Stephanskirchen – Tina Blum wohnt mit ihrer Familie in Haidholzen. In ihrer zweijährigen Elternzeit hat sie „so gut wie alle Spielplätze in der Gemeinde Stephanskirchen besucht“. So sei sie mit vielen anderen Eltern, überwiegend Müttern, in Kontakt gekommen. Dabei sei ihr etwas aufgefallen: Viele Familien aus Haidholzen besuchen die Spielplätze in Eitzing, am Schloßberg oder in der Simserfilze.
Müll und moosiges
Klettergerüst
Warum sie ausweichen, ist Tina Blum klar: „Weil der Spielplatz in Haidholzen milde gesagt eine Katastrophe ist.“ Überall lägen Zigarettenstummel – an den Schaukeln, am Sandkasten, sogar neben der Babyschaukel. Das Klettergerüst sei so vermoost, dass es die Mutter wundert, dass der TÜV das Spielgerät abnimmt. Außerdem stehe dort ein Fußballtor, obwohl Fußballspielen einem Schild zufolge verboten ist.
Wenn Tina Blum mit ihrem beinahe Zweijährigen auf dem Spielplatz sei, sorge sie sich, dass er einen Ball ins Gesicht bekommt. Eine Gruppe älterer Jungen spiele dort immer Fußball. „Dabei fluchen sie und beschimpfen sich aufs Übelste“, berichtet Blum. Eine solche Wortwahl gehöre nicht an einen Ort, an dem Kleinkinder spielen. Der Mutter zufolge gibt es zwei Probleme: Den Zustand des Spielplatzes und „das Klientel, das für diese Situation verantwortlich ist“.
Die Mütter hätten versucht, mit den Kindern und Jugendlichen zu sprechen. Meist bekämen sie nur freche Antworten. Deshalb bat Tina Blum den Stephanskirchener Bürgermeister Karl Mair darum, den Spielplatz in Ordnung zu bringen. „Als Erstes sollte dieses Fußballtor entfernt werden. Das hat dort einfach nichts zu suchen“, schrieb Blum in einer Mail. Die Spielgeräte sollten überprüft und der kaputte Zaun repariert werden. Der Apfelbaum spende im Sommer zwar Schatten, das faulige Obst liege jedoch im Sandkasten und locke Wespen an. „Für viele von uns Eltern ist es schon sehr fragwürdig, wo doch der Bauhof direkt nebenan ist“, teilte Blum dem Bürgermeister mit.
Zudem müssten die Regeln eingehalten werden. Die Bewohner des katholischen Siedlungswerks beschweren sich der Mutter zufolge aufgrund der Lautstärke regelmäßig bei der Gemeinde. „Denn oft spielen/randalieren die Kinder im Sommer dort bis in die späten Abendstunden.“ Sozialarbeiter von dem Haidholzener Jugendtreff „Die Box“ könnten die Jugendlichen laut der Mutter abholen. Am Skateplatz und am Bolzplatz könnten sie Fußball spielen.
„Jemand muss diesen Kids die Möglichkeiten aufzeigen, wenn es die Eltern nicht tun“, findet Blum. Sonst entwickle sich der Spielplatz zu einem Brennpunkt, den keiner mehr besuchen will.
Damit sich der Bürgermeister einen Eindruck machen kann, lud Tina Blum ihn zu einem Besuch auf den Spielplatz ein. Dieses Angebot hat Karl Mair nicht angenommen. Er hat den Spielplatz jedoch selbst besucht und der Mutter auf ihre Mail geantwortet: „Grundsätzlich begrüßen wir es sehr, wenn unterschiedliche Altersgruppen gemeinsam unsere Spielplätze nutzen.“ Der Mehrwert, der für die Kinder daraus entstehe, werde immer wieder von Fachleuten bestätigt.
Auf Anregung von Eltern habe sein Vorgänger – trotz des Hinweisschildes am Eingang – ein Fußballtor aufgestellt. „Ich habe mich dennoch dazu entschlossen ihrem Wunsch nachzukommen“, heißt es in der Mail vom Bürgermeister. Er habe die Bauhof-Mitarbeiter angewiesen, das Tor zu entfernen. „Den Vorwurf, dass sich der Spielplatz in einem verwahrlosten Zustand befindet, möchte ich so nicht stehen lassen“, schrieb Mair zudem. Die Bauhof-Mitarbeiter würden alle Spielplätze in Stephanskirchen wöchentlich kontrollieren, Abfalleimer leeren und den Platz reinigen.
„Das zum Teil vermooste Klettergerüst stellt lediglich einen optischen Mangel dar, dies hat aber keine Auswirkungen auf die Sicherheit“, erklärte der Bürgermeister. Einmal im Monat werde die Verkehrssicherheit der Spielgeräte kontrolliert. Auch aus Gründen der Nachhaltigkeit sollten die Geräte laut Mair so lange wie möglich genutzt werden, bevor sie ersetzt werden.
Die beschädigten Teile des Zauns hätten die Mitarbeiter nun entfernt, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Die Früchte werden sie so gut es geht vom Baum entfernen. Aus ökologischen Gründen und weil der Baum Schatten spendet, will der Bürgermeister die Fällung vermeiden.
Hinsichtlich der Lautstärke antwortete Karl Mair, dass Geräusche von Kindern laut zahlreichen Urteilen nicht als Lärmbelästigung oder Ruhestörung anzusehen sind. Während der Öffnungszeiten könne der Spielplatz genutzt werden. Zudem habe sich im Jahr 2023 nur eine Person beschwert.
Auch mit den Sozialarbeitern des Jugendtreffs stehe die Gemeinde in Kontakt. „Ein Brennpunkt – wie Sie ihn schildern beziehungsweise befürchten – ist für diese im Moment nicht ersichtlich“, schrieb Mair.
Die Sozialarbeiter werden den Spielplatz besuchen, rund um die Uhr könne er aber nicht kontrolliert werden. Der Bürgermeister weist zudem darauf hin, dass die Gemeinde für das persönliche Verhalten oder „freche Antworten“ einzelner Jugendlicher nicht verantwortlich ist.
Lob für Reparatur
des Zauns
Tina Blum hat die Mail nicht zufriedengestellt: „Ich finde, es ist eine Frechheit, zu sagen, dass der Spielplatz wöchentlich gereinigt wird.“ Sie laufe jeden Tag daran vorbei und könne dies nicht bestätigen. „Ich fühle mich für doof verkauft“, sagt die Mutter. Positiv sei jedoch, dass der Zaun repariert wurde. Blum hofft, dass der Spielplatz auch in Zukunft sauber bleibt.