Oberaudorf/Sudelfeld – Hannes Rechenauer betreibt die Bergbahn Hocheck bei Oberaudorf. Er hat den Unfall an dem Andelsbucher Sessellift aufmerksam verfolgt: „Man erkundigt sich natürlich, was ist da passiert?“ Er diskutiere mit seinen Mitarbeitern und Kollegen über jeden Unfall. Aus der Ferne könne er jedoch kaum beurteilen, was geschehen ist.
Schrauben nicht festgezogen?
„Klar ist da was schiefgegangen“, sagt Rechenauer. „Die Klemme hat wahrscheinlich nicht funktioniert.“ Der Sessel sei immer fest mit dem Seil verbunden. Nach einer gewissen Anzahl von Betriebsstunden müsse der Sitz aber verschoben werden. „Vielleicht wurden die Schrauben nicht ganz so festgezogen.“
Ein technischer Defekt oder ein Wartungsfehler ist laut Egid Stadler, Betreiber der Bergbahnen Sudelfeld, ebenfalls möglich. Er ist bestürzt von dem Unglück: „Das ist der Supergau, so etwas darf natürlich nicht passieren.“ Etwas Ähnliches sei am Sudelfeld noch nie vorgefallen. Rechenauer zufolge ist ein solcher Unfall an der Bergbahn Hocheck auch noch nie vorgekommen. Nach dem Unfall wurde der Betrieb der 51 Jahre alten Seilbahn in Österreich eingestellt. Im kommenden Herbst hätte die sanierungsbedürftige Bahn wohl stillgelegt werden sollen.
Die Vorarlberger Polizei und Seilbahn-Experten haben Ermittlungen aufgenommen. Der Andelsbucher Bürgermeister Bernhard Kleber ist zugleich der Geschäftsführer der Bahn. In einem Interview mit dem österreichischen Fernsehsender ORF teilte er mit, dass ein Sachverständiger viele Verschleißspuren festgestellt habe. Die Seilbahnbehörde könne nicht verantworten, dass der Lift weiterfahre. „Normalerweise werden die Bahnen sowohl in Österreich als auch bei uns strengstens überwacht“, sagt Egid Stadler. Auch Hannes Rechenauer betont: „Wir haben einen hohen Sicherheitsstandard.“ Eine Bahn werde einmal im Jahr vom TÜV geprüft. Zudem gebe es unangemeldete und engmaschige Kontrollen des Bauwerks, der Elektronik und der Drahtseile. Es müssten stets ein Betriebsleiter und Maschinist vor Ort sein. An jedem Tag, an dem die Bahn in Betrieb genommen wird, müssten sie die Strecke abfahren und die Bremsen prüfen.
Eine halbe Stunde dauere die tägliche Prüfung und Protokollierung.
Deshalb sagt Rechenauer: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ohne Betriebsgenehmigung gefahren sind.“ Weltweit müssten Betreiber Normen erfüllen, die von Behörden und unabhängigen Sachverständigen geprüft werden. „Seilbahnen gelten als die sichersten Verkehrsmittel der Welt“, sagt der Betreiber. Eine Fahrt im Bus, Zug und Auto sei nicht so sicher wie eine Fahrt mit der Seilbahn. Das bestätigt das Österreichische Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie.
Hohe Anforderungen an Betriebsstandards
Auch das Bayerische Verkehrsministerium zählt Seilbahnen zu den sichersten Massenverkehrsmitteln. Das Ministerium stellt laut dessen Webseite hohe Anforderungen an die Sicherheit der Bahnen.
Laut der Webseite der Schweizer Seilbahnen verdeutlicht ein Vergleich mit anderen Verkehrsträgen, dass Seilbahnen und Skilifte mit Abstand das sicherste Transportmittel sind. Das Risiko, tödlich zu verunfallen, sei rund zehnmal kleiner als im Auto oder Zug und mehr als fünfzigmal kleiner als im Flugzeug. Das Risiko, sich zu verletzen, sei indes drei- bis viermal geringer als in Tram, Bus oder Zug und fünfzigmal geringer als im Auto.