Brannenburg – Mohammad Rasti fällt der Abschied alles andere als leicht. „Der Laden und die Menschen waren wie eine Familie für mich”, sagt der Ladenbesitzer der Jeans-Ecke, der von allen Kunden nur Rasti genannt wird. Seitdem er sein Geschäft im Jahr 1990 eröffnete, sah Rasti mehr in sich als nur einen Verkäufer. Er wollte sich gemeinsam mit seiner Frau Koby um die Kunden kümmern, persönlich in Kontakt kommen und sich Zeit für jeden Einzelnen nehmen. Selbst am letzten Tag wird daher das Gespräch mit dem OVB immer wieder unterbrochen. „Einen Moment, es kommt gerade jemand in den Laden!“, ruft Rasti und eilt Richtung Eingang.
Umso schwerer fällt es dem Brannenburger, „sein Kind” nach 34 Jahren aufzugeben. Am vergangenen Samstag musste er die Türen endgültig schließen. Schuld ist eine Krankheit. „Es hilft ja nichts, die Gesundheit ist wichtiger“, meint Rasti. Demnächst muss er sich einer Operation unterziehen. Danach müsse man „realistisch bleiben” und wissen, dass man die Jeans-Ecke nicht einfach weiterführen kann. Erst recht nicht mit dem Einsatz, für den ihn die Kunden über Jahrzehnte hinweg schätzten.
„Das sind tolle Menschen, es tut richtig weh, den Laden zu schließen“, meint Rasti sichtlich gerührt. Manche Stammkunden hätten den Laden sogar unter Tränen verlassen. Dementsprechend emotional sind auch die Reaktionen auf die Ladenschließung. „Das ist unglaublich schade. Ich wurde noch nie so gut beraten wie hier“, oder „ein so freundlicher Besitzer, kauft ein, solange ihr noch könnt“, ist in den sozialen Medien zu lesen.
Für die Treue seiner Kunden ist Rasti sehr dankbar. „Das geht teilweise bis in die vierte Generation“, sagt der 67-Jährige. Doch ganz verloren sei die Jeans-Ecke an der Rosenheimer Straße nicht. „Zwei Damen aus der Region werden meine Nachfolgerinnen“, sagt Rasti. Nach einem kleinen Umbau soll die Jeans-Ecke mit ähnlicher Kleidung derselben Marken im März wieder eröffnen. „Ich hoffe, dass der Laden dadurch für Brannenburg und Umgebung erhalten bleibt”, sagt Rasti.
Auch wenn er das Rentenalter längst erreicht hat, will er so bald wie möglich wieder etwas unternehmen. „Natürlich muss ich schauen, wie es mir nach der Operation geht“, meint er, „aber einfach zu Hause rumsitzen kann ich nicht.” Korbinian Sautter