Studium in London kaum finanzierbar

von Redaktion

Brexit und Studienrichtung machen Master am englischen College zum Luxustraum

Oberaudorf – Fiona Köckler hat einen seltenen Berufswunsch. Aufgewachsen in Kiefersfelden will die Studentin hoch hinaus. Sie träumt davon, sich politisch für gesellschaftlich benachteiligte Länder und Kulturen einzusetzen. Mit der Zusage am King‘s College steht ihrem Traum nichts mehr im Weg. Dachte sie bis vor Kurzem zumindest. Denn die Finanzierung ist schwieriger als gedacht. Und die Zeit läuft ihr davon.

Der Masterstudiengang in Internationalen Beziehungen beginnt bereits im September und dauert ein Jahr, sagt Köckler. Dass sie die Studiengebühren von rund 36000 Euro dafür noch von keinem Stipendium, keiner Stiftung und auch keiner anderen Institution zugesichert bekommen hat, bereite ihr große Sorgen. Denn aus eigener Tasche könne weder sie noch ihre Familie die Kosten bezahlen.

Einser-Abschlüsse
und Praxis-Erfahrung

Die 23-Jährige hat vor ein paar Monaten ihren Bachelor in Sozial- und Kulturanthropologie und gleichzeitig in Religionswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München abgeschlossen. Beide mit einem Einser-Schnitt. Nebenbei habe sie mit renommierten Politikern wie Markus Rinderspacher – Vizepräsident des bayerischen Landtags – und Christian Springer, Kabarettist, Politiker und Gründer von Orienthelfer, zusammengearbeitet.

Zudem sei sie zurzeit Projektmitarbeiterin mit Spezialisierung auf Nahost und der Sahelzone bei der „Candid Foundation“ in Berlin, Autorin für das Magazin „Zenith“ sowie Koordinatorin im Landesverband Bayern von der deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen.

Dass diese Abschlüsse und Erfahrungen viel wert sind, hat Fiona Köckler spätestens bei der Zusage an zwei renommierten Universitäten in England gemerkt. Die Entscheidung fiel auf den Studiengang „International Relations“ am King‘s College in London. Und dazu hat sie auch schon ein klares Ziel. „Ich habe die Hoffnung, in der Welt etwas verändern zu können“, sagt die 23-Jährige. „Ich möchte Konflikte lösen, andere Perspektiven verstehen und mich dafür einsetzen.“

Köckler ist davon ausgegangen, dass ihre Leistungen für ein Stipendium ausreichen. Bis sie die Voraussetzungen dafür recherchiert und die ersten Absagen erhalten hat. „Es gibt eine Reihe an Problemen“, sagt sie. Entweder sei die Frist für eine Bewerbung schon lange abgelaufen oder andere Kriterien nicht erfüllt. „Ich falle bei allen durch das Raster. Sei es Studienland und -dauer, die Studienrichtung oder der akademische Grad.“

Auch zahlten viele Institutionen für Studienkredite in Deutschland nur monatliche Raten. Und oft nur dann, wenn man in Deutschland eingeschrieben sei. Ebenso werde ihr kein Studienkredit der britischen Regierung gezahlt. Genau so wenig gebe es vom King‘s College ein Stipendium für EU-Bürger, die Sozialwissenschaft studieren wollen. „Und auf einmal waren alle Möglichkeiten weg“, sagt Köckler. Ein Bildungskredit, der nach dem Studium abbezahlt werden kann, sei dann die letzte Hoffnung gewesen. Dazu habe sie einen Antrag bei der Deutschen Bildung gestellt. „Ich habe nicht damit gerechnet, den Höchstbetrag von 32000 Euro zu bekommen“, sagt Fiona Köckler. „Aber als auf dem Bescheid 0 Euro standen, war das der Schock meines Lebens.“

Sozialwissenschaft
nicht förderfähig

Gründe dafür seien die Fachrichtung der Sozialwissenschaft, die erwartete Gehaltsspanne nach ihrem Studium und der Brexit. Verstehen kann sie das aber nicht. „Das King‘s College gehört zu den besten Universitäten der Welt. Warum wird das nicht gefördert?“, fragt sie sich. „Dass die Gehaltsspanne nach meinem Studium zu weit auseinander liegt, sehe ich auch nicht so.“

Denn mit diesem Abschluss habe man Köckler zufolge beste Chancen, bei internationalen Organisationen wie der UN, der NATO oder der EU zu arbeiten. Was genau ihr Traum wäre. Durch den Austritt Großbritanniens aus der EU sei das Studieren dort zudem komplizierter und deutlich teurer geworden. Denn jetzt müssten deutsche Studenten die internationalen Gebühren zahlen.

Wie die Situation hingegen für andere Großbritannien-Bewerber aussieht, kann laut Christine Bernhard von der Deutschen Bildung nicht verallgemeinert werden. Der Bedarf an Auslandsstudien sei aber seit Corona deutlich gestiegen. Jede Anfrage könne deshalb nicht finanziert werden. Was auch daran liege, dass die Institution keine Bank ist, sondern von einem Fonds gezahlt werde.

Bernhard zufolge werden bei der Bewerbung verschiedene Faktoren wie Fachrichtung, Laufzeit oder Bonität geprüft. Jeder Bewerber werde einzeln bearbeitet. Dennoch könne man keine Garantie geben, dass die Anfrage auch angenommen wird. Über den Fall von Köckler dürfe Bernhard keine Auskunft geben.

Im Falle einer Ablehnung rät sie, sich rechtzeitig an Stipendien und Stiftungen zu wenden oder Auslandsbafög zu beantragen. Das klappt allerdings nicht immer. Wie im Fall von Fiona Köckler erkennbar wird.

Crowdfunding
letzte Lösung

Denn ihr gehen die Ideen aus. Und einen Plan B hat sie noch nicht. In Deutschland könne sie die Fachrichtung nicht studieren, da ein Fachwechsel in die Politikwissenschaft nicht möglich sei. Um ihren Traumberuf aber machen zu können, benötige sie den Master. Trotz der Hürden wolle sie allerdings noch nicht aufgeben.

Das brachte ihre Mutter Julia Köckler auf eine letzte Idee. Sie als Freiberuflerin könne Fiona nicht mit einem Kredit unterstützen. Deshalb hat sie ein Crowd-funding für Fiona gestartet, um die Studiengebühren mithilfe von Spenden bezahlen zu können. „Die Chance auf den Platz bekommt Fiona nie wieder“, sagt Julia Köckler. „Und sie hat so hart dafür gekämpft. Es wäre so schade.“

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