Kein Corona, aber auch keinen Schnee

von Redaktion

Gemischte Bilanz der Wintersaison in Oberaudorf – Viele buchen nur noch kurzfristig

Oberaudorf – „Viele Reisende buchen mittlerweile nur noch kurzfristig“, berichtet Melanie Herbusch, Geschäftsführerin des Gasthofs Berghupferl. Aufgrund der Erfahrungen aus den Jahren der Pandemie seien viele Besucher des Kurorts deutlich vorsichtiger geworden und vermieden es vielfach, sich im Voraus langfristig festzulegen.

Für die Einzelunternehmerin ist das der Hauptgrund, warum die Wintersaison in ihrem Gasthof „quasi nicht vorhanden“ war. Denn bei spontanen Buchungen können Gäste viel besser auf das Wetter reagieren und ihren Winterurlaub in Oberaudorf dementsprechend anpassen. Da es in dieser Saison aber erheblich an Schnee mangelte, sind die Besucherzahlen laut Herbusch in diesem Winter nicht viel besser ausgefallen als in den beiden Pandemie-Jahren zuvor. 

Durchreise nach
Österreich

„Die Beurteilung der Wintersaison 2022/2023 für Oberaudorf ist sehr differenziert vorzunehmen“, meint auch Martina Schweinsteiger, Leiterin der Tourist-Information Oberaudorf. Den Statistiken zufolge sind erfreulicherweise durchaus mehr Urlaubsgäste in die Gemeinde gekommen als noch im Vorjahr. „Im Januar und Februar haben wir insgesamt ein Plus von 25 Prozent bei den Ankünften und von knapp 22 Prozent bei den Übernachtungen“,  bilanziert die Tourismuschefin. Damit würden die Zahlen vor den Corona-Jahren nahezu wieder erreicht werden.  Den Grund dafür sieht Gastwirtin Herbusch im Durchreiseverkehr in das Nachbarland. „Gut 80 Prozent meiner Gäste waren hier, um dann in Österreich Skifahren zu gehen.“

„Die Gäste schätzen die geografisch gute Lage Oberaudorfs“, betätigt Schweinsteiger im Hinblick auf die gute Erreichbarkeit von Kufstein, München oder Salzburg aus. Die Anzahl der Tagesgäste aus der Region sei jedoch gefühlt in diesem Winter etwas rückläufig gewesen. Aus der Sicht von Schweinsteiger liegt das vor allem daran, dass in den Regionen München und Rosenheim nur sehr zögerliche „Winterstimmung“ aufkommt, wenn dort zu dieser Zeit kein Schnee liegt. Gerade die Skigebiete am Sudelfeld und am Hocheck bleiben laut der Tourismusleiterin aber eine Hauptattraktion, die viele Gäste im Winter anzieht.   „Natürlich sind wir mit der Wintersaison nicht zufrieden“, bilanziert Hannes Rechenauer, Geschäftsführer der Hocheck-Bergbahnen. Nachdem der Schneefall rund um Weihnachten im Familienskigebiet große Hoffnungen weckte, sei es danach trotzdem noch zu einem der schwächsten Winter der vergangenen Jahre gekommen. Allein, dass die Gäste wieder ohne Einschränkungen Skifahren konnten, war laut Rechenauer ein positives Zeichen. „Dass dann kein Schnee liegt, ist einfach sehr unglücklich.” Nicht zuletzt deshalb wagte der Chef der Bergbahn auch den Versuch mit der Kunststoffpiste, die für großes Aufsehen sorgte. Da die Platten zumindest „für die ersten Schwünge” bei Anfängern oder Skikursen gut ankamen, will Rechenauer die künstliche Piste auch für die kommende Saison wieder auslegen. Denn damit ließe sich das Skifahren zumindest für die Winteranfänge in einem gewissen Maß garantieren. 

Hoffen auf
starken Sommer

Die Hoffnung der Freizeitanbieter liegt nach einem überschaubaren Winter nun auf der warmen Jahreszeit. „Wir blicken sehr zuversichtlich in die kommende Sommersaison“, meint Schweinsteiger. Mit zahlreichen Angeboten wie dem Spiel- und Sagenweg, der Sommerrodelbahn, dem Sportlerweg und zahlreichen Wandermöglichkeiten sei der Kurort sehr beliebt. 

„Wir haben in der Regel einen starken Sommer“, bestätigen auch Rechenauer und Herbusch. Wie das Angebot dann im kommenden Winter angenommen wird, konnte keiner von beiden prognostizieren. Im Zweifel bleibt daher wohl nur, auf besseres Wetter zu hoffen.

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