Kiefersfelden – „In welche Richtung gehen wir?“ Diese Kernfrage stellte Bürgermeister Hajo Gruber (UW) bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Kiefersfelden, als Landschaftsarchitekt Robert Haidacher mehrere Planungsvarianten zum Thema „Grüne Achse“ vom Kurpark zum Rathaus vorstellte.
Dass dabei noch viel Abstimmungsbedarf erforderlich ist, war den Mitgliedern des Gremiums schnell klar. Das Thema beschäftigte bereits mehrere Generationen von Gemeinderäten. Vor Jahrzehnten wurde mit staatlichen Mitteln aus städteplanerischen Gründen die Aral-Tankstelle von der Ortsmitte ausgelagert. Auf der dadurch entstandenen freien Grünfläche zwischen Rewe und Sparkasse sollte ein Gemeindehaus entstehen. Schnell wurde die Unfinanzierbarkeit eines solchen Projekts klar. Stattdessen entstanden eine provisorische Parkfläche für Rewe-Einkäufer und Innsola-Besucher sowie ein Festplatz auf grüner Wiese.
Nach mehreren Anläufen bildete sich 2009 ein städtebauliches Entwicklungskonzept mit dem Kernvorhaben, zwischen Kurpark und Rathaus, bis zum Kieferbach, eine Sichtachse zu schaffen und dies zum optischen wie gesellschaftlichen Mittelpunkt der Gemeinde zu machen. Dies wurde auf der Rathausseite in den letzten Jahren umgesetzt. Nun soll ein neuer Anlauf gemacht werden, um das Kernstück des Projektes zu entwickeln, die „Grüne Achse“ von der Staatsstraße zum Kurpark.
Haidacher stellte als Diskussionsgrundlage drei Varianten vor. Die Vorschläge zur Neugestaltung befassen sich mit mehreren Kernelementen. Diese bestehen aus der Umgestaltung des provisorischen Parkplatzes neben dem Rewe-Markt, der ganzen oder eingeschränkten Befahrbarkeit des Lindenweges sowie eines barrierefreien Verbindungsweges vom Lindenweg zum Kurpark und vor allem der Bildung eines gesellschaftlichen Mittelpunktes entlang der „Grünen Achse“.
Tendenzen des Gremiums wurden bezüglich des provisorischen Parkplatzes und des Lindenweges deutlich. Angedacht ist eine Verringerung und Umgestaltung der Parkflächen. Kurzparkzonen sollen das Langzeitparken eindämmen. Auch soll der Lindenweg als Durchgangsstraße entlastet werden zugunsten einer Straßennutzung durch die Parkflächen links und rechts der Grünfläche. „Dies bedarf jedoch noch einer Ab- und Zustimmung mit betroffenen Grundstückseigentümern, ehe eine straßenrechtliche Umwidmung der Verkehrsflächen angegangen werden kann“, so Gruber.
Wünschenswert wäre zudem ein barrierefreier Verbindungsweg zwischen dem Lindenweg und dem Kurpark. „Dies wäre aber ein enormes Bauvorhaben, da bei acht Metern Höhenunterschied und maximal sechs Prozent Steigung ein langer Ziehweg vonnöten wäre“, rechnete der Bürgermeister vor und ergänzte: „In jedem Falle soll es eine kurze direkte Verbindung geben. Den derzeitigen Trampelpfad kann man fast als Bürgerentscheid sehen.“ Am meisten Diskussionsbedarf zeichnete sich beim Thema „Zukünftige Nutzung der Grünflächen“ ab. Ein starker sozialer Mittelpunkt soll entstehen.
Ratsmitglied Georg Fuchs (SPD) meinte: „Ein Café oder eine Eisdiele wäre zur Belebung unverzichtbar“ und Gemeinderat Albert Weingart (Grüne) sagte: „Nur bei starker Einschränkung der Befahrbarkeit des Lindenweges ist eine grüne Achse erreichbar.“ Auch die Gewährleistung einer verbesserten Querung der Staatsstraße wäre Teil des zu erstellenden Konzeptes. Überlegungen einzelner Räte, hier eine Über- oder Unterführung anzustreben, fanden wenig Resonanz. Bessere Möglichkeiten seien der Einsatz von Verkehrsinseln oder einer Doppelampel.
Das Gemeindeoberhaupt brachte die Diskussion letztendlich auf den Punkt und meinte: „Es gibt noch viel Redebedarf. Eine lange Planungszeit ist absehbar.“ Zudem wird der finanzielle Kraftakt eine etappenweise Projektumsetzung erforderlich machen. roc