Tödliche Gefahr im Tümpel

von Redaktion

Goldfische im Rotter Forst entdeckt – Fremde Arten können großen Schaden anrichten

Schechen/Großkarolinenfeld – Einen „Goldfund“ machten die Amphibienbetreuer von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz an einem Molchtümpel zwischen Kirchsteig und Heiming mitten im Rotter Forst. Ein vermeintlicher Tierfreund hatte dort Goldfische ausgesetzt. Für die heimische Amphibienwelt eine tödliche Gefahr.

Gestörte
Amphibienwelt

Lydia Wagner und ihr Team betreuen schon seit mehreren Jahren die Amphibienzäune, die im Frühjahr entlang der Straße zwischen Kirchsteig und Heiming – mitten im Rotter Forst, wo die Gemeindegrenzen von Schechen und Großkarolinenfeld ineinanderlaufen – aufgestellt werden. So können zahlreiche Frösche, Kröten und Molche gefahrlos über die Straße gebracht werden, damit sie ihre Laichgebiete – zumeist Tümpel südlich der Straße – erreichen.

In einem dieser Tümpel machten die Naturschützer nun laut Martin John vom Bund Naturschutz eine unliebsame Entdeckung: Jemand hatte Goldfische in dem Gewässer ausgesetzt. „Goldfische vermehren sich auch bei uns schnell und sind bei der Nahrungssuche nicht wählerisch“, so John in einer Pressemitteilung. Der Laich und die Kaulquappen der Amphibien sind für die sich zügig ausbreitenden Schuppenträger ein gefundenes Fressen. Die aus China und Japan stammenden Tiere fressen so ziemlich alles, was ihnen vors Maul kommt: Algen, Larven, aber eben auch Froschlaich und Kaulquappen. Mitunter kann dadurch in dem betroffenen Bereich der Nachwuchs eines gesamten Jahres der ohnehin schon gefährdeten Amphibienarten vernichtet werden.

Auch der Winter kann das „Problem Goldfische“ nur bedingt lösen, denn Goldfische, die zu den Karpfenfischen gehören, sind relativ winterhart, brauchen wenig Sauerstoff und gründeln bei großem Frost im Schlamm und können dort in einer Art Winterruhe überleben, solange nicht der komplette Sauerstoffvorrat unter der Eisdecke aufgebraucht ist.

Um den Schaden zu begrenzen, war schnelles Handeln angesagt, denn Molch, Kröte und Frosch waren ja gerade auf dem Weg in ihre Laichgewässer. Mit einfachen Keschern konnten die Goldfische allerdings nicht eingefangen werden. In Zusammenarbeit mit der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern und der Unteren Naturschutzbehörde Rosenheim konnte ein Großteil der Fische mit Strom betäubt und abgefangen werden. Die gefangenen Tiere wurden in einem privaten Hochteich ausgesetzt, in dem sie im Vergleich zu einem natürlichen Gewässer keinen größeren Schaden anrichten können.

Leider konnten trotz des hohen Aufwands noch nicht alle Fische gefangen und entfernt werden, bedauert John. Über ein Dutzend sollen noch im Teich sein. „Eine kleine Anzahl reicht schon aus, um den Erfolg jahrelanger Schutzbemühungen für Frösche, Kröten und Molche zunichte zu machen“, so Lydia Wagner vom Bund Naturschutz. Um die Goldfische nachhaltig aus dem Gewässer zu entfernen, sollte nach Ansicht der Naturschützer der Teich abgelassen und die verbliebenen Fische abgefangen werden. Anschließend könnte der Tümpel ausgebaggert werden, um überschüssige Nährstoffe zu entfernen und die Lebensqualität für die nächste Generation Amphibien zu verbessern.

„Auch wenn diese Aktion einige Amphibien und andere Tümpelbewohner wiederum das Leben kosten wird, ist dies auf Dauer die einzig wirkungsvolle Methode, das Gewässer für heimische Arten zu retten“, ist John überzeugt.

Das Bundesamt für Naturschutz listet den Goldfisch übrigens als „potenziell invasive Art“ auf. Das Freisetzen in der Natur ist verboten und wird mit einem Bußgeld geahndet. „Immer wieder werden aus Unkenntnis und falsch verstandener Tierliebe verschiedene Fisch-, Muschel- oder Krebsarten aus Aquarien oder Gartenteichen in natürlichen Gewässern ausgesetzt. Dort können diese dann großen Schaden anrichten – sei es durch Einschleppung von Krankheiten oder durch Verdrängung heimischer Arten“, ärgert sich Lydia Wagner.

Exoten
nicht aussetzen

Sollte man tatsächlich einmal vor dem Problem stehen, Goldfische oder andere Exoten abgeben zu müssen, sollte man diese weder im nächsten Teich aussetzen noch à la Clownfisch Nemo der Kanalisation übergeben. Das Beste, so die Naturschützer, ist, sich an Tierheim, Zoohändler oder andere Halter zu wenden.

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