Bad Endorf – Denkbar schlecht hat Bad Endorf beim Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) abgeschnitten: Der Kurort liegt auf Platz 467 von 474 Gemeinden unter 20000 Einwohnern. Der Grünen-Kreisverband diskutierte nun Verbesserungsoptionen. „Bad Endorf ist ein Brennpunkt“, meinte Grünen-Landtagskandidatin Martina Thalmayr. „Hier gibt es viele Stellen, die unmöglich sind.“
Sichere Schulwege als
Mindestziel gesetzt
Martin Both, Endorfer Gemeinderatsmitglied der Grünen, konkretisierte: „Vor, allem die Ortsdurchfahrt und der Weg zum Schulzentrum sind gefährlich. Ziel muss doch sein, dass Kinder mit dem Rad zur Schule fahren können.“ Both kritisierte aber auch die schlecht ausgebauten Wege und eine Sperrung des kürzesten Weges nach Rosenheim, weil sich ein Grundstückseigentümer quer stellt.
Alle zwei Jahre führt der ADFC den Fahrradklimatest durch. Es handelt sich um eine freiwillige Umfrage, die nicht repräsentativ ist. Heuer haben sich 245000 Personen beteiligt. Ein Ort wird erst dann berücksichtigt, wenn hinreichend Daten vorhanden sind. In Endorf gab es 96 Teilnehmer. Die Gemeinde hat die Schulnote 4,67 bekommen und schneidet bei Radwegen besonders schlecht ab. Die Tatsache, dass Endorf ein „Straßendorf“ ist und in einer Senke liegt, erschwert Lösungen. Der Grünen-Kreisverband hatte wegen der insgesamt unbefriedigenden Situation den Kurort gezielt für eine Info- und Diskussionsveranstaltung zur Zukunft des Radverkehrs im ländlichen Raum gewählt. Als Referentin war Eva Mahling vom ADFC in München eingeladen, die verkehrspolitische Ziele des Vereins präsentierte. Sie wies darauf hin, dass die Gesamtfahrleistungen mit Pkws steigen.
„Dabei kommen auch viele Kurzstrecken zusammen. 40 Prozent der Wege, die wir zurücklegen, sind kürzer als fünf Kilometer – und damit ideal für das Fahrrad“, erläuterte Mahling. Die ADFC-Vertreterin präsentierte Überlegungen zu „Radschnellwegen“ und Vorrangrouten, die allerdings erhebliche Planungsvorbereitungen und Investitionen erfordern. Es wurden deshalb Einwände geäußert.
Doch die Sicherheit der Zweiradfahrer würde das verbessern. Die größte Gefahr, erklärte Eva Mahling, sind rechts abbiegende Lkws. „Hier brauchen wir bei Ampelschaltungen unbedingt ein Vorrang-Grün für Radler, damit sie vorausfahren können“, meinte sie. Für einen Ausbau von Feldwegen sprach sich eine Teilnehmerin aus: „Mit meinem Mountainbike kann ich da fahren – für Kinder und Senioren ist es schwierig.“
Auch bei der Mitnahme von Fahrrädern im ÖPNV sah man Verbesserungsmöglichkeiten. In Italien werde einfach ein Güterwaggon an den Personenzug angehängt – das habe sich sehr bewährt. Unverständnis herrschte darüber, dass manche Grundstückseigentümer einen weiteren Ausbau verhindern, weil sie nicht verkaufen wollen. „Ich stamme selbst aus einer Altöttinger Bauerndynastie“, meinte eine engagierte Dame, „und ich verstehe nicht, warum man sich hier nicht einigen kann.“
Martina Thalmayr informierte zum Stand des Landkreis-Radwegenetzplans, der auf Antrag der Grünen erarbeitet wurde. „Hier soll jetzt die Beschilderung erfolgen, dann wird er digital zur Verfügung gestellt und damit sind Online-Routenplanungen möglich.“
Volksbegehren
als ferne Hoffnung
Auf das Volksbegehren „Radentscheid Bayern“ wies Valentin Weigel hin. „Spannend wird es, wie der Bayerische Verfassungsgerichtshof am 7. Juni entscheidet.“ Sollten die Richter grünes Licht geben, brauche es mehr Engagement, um den Gesetzentwurf vorzubereiten und eine Mehrheit zu organisieren.
Die Organisatoren der Endorfer Veranstaltung sind übrigens selbst eifrige Radfahrer. Thalmayr fährt „mehrere Tausend Kilometer im Jahr“ und Both hat es allein innerhalb der drei Wochen Stadtradeln auf 1000 Kilometer gebracht.