Bad Aibling/Rosenheim – Das Erste, was an Stephanie Meier (35) auffällt, wenn sie in den Gemeinden in der Region unterwegs ist, um die Kommunen bei der Jugendarbeit zu unterstützen, ist ihr bunter Koffer. Ein kleiner Kinderkoffer in knalligen Farben, der die Aufschrift „#MyVision23“ trägt. Die Beteiligungskonferenz, die Meier derzeit besonders am Herzen liegt und für die sie kräftig die Werbetrommel rührt. Und für die die 35-Jährige, die in Willing bei Bad Aibling lebt, seit 1. Januar 2023 als Kommunale Jugendpflegerin im Landkreis Rosenheim die Verantwortung trägt.
Acht Jahre hatte Stephanie Meier vor ihrer neuen Aufgabe im Landratsamt Rosenheim als Jugendpflegerin in der Katholischen Jugendstelle in Stadt und Landkreis Rosenheim gearbeitet. Eine Zeit, die sie nicht missen möchte. Dennoch kam immer mehr der Wunsch auf, neue Wege zu beschreiten, eine neue Herausforderung zu suchen. „Es hat sich irgendwann immer alles wiederholt“, sagt die junge Frau mit dem ansteckenden Lachen. Vor zwei Jahren habe sie sich dann die Frage gestellt: „Wie geht es jetzt für mich beruflich weiter?“
„Tolle Gespräche“ auf
der letzten Etappe
Die Entscheidung, eine neue Herausforderung zu suchen, fiel dann letztlich dort, wo viele Menschen über ihr Leben und ihre Zukunft nachdenken: auf dem Jakobsweg zwischen Portugal und Spanien. Von Porto aus hatte sie sich zu Fuß auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht – rund 280 Kilometer, ohne Begleitung. „Diese Zeit habe ich einfach ganz für mich alleine gebraucht“, sagt die 35-Jährige, die auf den stundenlangen Fußmärschen aber keineswegs vereinsamt ist. „Eigentlich ist man dort ja nie alleine unterwegs“, sagt sie. „Es sind ja so viele Menschen dort, mit denen man, wenn man das will, in Kontakt kommen kann.“ So war sie am letzten Tag ihrer zehntägigen Pilgerreise mit einer Frau aus Deutschland in Kontakt gekommen. „Wir sind dann gemeinsam die letzte Etappe bis zum Ziel gegangen“, erinnert sich Meier zurück. „Das waren wirklich tolle Gespräche, die wir auf dem Weg geführt haben.“ Gespräche, die sicherlich auch im Tagebuch festgehalten worden sind, das die 35-Jährige während ihrer Pilgertour geführt hat. „Auf diese Weise konnte ich sehr gut reflektieren und letztlich entscheiden, wie es beruflich mit mir weitergehen soll.“
Am Ende stand für die Frau fest, dass sie beruflich einen neuen Weg einschlagen will. So bewarb sie sich beim Landratsamt Rosenheim, das eine Kommunale Jugendpflegerin suchte, die das dreiköpfige Team komplettieren sollte. Der Start sei dann aufgrund der Witterung Anfang Januar auf der einen Seite zwar „kalt“, aufgrund der neuen Kollegen auf der anderen Seite aber „sehr herzlich gewesen“. Und auch fast fünf Monate später hat sie den Schritt nicht bereut. Auch wenn „es am Anfang einen Tag gegeben hat, an dem ich vor lauter neuer Informationen nicht mehr gewusst habe, wo mir der Kopf steht“.
Doch mittlerweile ist die junge Frau, die aus der Oberpfalz stammt, absolut in ihrem neuen Aufgabenfeld angekommen. „Meine Aufgabe ist es, Politik, Verwaltung und Jugendliche miteinander ins Gespräch zu bringen“, beschreibt die Fachkraft für Jugendbeteiligung, die in Regensburg Soziale Arbeit studiert hatte, ihre Aufgabe. Zudem unterstützt sie die einzelnen Kommunen des Landkreises bei der Jugendarbeit, wie beispielsweise Ende März die Gemeinde Feldkirchen-Westerham bei der Jungbürgerversammlung.
Dass es heutzutage schwieriger ist, an die Jugendlichen heranzukommen, als noch vor wenigen Jahren, findet Meier nicht. „Es verändert sich aber, wo die Jugendlichen zu finden sind“, sagt die 35-Jährige. So würden viele Kinder und Jugendliche heute ganztags betreut, hinzu käme ein breites Angebot für Kinder und Jugendliche jedes Alters der unterschiedlichsten Vereine. Was Meier aber nicht als Konkurrenz empfindet. „Jugendarbeit ist ja sehr vielfältig“, sagt sie. „Einige brauchen einen Verein, wo sie mitmachen können, andere eher ein offenes Angebot, das wir bieten.“
Meier, die bei Wernberg-Köblitz im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf aufgewachsen ist, hat aber nicht nur beruflich eine neue Heimat gefunden, sondern seit mittlerweile fast zehn Jahren auch in Oberbayern. „Natürlich ist die Oberpfalz mein Zuhause“, sagt die 35-Jährige. „Aber auch Bad Aibling ist für mich ein Stück Heimat geworden.“ So liebt sie nicht nur Ausflüge in die Bergwelt der Region, sondern auch das Vereinsleben. Sie ist Mitglied im Trachtenverein Willing, wo sie selbst in der Plattlergruppe aktiv war. Wobei die Tanzschritte keine große Herausforderung für sie waren, wie Meier gesteht: „Das ist nicht so viel anders als in der Oberpfalz, wo ich früher selbst beim Volkstanz mitgemacht habe.“ Gewöhnen musste sie sich eher an die „etwas andere Mentalität“ der Oberbayern. „Die Oberpfälzer sind etwas zurückhaltender als die Oberbayern“, findet die 35-Jährige. „Manche würden vielleicht sagen, dass wir etwas maulfaul sind“, sagt sie und lacht. „Eigentlich sind wir das aber gar nicht.“ Heimweh empfinde sie zwar keines, dennoch freue sie sich natürlich immer, wenn sie nach Hause fahre. Zumal dort nicht nur Freunde, ihre Eltern und ihre kleine Schwester auf sie warten, sondern mittlerweile auch eine kleine Nichte, die sie sehr ins Herz geschlossen hat. Und mit der sie regelmäßig Kontakt per Videochat hält und dort deren Entwicklung verfolgt. Fast ebenso gespannt verfolgt sie seit einigen Jahren die Entwicklung der beiden Mammutbäume, die ihr Vater auf ihr „Drängen hin“ noch vor der Corona-Pandemie auf dem heimischen Hof gepflanzt hat. Und die mittlerweile über zwei Meter hoch sind. „Das hat mich damals viel Überzeugungsarbeit und Überredungskunst gekostet, dass die gepflanzt werden“, sagt die 35-Jährige, die die beiden Mammutbäume als eines ihrer „schönsten Projekte“ bezeichnet.
Vorbereitung der
„MyVision23“ läuft
Ein Prädikat, das vielleicht auch die Jugendbeteiligungskonferenz „MyVision23“ von ihr bekommen könnte. Die 35-Jährige arbeitet akribisch darauf hin, dass die dreitägige Veranstaltung im Juli in Breitbrunn ein voller Erfolg wird. Und sich somit auch der kleine Kinderkoffer in den knalligen Farben, mit dem Meier seit Wochen unterwegs ist und der hunderte Flyer für die Veranstaltung enthält, um die Werbetrommel für die Veranstaltung zu rühren, bezahlt macht.