Obing – Die Bilder des Schreckens sind vielen Bürgern und knapp 300 Waldbesitzern in Obing und Umgebung noch sehr präsent: Vor gut zwei Jahren, am 28. Juli 2021, riss ein verheerender Gewittersturm eine Schneise der Verwüstung durch Teile der Landkreise Traunstein und Rosenheim. Besonders betroffen war die Region um Obing, Pittenhart, Kienberg und Altenmarkt. In kürzester Zeit wurden dabei 320 Hektar Waldfläche mit mindestens 100000 Festmetern Holz vernichtet. Die entstandenen Schäden gingen in die Millionen. Firmen aus dem ganzen Landkreis waren in die Aufarbeitung der Schadflächen eingebunden.
Begehung mit Revierförsterin
Im Rahmen einer Waldbegehung mit Revierförsterin Petra Bathelt bei Obing, die die Waldbesitzervereinigung (WBV) Traunstein zusammen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten veranstaltet hat, informierten sich jetzt rund zwei Dutzend Waldbauern über den aktuellen Stand der Wiederaufforstungsarbeiten. Zur Sprache kam dabei auch die Strategie mit robusten Neupflanzungen zum Waldumbau im Zeichen der Klimaveränderung. „Da blutet einem schon das Herz, da hängt die Arbeit von Generationen dran“, erinnerte sich Andreas Voderhuber an die Sturmschäden.
Der Erste Vorsitzende der WBV Traunstein war einer der am stärksten betroffenen Waldbauern. Etwa sechs Hektar Wald mit bis zu 120 Jahren Jahre alten Bäumen hat der Sturm bei ihm hinweggefegt. 3000 Festmeter Holz mussten in kürzester Zeit aufgearbeitet werden. Normalerweise würde er pro Jahr und Hektar zur Waldpflege 10 bis 15 Festmeter für Schreinerware, Brennholz und Hackschnitzel nutzen. Andreas Neuhauser, Förster und stellvertretender Geschäftsführer des WBV Traunstein, berichtete, dass der Verein trotz mancher anfänglicher Panikverkäufe angesichts der Schäden „insgesamt ein gutes Ergebnis“ für die Waldbesitzer erzielen konnte. Trotz der Extremsituation konnte das Schadholz dank guter Marktsituation zu fairen, „teilweise sogar zu Höchstpreisen“ verkauft werden.
Dank des späten Schadenszeitpunktes im Hochsommer sei der Borkenkäfer nicht mehr zum Problem geworden. Auch Holz, das erst im darauffolgenden März aufgearbeitet werden konnte, habe noch „gute Qualität“ gehabt. Beim Rundgang erläuterte Petra Bathelt die Wiederaufforstungsarbeiten. Laut Gesetz seien Waldbesitzer verpflichtet, kahle und nach Schäden unbestockte Flächen innerhalb von drei Jahren wiederaufzuforsten oder nach unvollständiger natürlicher Verjüngung zu ergänzen. In einem ersten Schritt müssten 130 Hektar wiederaufgeforstet werden. Rund 120000 Jungbäume seien mittlerweile gesetzt und Fördergelder in Höhe von 650000 Euro geflossen. Vermutlich dieselbe Fläche wurde zusätzlich ohne Förderung bepflanzt beziehungsweise muss noch bepflanzt werden oder kann sich natürlich verjüngen. Dies biete auch die Chance zu einem Waldumbau, so Bathelt. Der Trend gehe weg von der Fichte hin zum Laub- und Mischwald. Bewährt haben sich Douglasie, Lärche, Tanne, Erle und Ahorn, ebenso wie Buche und Eiche. Dazu sammle man aktuell Erfahrungen mit Kirsche, Edelkastanie, Elsbeere, Schwarznuss und einzelnen Exemplaren der Atlaszeder.
Da überwiegend Reviere mit schlechter Verbisssituation betroffen seien, erklärte Bathelt, sei in Absprache mit den Jägern eine Erhöhung der Abschusszahlen dringend angeraten. Dies gelte auch im Hinblick auf das neue Verbissgutachten. Nicht überall könnten die Jungbestände eingezäunt werden. Zum Einsatz kämen auch der Anstrich mit Verbissmittel und Schutzhüllen aus Kunststoff. Wichtig für die vom Sturm verschonten Bereiche sei das regelmäßige Durchforsten und Auslichten zur Bestandspflege.
Kein Mulchen
der Freiflächen
Neben der intensiven Pflege der Setzlinge bereiteten den Waldbauern zudem Spätfröste und das Ausmähen des Unkrauts auf Freiflächen enorme Arbeit. Mulchen der Freiflächen sei dabei keine probate Lösung und Kriterium für einen Förderausschluss. Vereinzelt musste auch bereits nachgepflanzt werden.
Eine gewissenhafte Kontrolle der geförderten Wiederaufforstungsflächen sei wichtig, so Bathelt, weil nur maximal ein Fünftel ausfallen dürfe. Schlimmstenfalls drohe eine Rückzahlung der Fördergelder. Eine enge Absprache zwischen Waldbesitzern, Förstern und Jägern sei deshalb „zum Gelingen dieser Riesenaufgabe“ wichtig.