Samerberg – Franz Kneissl III. nennt sich einen Visionär. Immer mit demselben Ziel: Den Namen Kneissl wieder zurückzubringen. Die Marke mit seinem Namen wieder bekannt zu machen. So wie es früher einmal war.
Kneissl ist in Tirol geboren und in Kufstein aufgewachsen. Bevor er an den Samerberg gekommen ist, hat er sportliche Erfolge in den USA gefeiert. Seit 20 Jahren ist er nun ein Bayer. Wohnt am Samerberg in „einer Idylle, seinem Garten Eden“, wie er selbst sagt. Dort lädt er auch zum Gespräch ein, in dem der 70-Jährige von seinem schillernden Leben berichtet.
Ski-Produktion des
Vaters in den 80ern
Um die Geschichte von Franz Kneissl III. zu verstehen, muss man zurück in seine Vergangenheit blicken. In den 1980er-Jahren übernahm Kneissl die Firma seines Vaters, einen bekannten Hersteller von Ski. Doch als die österreichische Ski-Krise damals aufkam, habe auch dem Unternehmen Kneissl die Insolvenz bevorgestanden.
Wo andere keine Lösung mehr sahen, habe Franz Kneissl III. die Firma nicht aufgeben wollen. Durch Bekanntschaften seines Studiums in der Schweiz habe er dann zwei Partner gefunden. So hätten sie das Unternehmen gerettet. Rund 380 Stellen habe er damit sichern können. Zu diesem Zeitpunkt war er 28 Jahre alt, worauf er bis heute sehr stolz ist. „Ich kann mit Recht sagen, dass es die Firma Kneissl ohne mich schon seit den 1980er-Jahren nicht mehr gegeben hätte“, sagt er.
Doch richtig zufrieden sei Kneissl mit der Unternehmenspolitik anschließend nicht gewesen. 26 Prozent Anteil an der Firma hätte er noch gehabt. Also habe er einen Entschluss gefasst und seine Anteile verkauft. Wegen seiner damaligen Ehefrau sei er dann nach Amerika gegangen. Zudem habe er dort wirtschaftliches Potenzial gesehen. In New York öffneten sich für Kneissl dann völlig neue sportliche Wege.
Wie es der Zufall wollte, habe ihn zu Beginn seiner Zeit in Amerika ein Bekannter zum Offshore-Bootfahren mitgenommen. Völlig überzeugt von dessen Talent sei er dann mit Franz Kneissl III. als Pilot bei den Nationalmeisterschaften gestartet. „So ist das Leben“, sagt Kneissl. „Die Nationalmeisterschaft haben wir dann gewonnen. Das war der Start meiner Karriere.“ Kneissl wurde zweifacher Weltmeister und stellte zudem einen Geschwindigkeitsrekord im „Offshore Powerboat Racing“ auf.
Nach diesen Erfolgen ließ er den gefährlichen Extremsport aber bleiben. Mit rund 200 Stundenkilometern brettert man über das offene Meer. Wie sich ein Laie das vorstellen kann? „Gar nicht“, sagt Kneissl. „Die meisten Leute haben gesagt, ich bin wahnsinnig.“ Schwere Unfälle seien in diesem Sport keine Seltenheit gewesen.
Besondere Höhepunkte seiner Karriere seien zum einen ein Artikel im Magazin „Interview“ von Andy Warhol. Zum anderen, dass er vom Verlag „Simon und Schuster“ zu den besten Sportlern des Jahrhunderts gekürt wurde. Darüber habe sich Kneissl besonders gefreut.
Dennoch habe er sich in die Heimat zurückgesehnt. Anfang der 90er-Jahre kehrte Kneissl nach Tirol zurück. Auslöser sei das Alter seiner Eltern gewesen. „Ich wollte einfach zurück“, sagt er. „Und zurück zum Ski. Denn das war schon immer meine Leidenschaft.“
Zurück in Österreich habe er dann neue Herausforderungen gesucht. Und so sei er auch zu der Idee seiner berühmten „Derbyflex-Platte“ gekommen. Eine Dämpfungsplatte, die den Sport damals revolutionierte, aber nicht den Namen Kneissl trug.
Im Jahr 2016 beschloss Franz Kneissl III. dann: „Jetzt muss ich was tun. Der Name Kneissl muss wieder auf die Bühne.“ Damit legte er den Grundstein für seine heutige Firma „Franz Kneissl Design“. Als dagegen kein Einspruch kam, ging er einen Schritt weiter und entwickelte den „neuen“ Kneissl Stern. Und er schaffte es auch, den Namen wieder bekannt zu machen. Jedoch nicht im Skigeschäft. Sondern mit E-Bikes. Auch dahinter stecke eine Geschichte. Mit 15 Jahren besuchte Kneissl das Internat in Neubeuern. Er habe allerdings zweimal in der Woche nach Kufstein fahren müssen. Und das habe er immer mit dem Rad getan.
„Damals habe ich mir geschworen: Etwas werde ich nie mehr machen und das ist das Radfahren. Ich habe es gehasst“, sagt er. Ungefähr 50 Jahre später aber sei ein Freund mit einem E-Bike auf ihn zugekommen und habe ihn überredet, einmal damit zu fahren. „Da dachte ich mir, das ist hervorragend, diese Idee ist super“, sagt Kneissl. „Nur das Design müsste man noch schöner machen.“
Gesagt, getan. Kneissl habe sich dann für die Produktion und den Vertrieb mit Partnern wie Werner Zanier zusammengeschlossen. Zanier zählt zu den größten Fahrradhändlern Österreichs. Mittlerweile sind seine E-Bikes erfolgreich, in Österreich zähle sein Unternehmen zu den stärksten Marken. Jedoch tragen seine E-Bikes heute nicht den Kneissl-Stern, sondern das Logo seines Weltcups. Dieser neue Weg mache ihn bis heute sehr stolz. „Schön, dass der Name wieder präsent ist“, sagt Kneissl. „Denn das ist meine Mission.“ Doch noch sei er damit nicht fertig.
Zurzeit arbeite er an der Entwicklung eines neuen Skischuhes, der mithilfe von 3D-Druck und drahtloser Datenübertragung für jeden konfiguriert werden könne. Und auch das Skitouren-Gehen wolle er in den nächsten Jahren revolutionieren. Nämlich mit dem E-Touring-Ski. „Da kommt man sich dann vor wie Daniel Düsentrieb“, lacht Kneissl.
Der Name soll
„weiter existieren“
Franz Kneissl III. könne nicht stillsitzen. Seine Visionen wolle er immer weiter vorantreiben. „Ich mache das, weil ich möchte, dass der Name Kneissl weiter existiert“, sagt er. „Und das kann ich nur schaffen, wenn ich etwas bewege.“ Für seine Erfolge ist er dankbar und glücklich, betont er. Auch ein Buch würde er noch schreiben. Der Titel: „Vom anderen Stern“.
Dennoch habe er langsam sein Ziel erreicht. Eine Aufgabe habe er sich allerdings noch fest vorgenommen: Einen Franz-Kneissl-Campus vor den Toren Kitzbühels. Mit einer gläsernen Skifabrik und dem großen Kneissl-Stern auf dem Gebäude. Das würde sein Abschluss werden. „Ich fühle mich wohl, aber langsam werde auch ich müde“, sagt Kneissl. Ob er aber jemals aufhören wird, an seinen Visionen zu arbeiten, das steht noch in den Sternen.