Stephanskirchen – „Alles auf Anfang“ hieß es jetzt bei der Sanierung der Luisenbrücke. Weil die Höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern das ablehnte, was die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt sehr deutlich in Aussicht gestellt hatte: einen nennenswerten Anteil der Kosten zu übernehmen.
Die finanzielle Beteiligung war aber Voraussetzung, dass sich der Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde vor zwei Jahren dazu durchrang, den Ersatzneubau der maroden Luisenbrücke so zu gestalten, dass die Brücke bis fünf Tonnen Last trägt und bei 3,5 Metern Breite von größeren Fahrzeugen genutzt werden kann. Was eigentlich nicht dringend nötig wäre.
Moore, Biotope
und Auwälder
Die Luisenbrücke führt über die neue Achen, einen Abfluss des Simssees, und mündet nach wenigen hundert Metern in die Sims. Sie liegt im 30 Jahre alten Naturschutzgebiet „Südlich des Simssees“. Dieses ist geprägt von unterschiedlichsten Landschaftsformen: Nieder-, Flach- und Hochmoore, Biotope und Auwälder sind Lebensraum für viele bedrohte und seltene Pflanzenarten.
Durchgangsverkehr gibt es dort nicht. Nur einen Gehweg durch das Naturschutzgebiet. Von Baierbach Richtung Brücke ist das Gebiet ziemlich bewaldet. Auf der anderen Seite der Luisenbrücke liegen die Achalterwiesen. Diese Wiesen, so Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie), sollen offen bleiben, nicht verwalden. Um eben verschiedene Lebensräume zu erhalten.
Nachdem die Regierung von Oberbayern mitteilte, dass sie sich nicht am Brückenersatzbau beteiligen wird, hieß es abspecken, so Mair. Denn Betonwiderlager mit einer Gründung bis in fast 30 Meter Tiefe will die Gemeinde für eine Brücke im Naturschutzgebiet nicht alleine finanzieren. Zumal die Bauarbeiten dort nur unter schwierigen Bedingungen umzusetzen wären, wie der Tiefbau-Experte im Bauamt anmerkte. Die Gründung der Brückenpfeiler in knapp 30 Metern Tiefe schien dem Chef des Bauamtes, Wolfgang Arnst, weit über das Ziel hinausgeschossen. „99 Prozent“ derjenigen, die die Luisenbrücke queren, so seine Schätzung, sind Fußgänger und Radfahrer. „Da fährt höchstens dreimal im Jahr ein Bulldog“, so der halblaute Kommentar eines Ausschussmitglieds.
Das Ingenieurbüro Wolf, das schon den ursprünglichen Ersatzneubau entworfen hatte, machte sich erneut an die Planung. Ein Vertreter des Büros stellte diese jetzt im Bau- und Planungsausschuss vor. Die neue Luisenbrücke behält eine Fahrbahnbreite von 3,5 Metern. Damit können die neuen Pfeiler – wieder aus Holz –- in die vorhandenen Löcher gerammt werden. Wolf schlug Lärchen-, besser noch Eichenpfähle vor. Lebensdauer etwa 15 bis 20 Jahre. Zwischen Unterkante Brücke und Wasserspiegel ist künftig ein Meter Platz. Was laut Arnst reicht, dass Fischerboote die Brücke passieren können. Der Weg auf die Brücke wird so flach gestaltet, dass die Neigung mit einem Rollstuhl zu bewältigen ist. Komplett gestrichen wurde die Überdachung der Brücke.
Stephan Mayer (Parteifreie) fragte vorsichtshalber noch einmal nach: „Für uns würde doch eine Geh- und Radlbrücke reichen. Das heißt, wir bauen jetzt für etwas, das uns nicht wirklich angeht?“ Ja, bestätigte der Planer. Schränkte allerdings sofort ein, dass der finanzielle Unterschied zwischen zwei und 3,5 Metern Breite nicht riesig sei, weil viele Kosten ohnehin anfallen. Lediglich die Materialmenge mache den Unterschied.
Das Material ist auch der Grund, warum die Kosten für die Erneuerung der Luisenbrücke noch deutlich von den geschätzten gut 175000 Euro abweichen könnten. Die Preisschwankungen bei Holz und Stahl sind derzeit massiv. Die Brücke könnte, so die Aussage der Fachleute, genauso gut 20 Prozent billiger wie 20 Prozent teurer werden. Die Mittel standen schon in den Vorjahren im Haushalt bereit, sie tun es auch 2023.
Ob sie ab November für die Runderneuerung der
Luisenbrücke nach der jetzt vorgelegten Planung eingesetzt werden, das entscheidet am Dienstag, 25. April, der Gemeinderat. Der Bau- und Planungsausschuss jedenfalls sprach sich einstimmig für die abgespeckte Planung aus.