„Tote Brüder sündigen nicht“

von Redaktion

Schüler des Inntal-Gymnasiums Raubling inszenieren ein Stück von Friedrich Schiller

Raubling – Am Inntal-Gymnasium in Raubling fand mit „Tote Brüder sündigen nicht“, eine beeindruckende Aufführung von Schillers Stück „Die Räuber“ statt. Franz der Fiese und Karl der Coole – die beiden gegensätzlichen gräflichen Brüder sind die zentralen Figuren dieses Theaterstücks, eng an Friedrich Schillers Original angelehnt, aber doch höchst aktuell inszeniert.

Die Raublinger Version beginnt bereits mit der Jugend der beiden, die ein ständiges Kräftemessen und Feindseligkeit bedeutet, was pantomimisch nachdrücklich dargestellt wird. Franz fühlt sich benachteiligt und versucht durch Intrigen den älteren Bruder Karl beim Vater anzuschwärzen, was ihm auch gelingt. Aus Wut und Enttäuschung schließt sich Karl einer Räuberbande an, will unabhängig sein und begeht einige Straftaten. Herrlich amüsant tanzt und trinkt sich die Räuberbande durch den Abend, bis klar wird, dass sie durch Mord und Totschlag eine Menge Schuld auf sich geladen haben. Wunderbar gelungen ist die ständige spiegelbildliche Darstellung des jungen und alten Franz von Moor, gespielt von Ferdinand Louys und Ronja Giering sowie auch Karl von Moors, gespielt von Felix Schumann und Sofia Haase. Die Räuberbande zeigt witzige und dynamische Einlagen, aber auch ernste Momente. Wieso wählt man Schiller für Schüler dieser Altersklasse, wieso diese Themen, wieso diese altertümliche Sprache? Zum einen wird schnell klar, wie aktuell die angesprochenen Themen sind, zum anderen trägt die Sprache das Stück und macht die Themen abstrakter und zugleich begreifbarer für das Publikum. Die Schauspieler sind regelrecht verliebt in Schillers Formulierungen. Für alle gut nachvollziehbar wird durch einen modernen Kniff der schwierige Stoff erklärt. In Abständen treten drei überdrehte Reporterinnen, Marina Kellermeyer, Marlis Kathrein und Ariana Breer auf, die auf der Suche nach einer guten Story sind und das Geschehen kommentieren.

Natürlich gibt es, wie in jeder guten Geschichte, auch ein Liebesdrama, aber zum Happy End kann es hier nicht kommen, dazu haben sich die Brüder aus den verschiedensten Beweggründen zu sehr mit Schuld beladen.

Diese tiefen und ernsten Themen unterhaltsam und voller Humor darzustellen, ohne flach und oberflächlich zu werden, ist dieser Theatergruppe unter der professionellen Leitung von Angelika Machac vor einem minimalen und flexiblen Bühnenbild außerordentlich beeindruckend und mitreißend gelungen.

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