Großkarolinenfeld – Keller und Gärten standen im Bereich des Pfaffenhofener Angerbachs im August 2020 nach einem Starkregen unter Wasser. Damit es nicht noch einmal zu einer solchen Überschwemmung kommt, hat der Gemeinderat damals beschlossen, ein Hochwasserschutzkonzept erarbeiten zu lassen. Dabei sollte unter anderem unter die Lupe genommen werden, wie sich Angerbach und Schustergraben bei starkem Regen verhalten.
Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim unterstützte das Vorhaben. Mit dessen positivem Bescheid hatte die Gemeinde freie Bahn, um ein öffentlich gefördertes „Integrales Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept“ für das Niederschlagswasser erstellen zu lassen.
Suche nach
den Gefahren
In der vergangenen Sitzung des Gemeinderates stellte Dr. Martin Wolf vom beauftragten Ingenieurbüro Aquadocs aus München erste Ergebnisse vor. „Das Ziel war es, eine erste Einschätzung darüber zu bekommen, wo die Risikostellen sind“, erklärte er. Die Vorgabe von Gemeindeseite aus sei es gewesen, sich insbesondere die Einflussbereiche um den Angerbach und den Schustergraben genau anzusehen. Außerdem hat man das Niederschlagskanalnetz betrachtet und überprüft, ob es dort Schwachstellen gibt.
Aus den ermittelten Daten wurde ein sogenanntes hydrodynamisches Abflussmodell erstellt. Der Experte betonte, dass es sich lediglich um ein Modell handle. Man habe die Ergebnisse aber mit Vor-Ort-Berichten abgeglichen und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Modell recht nahe an der Wirklichkeit liege.
Um die Erkenntnisse vermitteln zu können, erklärte der Ingenieur zunächst wichtige Fachbegriffe. Demnach sei ein Regenwasserkanalnetz auf ein relativ häufiges Regenereignis ausgerichtet, das etwa alle zwei bis drei Jahre auftritt. „Das Netz im Siedlungsbereich entspricht den Anforderungen“, resümierte Dr. Wolf.
Ein „seltenes Regenereignis“, das etwa alle 20 Jahre auftritt, müsse bereits nicht mehr vom Kanalnetz vollständig aufgefangen werden. Es sei unwirtschaftlich, einen Kanal auf ein solches Szenario aufzurüsten. Das überschüssige Regenwasser fließe hierbei über die Oberfläche ab – im besten Fall, ohne Schaden anzurichten. Die Gemeinden seien hier gefragt, die betroffenen Areale entsprechend zu gestalten. Auch Privathaushalte können Schutzmaßnahmen ergreifen. Im Pfaffenhofener Modell waren bei diesen Regenereignissen bereits einige Gebiete betroffen. Der Experte riet hier insbesondere zu einem lokalen Objektschutz. Bodengleiche Fenster etwa müssten entsprechend gesichert werden. Auch ein hundertjährliches Hochwasser sowie ein noch seltenerer Extremregen wurden simuliert. In diesem Modell breitet sich der Angerbach über eine angrenzende Wiese aus. Auch die naheliegenden Siedlungsbereiche sind von Überschwemmungen betroffen. Ingenieur Wolf erläuterte, dass die vorliegenden Ergebnisse nur eine erste Grundlage seien.
Nun müsse erarbeitet werden, welche Maßnahmen zu treffen sind. Neben einem lokalen Objektschutz seien etwa natürliche Retentionsflächen oder Hochwasserschutzmauern denkbar.
Manfred Altenweger (CSU) erkundigte sich nach der Situation in der Ahornstraße. Er vermutete, dass es beim vergangenen Hochwasser dort zu einem Rückstau im Stadlergraben gekommen sei. Der Ingenieur verneinte dies. Das Wasser käme hier aus dem Regenwasserkanal, da sich der Bereich in einer Senke befinde.
Elisabeth Grabmaier (CSU) wollte wissen, ob man das Wasser bereits vor Pfaffenhofen zurückhalten könne. Dr. Wolf erklärte, dass die angrenzende Stadt Rosenheim eine vertragliche Menge Wasser ableiten dürfe und sich an diese Vorgabe halte. Weitere Zuläufe gebe es in dem Bereich nicht.
Fachbüro erarbeitet
bauliche Maßnahmen
Bürgermeister Stefan Adam (CSU) kündigte an, in dieser Richtung weiterzuarbeiten. Auch eine Anwohnerversammlung sei denkbar.
Die Verwaltung soll nun in Zusammenarbeit mit einem Fachbüro mögliche bauliche Maßnahmen erarbeiten, um die Überschwemmungsgefahr bei einem HQ100 zu verringern. Der Gemeinderat sprach sich einstimmig dafür aus.