Bad Endorf – Mit einem Gottesdienst in der Klinikkapelle der Simsseeklinik wurde Pfarrer Johannes Sinn nach über 32 Jahren in Dekanat und Landkreis Rosenheim als Pfarrer der Evangelisch- Lutherischen Kirche in Bayern aus dem aktiven Dienst in den Ruhestand verabschiedet. Sinn war zuletzt in der Klinik-Seelsorge in der Simsseeklinik Bad Endorf, in der Schönklinik Vogtareuth und im Chiemseehospiz Bernau eingesetzt.
Als Sohn eines
Pfarrers geboren
Dekanin Dagmar Häfner-Becker freute sich, dass zu diesem Abschied so viele Wegbegleiter gekommen sind. Sie dankte Pfarrer Sinn für seinen Einsatz: „Du hast das Evangelium von Jesus Christus für die Menschen erfahrbar gemacht. Dein Eintritt in den Ruhestand bedeutet für die Kollegen, den Kliniken und dem Hospiz, dass sie einen profilierten und tief orientierten Seelsorger verlieren“, so die Dekanin in ihrer Ansprache.
Sinn wurde 1959 in Neuötting als Sohn eines Pfarrers geboren und ging in Marktbreit bis zum Abitur zur Schule. Es folgte das Studium in Erlangen, Tübingen und Marburg. 1984 trat er in den Dienst der Evangelisch- Lutherischen Kirche in Bayern, zunächst als Vikar in Burgthann, Dekanat Altdorf. Es folgte die erste Pfarrstelle in St. Johannis in Würzburg. Anschließend kam Pfarrer Sinn in das Dekanat Rosenheim in die Kirchengemeinden Aschau-Bernau und Bad Endorf.
Ab 2000 ging er nach vielen Fortbildungen in die Seelsorge der Simsseeklinik und der Schönklinik Vogtareuth und ab 2022 zusätzlich in den Chiemseehospiz Bernau. Die Dekanin hob hervor, dass Sinn Ansprechpartner für alle Sorgen und Nöte war und das nicht nur der Patienten. „Dir lag in deiner Amtszeit die Ökumene besonders am Herzen und du hast gern mit deinen katholischen Kollegen im Team gearbeitet.“
Pfarrer Sinn erklärte in seiner Predigt, dass die Aschau-Bernauer Jahre die prägendste Zeit für ihn waren, was Lebenskraft und Familiäres angeht. Er nannte die Gemeindehäuser-Bauten in Bernau (1995) und Aschau (2000) sowie die alljährlichen Kampenwand-Gottesdienste und die damit intensive freundschaftlich verbundene Ökumene besonders mit Pfarrer Josef Winkler in Aschau. Unter dem Titel „So viel Gnade“ stellt Sinn seine Abschiedspredigt. „Mein Herz hat in den letzten 17 Jahren voll für die Klinikseelsorge geschlagen, zuletzt an allen drei Orten. Diese wunderbaren, unvorhersehbaren Einzelgespräche mit Patienten waren täglich neue Geschenke für mich.“
Pfarrer Sinn begann im fortgeschrittenen Alter mit dem Drachenfliegen. „Ich bin zwar ein schlechter Flieger geblieben, habe aber noch alles überlebt. Ich habe das Glück, den menschenangestammten Raum, auf dem Erdboden zu stehen, überwinden zu dürfen, erfahren.“ Sinn habe die neue Rampe an der Hochries einweihen dürfen und versucht, das Spirituelle am Fliegen mit biblischen Worten zu deuten. „Dass man im Unsichtbaren sicher hängt, sich getragen fühlen darf, von etwas, was man nicht sieht, und was doch da ist, von oben her: Welch ein heut verwirklichbarer Menschentraum und Schöpfererfahrung in einem.“
Familie
und Freiheit
Sinn freut sich jetzt auf die neue Freiheit, dass nun die Familie wieder mehr Raum bekommt und auf das in Kürze erwartete Enkelkind.