Oberaudorf/Rosenheim/Niederndorf – Im Theatersaal in Niederndorf/Tirol führten die Privaten Schulen Oberaudorf-Inntal gemeinsam mit der FOS/BOS Rosenheim das Musical „Der kleine Tag“ von Rolf Zuckowski auf.
Über Inklusion wird viel geredet, aber im Alltag ist sie wenig präsent. Laut Definition geht es darum, dass Menschen mit und ohne Behinderung von Anfang an in allen Lebensbereichen gemeinsam und selbstbestimmt leben. Jeder wird von der Gesellschaft so akzeptiert, wie er ist, und kann ein Leben ohne Barrieren führen. Dass das funktionieren kann, zeigte sich am vergangenen Wochenende im Theatersaal in Niederndorf in Tirol, wo die Privaten Schulen Oberaudorf-Inntal und die FOS/BOS Rosenheim gemeinsam das Musical „Der kleine Tag“ von Rolf Zuckowski aufführten. Eigentlich ist es ein Kindermusical, aber die Mitwirkenden zeigten, dass es viel mehr sein kann. Vom Grundschüler bis zum Professor waren alle Altersklassen auf der Bühne vertreten, mit unterschiedlichen Einschränkungen und Talenten. „Der kleine Tag“ wartet irgendwo im Sternenreich darauf, dass endlich sein Tag kommt und er sich durch ein Sternenloch auf die Erde fallen lassen kann. Er will möglichst große Dinge erleben, mit denen er dann prahlen kann. Doch sein Tag wird ein ganz normaler Erdentag. Nieselregen, Menschen, die einfach ihr Leben leben, genervt, gestresst, überfordert vom täglichen Wahnsinn. Aber er trifft auch ein Liebespaar, eine glückliche Familie, eine verständnisvolle Vermieterin und einen Vater, der seinen Sohn endlich versteht.
Neele Geiken und Elias Robinson schlüpften an den beiden Aufführungstagen in die Rolle des „kleinen Tags“ und sangen text- und tonsicher die Lieder des Musicals. Für die Musik sorgten eine Live-Band und ein Instrumentalensemble der Musikklasse der FOS/BOS und ihrer Freunde. Jede Szene wurde gekonnt in Szene gesetzt. Regie und musikalische Leitung hatten Monika Hagitte, Kerstin Robinson und Dorothée Till. Das Bühnenbild und die Requisiten waren auf die Handlung abgestimmt und mit viel Liebe gebastelt.
Jeder, so Rita Mechtl von den Privaten Schulen Oberaudorf-Inntal, sollte sich mit seinem Talent an der Aufführung beteiligen, egal ob vor, hinter oder auf der Bühne. Wie viel Spaß das auf der Bühne macht, zeigte die Szene, in der „Der kleine Tag“ auf dem Pausenhof einer Schule landet und mitten in die Proben für ein Theaterstück gerät. Zur Musik von „Fluch der Karibik“ zeigten alle, was sie können. Was am Ende das Beste an dieser Aufführung war, lässt sich nicht sagen. Vielleicht war es die Geschlossenheit, die die Jugendlichen der FOS/BOS zusammen mit den Schulkindern vermittelten, oder das Gemeinschaftsgefühl, das sie während der intensiven Probenarbeit entwickelten. Vielleicht war es aber auch der gemeinsame Spaß und die daraus entstandenen Beziehungen.
Jedes Jahr führen die Privaten Schulen Oberaudorf-Inntal ein künstlerisches Abschlussprojekt durch. Durch die Kooperation mit der FOS/BOS Rosenheim entstand eine Vielfalt, wie sie selten auf die Bühne gebracht wird. Das Musical von Rolf Zuckowski mit seinen Liedern wie „Ich bin ich“ oder „Einfach nur so“ bot den passenden musikalischen Rahmen und der Theatersaal in Niederndorf eine gute Bühne für dieses Projekt, das selbst ein Zeichen gelebter Inklusion war. Martina Poll