Bayrischzell/Prutting – Wildkräuter sind für Martina Fischer Schätze der Natur. Wildpflanzen am Wegesrand, im Wald oder auf der Alm, die sich wohltuend auf Geist und Seele auswirken, und die „im Gegensatz zu den Salaten und Gemüse aus dem Supermarkt ein Vielfaches der so wichtigen sekundären Pflanzenstoffe“, wie es in der Einleitung heißt, bieten. Superfood halt, wie man auf Neudeutsch sagt. Das neue Buch von Fischer, die seit vielen Sommern auf der Alm lebt, ruft altes und neues Wissen über heilkräftige Wildpflanzen ins Bewusstsein und regt dazu an, deren Reichtum zu entdecken, sie zu ernten und in den täglichen Speiseplan mitaufzunehmen. Dies könne helfen, dass wir fitter und agiler werden, meint die Autorin im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Für die gebürtige Rosenheimerin, die früher in Prutting wohnte und jetzt in Bayrischzell auf einem Hof lebt, ist es selbstverständlich, sich mit den Gaben der Natur zu versorgen. 30 Porträts von Heilpflanzen, die weit verbreitet und einfach zu finden sind, nicht unter Schutz stehen und bedenkenlos geerntet werden können, stellt Fischer in ihrem Buch vor. Das Gute sei, dass diese Wildpflanzen „ehrliche und kostenlose Lebensmittel direkt vor der Haustür“ sind und dass sie weder Düngung noch Wasser brauchen. Vom Ackerschachtelhalm bis zur Vogelmiere hat Fischer kenntnisreich alle wichtigen Informationen rund um Merkmale, Standorte, Inhaltsstoffe, Blüte- und Erntezeiten, Verarbeitung und Konservierung der Pflanzen zusammengetragen.
Es geht um die Historie der Nutzung von Kräutern und Bäumen und um die Fülle von Anwendungen für den Alltag. Da dürfen auch Rezepte nicht fehlen, seien es Brennnesseln, die „hilfreich zur Durchspülung und kräftigend als Haarspülung“ sind, Holunderblüten, die entzündungshemmend und blutreinigend wirken, Lindenblüten, die „beruhigend und reizmildernd bei Erkältungskrankheiten“ sind, oder Fichtenspitzen. Letztere kann man mit Knoblauch, Nüssen, Kräutern und Olivenöl zu Pesto verarbeiten, man kann sie in einer Kräuterbutter vermengen oder zum Salat geben. Das Nährstoffpotenzial der Wildpflanzen sei fünf- bis zehnfach höher als beim Kulturgemüse.“ Beispiel Löwenzahn: Der sei die Urform des heutigen Chicoree und enthalte mehr an für unseren Körper so wichtigen Bitterstoffen. Außerdem wirke der Löwenzahn cholesterin- und blutzuckersenkend sowie verdauungsregulierend. Und der Löwenzahn sei „als Superfood ideal, weil er schnell zum Ernten ist.“ Fischer weiß, wovon sie spricht, ist sie doch gelernte Krankenschwester sowie ausgebildete Ernährungs-, Heilkräuter- und Wildpflanzenberaterin. Fischer, die schon mit „Die Alm – ein Ort für die Seele“ und mit „Auf der Alm und im Tal“ Wissenswertes über das Kulturgut Alm vermittelt und bei ihren Lesern für ein gesundes, natürliches Leben nach dem Selbstversorgerprinzip geworben hat, ist sich durchaus bewusst, dass ihr Buch einen Nerv der Zeit trifft. Gleichwohl will sie anregen, „die Verbundenheit mit der Natur zum Wohl von Körper und Seele zu leben.“ Ab Ende Mai ist sie wieder auf der Alm über dem Schliersee mit ihrem Partner Andi, 140 Rindern und 20 Ziegen. Das Leben dort sei schlicht und einfach, man werde genügsamer, merkt sie noch an. Die Ruhe und Gelassenheit, die sie von dort mitnimmt, sei eine wertvolle Erfahrung. Und wie sie meint, „etwas, was sicher einem jeden von uns in dieser stressigen Zeit gut tut.“elk