Pittenhart/Obing – Der „Denk-mal-nach-Weg“, drei sehr eindrucksvolle Skulpturen zu den Themen Konsum, Natur und Inklusion, lädt die Besucher ein, von einer Skulptur zur nächsten zu gehen, sich vor oder sogar auf die Eisenplatten zwischen den Skulpturen zu stellen und so auf Augenhöhe die Kunstwerke zu betrachten, ja in sich aufzunehmen und darüber nachzudenken.
Marco Bruckner bringt in jeder der drei Skulpturen zum Ausdruck, dass alles endlich ist, dass jeder Konsum irgendwann ein Ende hat. Ein immer höher, schneller, weiter und für sich selbst, setzt Mensch und Natur immer mehr Grenzen.
Auf Eisenplatten ist der maßlose Konsum dargestellt, jeder Besucher ist eingeladen, sich in den Kreis zu stellen und nachzudenken. Ein gemeinsames Nachdenken – sonst ist irgendwann Schluss – wird angeregt, wie Marco Bruckner bei der dritten Station „Inklusion“ zum Ausdruck bringen möchte.
Denk-mal-Weg
noch bis 27. Juni
Die Idee dazu entstand im Pfarrverband Kleinwalsertal, wo die Pfarrkirchen Riezlern, Hirschegg und Mittelberg eine Sonderausstellung initiierten und der „Denk-mal-nach-Weg“ mit den drei Werken von Marco Bruckner gezeigt wurde. Zuletzt waren die Skulpturen in der evangelischen Kirche in Stein bei Nürnberg zu sehen. In Obing hat der Pfarrgemeinderat im Rahmen der „Langen Nacht der Kirche“ zur Vernissage des Skulpturenweges des international bekannten Holzbildhauers Marco Bruckner eingeladen. Bis zum 27. Juni haben die Besucher im Pfarrgarten Zeit und Raum, sich auf die Skulpturen und ihre Botschaft einzulassen. Marco Bruckner erzählt, dass er seiner Heimatgemeinde, die ihn immer unterstützt hat, sehr verbunden ist. Die Möglichkeit, nun etwas zurückzugeben und im Pfarrverband Obing auszustellen, freut ihn sehr. Seit der Ausstellung in der Galerie Depelmann in Hannover mit der Nominierung zum Deutschen Kunstpreis 2021 und der Ausstellung im Regierungspräsidium Karlsruhe mit der Nominierung zum Europäischen Gestaltungspreis 2022 ist Marco Bruckner deutschland- und weltweit unterwegs und stellt seine Kunstwerke in den verschiedensten Kirchen aus. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das „Lutherprojekt“. Eine Hommage an Martin Luther, einen unbequemen und schwierigen Zeitgenossen, der aneckte und Kanten zeigte. Die Skulpturen versuchen die Charakterzüge, den Mut und das Selbstbewusstsein Luthers darzustellen. Drei Elemente wie Querkopf, Bibel und Hut finden sich in jeder Skulptur wieder, die Ecken und Kanten sind unterschiedlich, so wie jeder Mensch seine Ecken und Kanten, seine Botschaft hat, so beschreibt Marco Bruckner seine Werke und möchte damit neue Ideen, ein Nachdenken und Hinterfragen über die Botschaft in jedem Menschen anregen. Derzeit sind die Figuren in Bonn zu sehen, kommen dann in die Christuskirche nach Salzburg und werden als Höhepunkt noch in diesem Jahr in der Thomaskirche in Berlin Kreuzberg ausgestellt.
Sein Projekt „Die Welt gerät aus den Fugen“ ist mit vielen Figuren aus der Schöpfungsgeschichte, beginnend mit der Krone der Schöpfung und den vielen weiteren Figuren wie dem Menschenkopf und dem Schlangenkopf, wo sich der Stil zunächst ähnelt und doch die Skulpturen völlig unterschiedlich sind, gestaltet. In der Kirche St. Maximilian des bekannten Pfarrers Rainer Maria Schießler waren die 50 Figuren während der Fastenzeit 2022 auf einem vorbereiteten, zwölf Meter langen und ein Meter breiten Kiesweg im Mittelgang aufgestellt.
In diesem Jahr ist das Kunstwerk ab Juli in der Kirche St. Jodok in Ravensburg zu sehen, im September in der Kirche St. Agnes in Hamm und im November in der Stadtkirche St. Anton in Schweinfurt.
Kunstwerke überregional bekannt
Marco Bruckner, 1996 in Nöstlbach bei Pittenhart geboren, fühlt sich in seiner Heimat, dem Chiemgau, fest verwurzelt, freut sich aber auch über die Erfolge und Herausforderungen, seine Kunstwerke im Rahmen der Europanominierung weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus zu zeigen.
Die klobig wirkenden, groben Skulpturen werden nach oben hin immer dünner und transparenter und stellen so die bereits vorhandenen Schäden in der Natur dar. Die tiefen Furchen und Hohlräume symbolisieren die Wunden der Erde. Die Intention des Künstlers ist es, den Einfluss des Menschen auf die Natur im Laufe der Jahrhunderte aufzuzeigen.
Bereits mit zehn Jahren schuf er seine erste Skulptur mit der Motorsäge, sein Vater regte ihn an, das Kunstwerk am Nöstlbacher Weiher auszustellen, und der Weg war geebnet. Nach der Schulzeit in Pittenhart, Prien und Traunreut absolvierte er die Ausbildung zum Holzbildhauer in Berchtesgaden und geht seither seinen Weg, der anfangs, wie Bruckner sagt, nicht immer einfach war, seine Botschaft mit seinen Werken zu vermitteln.
Die besten Ideen kommen ihm in Stresssituationen und manifestieren sich in seinen Gedanken. Der Erfolg bestätigt seine Ausdauer, seine Zielstrebigkeit und letztlich seine Botschaften, wie Marco Bruckner sagt, die Menschen mit seinen Kunstwerken zum Nachdenken und Umdenken anzuregen. emk