Zum Bericht „Kein Geld für Balkonkraftwerke“ (Lokalteil):
Die Entscheidung des Kiefersfeldener Gemeinderats ist bedauerlich, jedoch dokumentiert sie den geringen Stellenwert, den die Energiewende, insbesondere der Ausbau der Photovoltaik, in den Gemeinden des oberen Inntals seit Langem hat. Laut dem Bayerischen Energie-Atlas der Staatsregierung rangiert die Gemeinde Kiefersfelden mit 0,49 kWp Pro-Kopf installierter PV-Leistung (Stand Ende 2021) in Oberbayern an Stelle 373 von 411 Gemeinden mit weniger als 10000 Einwohnern. Bayernweit ist das Ergebnis ähnlich enttäuschend. Die ablehnende Argumentation des Gemeinderats mit Hinweis auf die angeführten potenziellen „Bezugfälle“ E-Mobilität und Heizung, beide sind im Gegensatz zu PV-Anlagen Energieverbraucher, ist rein formaler Natur. Dabei handelt es sich hier um eine klassische Win-win-Situation. Die Gemeindenetze werden entlastet, da Erzeugung und Verbrauch von Strom lokal passiert. Der Gemeinde entsteht durch die Förderung kaum finanzielle Belastung, da der nicht verbrauchte Strom vom Balkon umsonst ins Netz eingespeist wird und somit den Gemeindewerken zur weiteren wirtschaftlichen Nutzung quasi geschenkt wird. Auf der anderen Seite bieten Balkonkraftwerke dem normalen Bürger eine mögliche Teilhabe an geförderter Stromerzeugung, die sonst nur Großinvestoren und Eigenheimbesitzern zugutekommt.
Günter Lange
Kiefersfelden