Flintsbach/Brannenburg – „Es ist gelungen!“ Mit diesen Worten brachte es Stefan Lederwascher, Flintsbacher Bürgermeister und Vorsitzender des Christlichen Sozialwerks Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach, auf den Punkt, was die vielen Gäste, Mitarbeiter, ehrenamtlichen Helfer und vor allem die Seniorinnen und Senioren empfanden, als sie den Erweiterungsbau des Mehrgenerationshauses bewunderten und der Einweihung beiwohnten.
Beste Lösung:
Dachanbau
Bereits vor der Corona-Zeit war klar, dass die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. Ein Ausbau musste her, um Platz zu schaffen für die Verwaltung, die Mitarbeiter, für Beratungsräume und vor allem die ambulanten Pflegedienste. Nach Abwägung aller Möglichkeiten bot sich als beste Lösung der Dachausbau an. „Damit haben wir einen weiteren Schritt in die Zukunft der pflegerischen ambulanten Versorgung unserer Bürger getan“, begeisterte sich Lederwascher.
Ein Blick zurück: Im Jahr 2010 kaufte die Gemeinde Flintsbach a. Inn das ehemalige Kloster der Karmeliterinnen und gründete das „Mehrgenerationenhaus“. Neben einer Kinderkrippe beherbergt dieser Ort der Begegnung eine Tagespflegestätte für Seniorinnen und Senioren, das Café Miteinander und Schulungsräume für Aus- und Fortbildungen rund um das Thema Seniorenbetreuung. Der Seminarbereich und das Café konnten dank einer früheren LEADER-Förderung eingerichtet werden. Nun hat der Trägerverein – das Christliche Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach e.V. – im Mehrgenerationenhaus durch den Ausbau neue Möglichkeiten für Senioren geschaffen.
Lederwascher erinnerte sich mit Stolz an die Gründung und an die damaligen Leistungen des Ehrenmitgliedes Hans Weiß: „Ohne Dich und Dein Verhandlungsgeschick wäre das Vorhaben damals gescheitert.“ Besonders stolz ist die Geschäftsführerin Eva Faltner auf das Angebot „Tagespflege im Inntal“. Geboten wird eine Betreuung für Senioren, die nicht mehr alleine bleiben können. Das Mehrgenerationenhaus bietet hier eine Möglichkeit, Angehörige zu entlasten, den Gästen einen strukturierten Tagesablauf zu bieten und Kraft zu tanken. Lederwascher: „Aufgrund des demografischen Wandels und der Veränderung der Familienstrukturen gewinnt dies immer mehr an Bedeutung.“
Dies unterstrich auch Ministerialdirektorin Stephanie Jacobs bei ihrem Impulsreferat zum Thema „Kommunale Daseinsvorsorge“. Sie zeigte sich überzeugt, dass sich die ärztliche Versorgung auf dem Land weiter verschlechtern wird.
Um so größer sei die Bedeutung der regionalen Pflegeeinrichtungen und der Förderung heimatnaher Versorgung, um möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. „Wir müssen Pflege neu denken“, so Jacobs und betonte gleichzeitig, wie zukunftsweisend eben dieses Mehrgenerationshaus und das dahinter stehende Pflegekonzept in Flintsbach sei. Alle, die an diesem Tag beim Festakt zur Segnung des Ausbaus anwesend waren, zeigten sich überzeugt, dass die 300000 Euro für die neuen Räumlichkeiten gut angelegtes Geld sind, finanziert durch die Gemeinden Flintsbach und Brannenburg, Eigenmittel des CSW und einer Förderung der Postcode Lotterie. Vorgenommen wurde die Segnung der Räumlichkeiten durch Diakon Thomas Jablowski.
Besonderen Glanz erhielt der Festakt durch die gleichzeitige Eröffnung der Ausstellung „Schönheit kennt kein Alter“. Die Betreuungshelferin Evelina di Sturco hatte bereits vor Jahren die Idee, die Hausbewohner und -nutzer in einer Fotoausstellung zu präsentieren, um damit ein neues Bild vom Alter zu zeichnen: „Wir wollen damit der Stärke und Schönheit unserer Seniorinnen und Senioren eine Bühne geben.“ Das gelang zusammen mit der Künstlerin und Fotografin Sylvia Zierer auf beeindruckende Weise. Besonders die Entscheidung, die Bilder in Schwarz-Weiß zu präsentieren, zeigte sich als gestalterischer Gewinn.
Bilder bleiben bis
Ende Juni hängen
Gabi Bauer, Rosenheimer Oberbürgermeisterin a.D., sah sich geehrt, für diese Ausstellung Schirmherrin sein zu dürfen. „Schönheit ist, was sich hinter der Fassade befindet“, zeigte sich Bauer bei ihrem Grußwort überzeugt, denn „wahre Schönheit lebt eben nicht von Oberflächlichem, Makellosem und Perfektem.“ Sie zeigte sich von der Ausstellung in den Räumen des Mehrgenerationenhauses so beeindruckt, dass sie guten Grund für eine Wanderausstellung sah. Diese wird aber noch etwas warten müssen. Ab sofort und bis Ende Juni bleiben die Bilder in den Räumlichkeiten präsent. Ausnahmsweise bleiben dafür die Türen des Mehrgenerationenhauses daher auch für Außenstehende geöffnet. Eine gute Gelegenheit, sowohl die Ausstellung als auch die Räume zu besuchen.