den ersten Antrag auf Ausgleichszahlungen beim Bayerischen Verkehrsministerium stellen. 

Kompliziertes
Verfahren

Um den bürokratischen Aufwand ein wenig zu minimieren, hofft der Nußdorfer, dass die Abwicklung des Deutschlandtickets einheitlich über die Gesellschaft Regionalverkehr Oberbayern (RVO) geregelt wird. „Das würde uns ein wenig helfen”, meint der Unternehmer.

Alle Schüler ab der 11. Klasse, die gemäß dem Rosenheimer Landratsamt selbst für ihre Beförderungen sorgen müssen, können ihr Ticket bereits über das RVO bestellen. Eines steht für den Nußdorfer Verkehrsunternehmer aber fest. „Bis Mai alle berechtigten Schüler mit dem Ticket zu versorgen – das wird eng.”

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