„Ein Geschenk“ für verzweifelte Eltern

von Redaktion

Ein rettender Engel, das ist Christian Reisner für Familien mit kranken oder beeinträchtigten Kindern. Seit zwei Jahrzehnten macht er alles, um ihnen das Leben zu erleichtern oder Herzenswünsche zu erfüllen. Warum tut der Rohrdorfer das?

Rohrdorf – „Sie alle sind, jeder einzelne von Ihnen, ein Geschenk für unser Land!“ Das sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer über die und zu den Ehrenamtlichen, die er jetzt mit der Bezirksmedaille ehrte. Und in der Tat: Viele von denen, die im Landkreis Rosenheim ein Kind mit Beeinträchtigungen haben, sei es seit Geburt oder durch einen Unfall, werden den Rohrdorfer Christian Reisner als Geschenk, wenn nicht gar als einen rettenden Engel empfinden.

Idee entstand
im Fußballverein

Christian Reisner steht für „Kick for Help“ und die ursprüngliche Idee zu diesem Hilfsprojekt hatte – der Name deutet es an – die Fußballabteilung des TSV Rohrdorf. Die Anfänge lagen in der Weihnachtszeit des Jahres 2003. Wie schon oft zuvor hatte die Fußballabteilung des TSV Rohrdorf die Absicht, soziale Einrichtungen in Rohrdorf mit einer Geldspende zu unterstützen. In jenem Jahr aber war die Zielgruppe etwas anders als sonst: Drei Kinder aus Familien von Vereinsmitgliedern waren schwer erkrankt, das Spendengeld für Therapie und Behandlung hier bestens zu gebrauchen. Klar war auch bald: Diese drei Familien stehen mit ihren Problemen nicht allein, nicht nur sie haben schwer kranke Kinder, oder solche mit körperlichen beziehungsweise geistigen Einschränkungen. Warum also, so die Überlegung, aus dieser einmaligen Unterstützungskampagne nicht ein dauerhaftes Projekt zu machen?

Nun sind gute Ideen das eine, das andere ist, jemand zu finden, der sich ihrer annimmt und vor allem: sie hartnäckig weiterverfolgt. Für „Kick for Help“ war und ist dieser Jemand Christian Reisner. Sein Einsatz begann zunächst damit, das Hilfsprojekt bei all jenen vorzustellen, die als Sponsoren infrage kamen. „Es war natürlich Klinkenputzen“ sagt er heute über diese Zeit, als er sozusagen von Pontius zu Pilatus lief, „äußerst zeitaufwendig, klar, aber überraschenderweise nicht frustrierend“. Denn er stieß mit seiner Idee fast durchweg auf positive Resonanz und die Spenden flossen bereits zu Beginn reichlich und das ist bis heute so geblieben: An die 200000 Euro hat Christian Reisner in den vergangenen 20 Jahren einsammeln und weitergeben können. Schwieriger, so meint er, sei es anfangs gewesen, diejenigen zu finden, die eine Spende brauchen konnten. Nicht dass es zu wenig davon gegeben hätte, es ist nur so, dass Eltern, die ein krankes oder beeinträchtigtes Kind haben, mit dieser Tatsache selten hausieren gehen und schon gar nicht kundtun, dass sie über eine finanzielle Unterstützung äußerst froh wären. „Auf Eltern zuzugehen und zu fragen, ob Hilfe erwünscht wäre, das war für mich am Anfang das schwierigste, das musste ich erst lernen“, erzählt Reisner.

Der Lohn für diese Überwindung war aber oft groß, vor allem wenn Christian Reisner mit den Kindern direkt in Kontakt kam. Er erinnert sich noch heute an einen schwer kranken Jungen, dessen Wunschtraum es war, einmal in seinem Leben in einem echten Rennwagen mitfahren zu können. „Dem ermöglichten wir eine Mitfahrt in einem Formel-3-Wagen“, erzählt Reisner. „Ich werde nie vergessen, wie der Junge vor Freude weinte, als er einstieg.“

Mittlerweile ist die Suche nach Familien, die Unterstützung brauchen, kein Problem mehr. Denn „Kick for Help“ ist für alle Betroffenen längst zu einem Begriff geworden. Nicht zuletzt, weil das Projekt in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem festen Unterstützer aller sozialen Institutionen im Landkreis geworden ist: Von der Stiftung Attl bis zu den Wendelsteinwerkstätten sind so gut wie alle dabei, die sich um kranke oder beeinträchtigte Kinder und Jugendliche kümmern.

All das von Christian Reisner und seiner Familie im Alleingang gestemmt. Zwar betont er selbst, dass er Hilfe habe durch Sabine Hainzlmair vom TSV Rohrdorf, die ihn seit Anbeginn bei der ganzen Verwaltungsarbeit unterstütze. Doch die Hauptarbeit bleibt bei ihm und auch der finanzielle Einsatz: Alle Fahrten zu Sponsoren, sozialen Einrichtungen und Familien etwa bezahlt er aus eigener Tasche. Die erhaltenen Spenden dagegen gehen zu einhundert Prozent an die Empfänger weiter.

Seit 20 Jahren in der Freizeit im Einsatz

Bleibt die Frage, warum er sich derart, buchstäblich mit Haut und Haar sowie fast seiner gesamten Freizeit, für das Projekt einsetzt und das seit zwanzig Jahren. Christian Reisner muss einige Zeit überlegen, zu selbstverständlich ist ihm wohl sein Einsatz geworden, zu sehr fester Bestandteil seines Lebens.

„Es ist wahrscheinlich schlicht Dankbarkeit“, meint er schließlich. „Dankbarkeit, dass ich gesunde Kinder habe, dass es unserer Familie gut geht. Und dass es nicht mehr als recht und billig ist, anderen, bei denen das nicht der Fall ist, zu helfen“ Oder, um es mit den Worten von Bezirkstagspräsident Josef Mederer zu sagen: „Es gibt Menschen, die wünschen sich Engagement. Es gibt Menschen, die zeigen Engagement. Und es gibt Menschen, die sind Engagement.“ Christian Reisner ist Engagement.

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