Ein Auge weint, das andere lacht

von Redaktion

Interview Priener Polizeiinspektions-Leiterin Karin Walter wechselt nach Brannenburg

Brannenburg/Prien – Mit Jahresbeginn hat es in der Polizeiinspektion (PI) Prien einen Führungswechsel gegeben: Die bisherige Leiterin, Erste Polizeihauptkommissarin Karin Walter, wechselt als Chefin zur PI Brannenburg (wir berichteten kurz). Übergangsweise wird Polizeioberrat Georg Nieß die Führung der Dienststelle in der Marktgemeinde für drei Monate mit übernehmen. Der 64-Jährige ist Leiter der Polizeiinspektion Altötting.

Warum Karin Walter Prien mit einem weinenden als auch lachenden Auge verlassen hat, beschreibt die 51-Jährige im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

In Brannenburg waren Sie bis vor knapp fünf Jahren stellvertretende Leiterin der Polizeiinspektion. Jetzt kehren sie dorthin zurück als Chefin. Warum dieser lange Umweg?

Weil jetzt die Stelle freigeworden ist. Der bisherige Leiter ist Ende des Jahres in Pension gegangen; die Stelle war vorab ausgeschrieben worden und ich hatte mich beworben. Es wird auch gern im Präsidium gesehen, wenn man als Stellvertretung nicht anschließend die Leitung einer PI übernimmt, sondern zunächst woanders hingeht.

Ist die PI Brannenburg sozusagen eine Herzensangelegenheit?

Das wäre ein bisserl übertrieben, aber ich bin in der Region aufgewachsen, habe viele Kontakte dort, auch durch meine Arbeit in der PI Brannenburg. Und ich bin davon überzeugt, dass es zu diesem Zeitpunkt für mich der richtige Schritt war.

Sie waren in der PI-Leitung die erste Frau in Prien. Was waren die besonderen Herausforderungen für Sie?

Ich bin als Frau in dieser Rolle im Kollegenkreis wie auch in der Bevölkerung sehr gut aufgenommen worden. Ich hatte immer das Gefühl, dass in Prien mit diesem Thema offen umgegangen wird. Natürlich ist es eine völlig andere Herausforderung, im Gegensatz zur Stellvertretung die Leitung einer Dienststelle zu übernehmen.

Eine davon war sicherlich die Fluktuation im Personalbereich…

Ja, denn in den vergangenen knapp fünf Jahren wurde rund ein Viertel der Stellen ausgetauscht; das heißt, viele ältere Kolleginnen und Kollegen sind in den Ruhestand gegangen.

Das klingt nach einem deutlichen Generationswechsel…

…das war es, definitiv. Es ging einerseits dadurch viel Erfahrung und Wissen verloren, allerdings bieten sich auch viele Chancen, die es zu nutzen gilt. Denn die Jüngeren haben zum Beispiel oft andere Ansätze und ein anderes Denken in ihrer Arbeit. Ein weiterer Vorteil ist geblieben: Die meisten von ihnen wohnen im Dienstbereich der PI Prien. Natürlich haben wir hier nicht die Polizeidichte wie in einer Großstadt, aber zur Deckung unserer Aufgaben reicht es.

Mit ihrer neuen Aufgabe hatten sie für Schutz und Sicherheit von mehr als 50000 Bürgern in insgesamt zwölf Gemeinden zu sorgen. Was hat das mit Ihnen persönlich gemacht?

Ich bin mit großem Respekt an diese Aufgabe herangegangen. Auch an die, eine Dienststelle mit rund 40 Beschäftigten zu leiten.

Welchen Eindruck hatten Sie von der Sicherheitslage in dieser Region?

Die Sicherheitslage im Bereich der Polizeiinspektion Prien war und ist sehr gut. Natürlich gibt’s hier die gleichen Phänomene wie andernorts, zum Beispiel mit Enkeltrick- oder Callcenter- Betrügereien, oder Fassadenschmierereien wie vor einiger Zeit im Eichental.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht mit der Belegung der LTG-Turnhalle mit Flüchtlingen?

Natürlich haben mir die Kollegen von den Erfahrungen aus der Zeit berichtet, wo die Turnhalle vor Jahren zum ersten Mal mit Asylbewerbern belegt war. Die Thematik war mir nicht ganz neu, weil zu der Zeit die Schulturnhalle in Raubling für die gleichen Zwecke genutzt wurde. Unterm Strich: Es hat sich nicht so entwickelt, wie wir zunächst aus polizeilicher Sicht befürchtet hatten.

In den zurückliegenden Jahren gab es einige Staatsbesuche in der Marktgemeinde. Wie stark waren Sie gefordert?

Ziemlich stark. Die Besuche der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder wie auch der unseres Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier waren für uns sicherlich Highlights, aber auch sehr arbeitsintensiv. Was allerdings auch einen absoluten Eindruck hinterlassen hat, ist der Mordfall Hanna. Für unsere Dienststelle, in deren Bereich dieser Mord passiert ist, war das ein einschneidendes Erlebnis.

Wer fängt Sie und Ihr Team auf bei solch schwierigen Fällen?

Wir haben bei der Polizei einen sehr guten psychologischen Dienst, an den man sich in solchen Fällen wenden kann. Mir hilft speziell in solchen Situationen mein Mann, der auch Polizist ist. Der versteht halt vieles, ohne dass ich es aussprechen muss.

Haben Sie Prien mit einem lachenden und weinenden Auge verlassen?

Ja, definitiv.

Warum weint das eine?

Weil ich hier viele tolle Leute kennengelernt und viele Freundschaften geknüpft habe. Und es gibt den Chiemsee – da fällt der Abschied schwerer…

Was sorgt für das Lachen?

Weil ich die Chance habe, heimatnah eine Arbeitsstelle antreten zu können.

Was wird dort anders sein als in Prien?

Vor allem die Topografie: Es fehlt die Attraktion „Chiemsee“, es fehlt das Aufgabenspektrum der Wasserschutzpolizei. Allerdings habe ich von Brannenburg aus ein Riesengebiet zu betreuen, von Kiefersfelden über Bad Feilnbach bis Raubling und Neubeuern.

Wie ist Ihr Abschied von den Kollegen in Prien gelaufen?

Es war recht emotional. Sie haben mich ganz toll verabschiedet.

Ein Blick ins Private: Was macht die erste Polizeihauptkommissarin Karin Walter, wenn sie nicht in ihrer Uniform steckt?

Versuchen, abzuschalten. Das Wichtigste dafür ist für mich die Familie. Sport hilft auch. Aber so ganz im Hintergrund wirkt der Beruf allerdings auch im Privaten weiter, man nimmt Themen oftmals mit nach Hause.

Interview: Ulrich Nathen-Berger

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