Schnaitsee – Ein beschränkter Tunichtgut, eine Betrügerin, die sich selbst übers Ohr hauen lässt und ein angefressener Chef: All das gibt es bei „A Kufern“ zu sehen, dem Dreiakter von Peter Landstorfer, den die Theatergemeinschaft Schnaitsee noch bis Ende Januar auf die Bühne bringt. Bei der Premiere kugelte sich das Publikum vor Lachen.
Bubi Bratzler (gespielt von Meinrad Reiter) ist der Boss einer „seriösen Münchner Gangster-Gesellschaft“ in den 1920er-Jahren. Im feinen Anzug und blank polierten Schuhen betritt er die Bühne – die Schneiderei vom Nadel Toni (gespielt von Thomas Schachner).
Tarnung für
dubiose Geschäfte
Das Hinterzimmer des Geschäfts wird von der Bande als Tarnung für ihre dubiosen Geschäfte benutzt. Gangsterboss Bratzler verzweifelt jedoch am äußerst überschaubaren Talent der Mitglieder. Keines zeigt echtes Gangster-Potenzial.
Die Zeiger Lilli (gespielt von Anita Meisl) klaut Taschenuhren, die keiner will, der beschränkte Stauber Luggi (gespielt von Florian Fraitzl) fälscht 30-Mark-Scheine, die Lalo (gespielt von Johanna Hieke) lässt sich selbst von einem Bub hinters Licht führen, als sie ihm gestohlene Trambahn-Karten andrehen will, und der Fingerl Beppi (gespielt von Peter Mühlberger) klaut gemeinsam mit der Stesser Erna (gespielt von Roswitha Behr) eine „schöne“ Briefmarkensammlung, mit der sich nichts anfangen lässt. Bratzler ist verzweifelt. Die Bande scheint unfähig zu sein, einen echten Coup zu landen – bis plötzlich der Gassen Paule (gespielt von Matthias Reiter) mit einem Kufern – einem großen, braunen Koffer – auftaucht. Darin befinden sich 100000 Mark. Die Gangster-Gesellschaft ist ganz aus dem Häuschen: Was sie mit einer so großen Summe alles anfangen können. „Nie wieder Trambahnfahren“, „Zigarren mit einem Zehn-Mark-Schein anzünden“ und „Kaviar mit dem Schöpflöffel fressen“, stellen sie sich vor.
Doch einen großen Haken gibt es: Dem Koffer mit dem vielen Geld liegt nämlich ein Brief einer „großen Handelsgesellschaft“ für einen Ministerialbeamten bei, mit den Worten: „Sie werden sicherlich eine wohlwollende Entscheidung treffen“. Es ist also Schmiergeld. Das ändert für Bratzler alles. Er will den Koffer dem Ministerium zurückbringen – unter großem Protest der anderen Mitglieder. Wie es weiter geht, wird nicht verraten.
Talent bewiesen haben definitiv die Schauspieler, allen voran Florian Fraitzl, der den Stauber Luggi spielte. Keinen Moment fiel Fraitzl aus der Rolle und blieb stets der naive, beschränkt wirkende, stotternde Einfaltspinsel, dem die Ereignisse, die sich auf der Bühne überschlugen, eindeutig zu schnell vorangingen. Er sorgte bei den Zuschauern für viele Lacher.
In der Rolle des
gewieften Gauners
In der Rolle der Zeiger Lilli, die im Laufe des Stücks viele Facetten zeigt, brillierte Anita Meisl. Blitzschnell wechselte sie die Charaktere – von der beschämten Taschenuhr-Diebin zur „Madam Lilli“. Auch Meinrad Reiter überzeugte in der Hauptrolle des gewieften Gauners.
Im geschniegelten Anzug, glatt gestrichenem Haar, Krawatte und blank polierten Schuhen sah er aus wie das Abbild eines Mafiosos aus den 20er-Jahren – ein Kompliment an die Kostümbildner.
Eine Doppelfunktion hatte Elisabeth Nachbar, die in der Band sowohl Saxofon spielte und – gemeinsam mit Romy Kinzner und Josef Unterforsthuber – Regie führte.