Von Giebingern, Gundrichingern und Itakerhöfen

von Redaktion

Ortsgeschichte hautnah erlebt – Heimat- und Kulturverein führt durch Umrathshausen

Frasdorf – „Umrathshausen gehört sicher nicht zu den unbedeutendsten Orten unserer Heimat“, so Rupert Wörndl, Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins Frasdorf, nach dem ortsgeschichtlichen Spaziergang durch das Dorf. Über 30 Personen waren dafür zusammengekommen. Drei Themen sollten behandelt werden: Welche Bedeutung hat seit jeher die Kirche für den Ort? Wie alt sind die Höfe mit ihren jeweiligen Besitzern und wie hat sich deren Bewirtschaftung verändert? Wie weit geht Umrathshausen in die frühgeschichtliche Zeit zurück?

Vor den spätmittelalterlichen Grabplatten am Friedhof meinte zunächst Wörndl zur Kirchengeschichte: „Umrathshausen war nie eine eigene Pfarrei. Sie war bis 1680 eine Filiale von Prien und dann von Frasdorf. Hervorzuheben ist aber die früher bedeutende Wallfahrt zum ‚Heilig Blut‘ und der damit verbundene Wohlstand der Kirchengemeinde.“ Keine Kirche im ehemaligen Herrschaftsgebiet von Hohenaschau habe mehr grundbare oder zehentpflichtige Bauernhöfe besessen als Umrathshausen.

Die beiden Grabplatten, die früher in der Kirche waren, zeugten von den damaligen Adelsgeschlechtern der Giebinger und der Gundrichinger, so Wörndl.

Den Part „Bauernhöfe“ übernahm Sepp Scheck, selber Bauer aus dem Ortsteil Wilhelming. An neun Anwesen wurde Halt gemacht. Zum Teil erzählten die Besitzer selber über ihre Häuser und Höfe. Den Hauptanteil übernahm jedoch Scheck. Er erzählte, wie die Hofnamen entstanden sind, wer die ersten Besitzer waren, wann das Haus in seiner heutigen Form entstanden ist, wie es mit der Landwirtschaft ausschaut und welche Nebengewerbe vorhanden waren. „Besonders ins Auge fallen die stattlichen „Itakerhöfe“, wie sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind, teilweise nach dem verheerenden Dorfbrand 1898 neu errichtet“, so Scheck. Beim Bernhacker wurden vom Besitzer Wasti Bichler die laufenden Sanierungsarbeiten am ehemaligen Kuhstall mit seinem böhmischen Gewölbe vorgezeigt.

Zum Abschluss gab es am Ortsrand Einblicke in die Vor- und Frühgeschichte. Martina Stoib, Historikerin und „Römerregionführerin“, berichtete anschaulich von einem bronzezeitlichen Gräberfeld. „Leider sind die Funde dort sehr schwer zu identifizieren, da sie ja mitsamt den Leichen verbrannt wurden. Aber Archäologen und Fachleute staatlicher Stellen sind hier zusammen mit Sebastian Aringer am Werk.“

Etwas leichter sei es mit den wesentlich „jüngeren“ Fundstücken aus der Römerzeit. Hier gebe es nicht nur mehrere Fundorte im Süden von Umrathshausen in Richtung Autobahn, sondern auch nördlich des Dorfes nahe des Weges zur Geigeralm, so Stoib.

Den Abschluss des Rundganges bildete dann noch ein Besuch in der kleinen Kapelle beim Feuerwehrhaus, die von der 90-jährigen Friederike Panhans liebevoll betreut wird.

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