Stephanskirchen will wieder Anschluss

von Redaktion

Gemeinde fühlt sich von der Bahn abgehängt – Keine Hilfe vom Verkehrsminister

Stephanskirchen – Die Gemeinde Stephanskirchen gehört mit rund 11000 Einwohnern zu den größten Kommunen ohne eigenen Bahnanschluss in Oberbayern, obwohl die Strecke Rosenheim-Salzburg auf über sechs Kilometern Länge das Gemeindegebiet durchquert. Die einstige Bahnstation Stephanskirchen wurde in den 1980er-Jahren geschlossen.

Streckensanierung
als neue Chance?

Die Deutsche Bahn saniert 2027 die Strecke München-Freilassing. Über Monate fährt kein Zug. Die ideale Gelegenheit, den Bahnhalt in Stephanskirchen mal wieder ins Spiel zu bringen, fand Bürgermeister Karl Mair. Er holte sich seinen Rosenheimer Kollegen Andreas März und Landrat Otto Lederer an Bord, die drei machten sich bei Verkehrsminister Christian Bernreiter für einen Bahnanschluss in der Gemeinde stark.

In Stephanskirchen leben aufgrund der Stadtrandlage zu Rosenheim zahlreiche Menschen, die zum Arbeitsplatz oder zur Ausbildung nach Rosenheim und zum Teil auch nach München pendeln. Zudem ist die Gemeinde ein von zahlreichen Einpendlern frequentierter Gewerbestandort. In Stephanskirchen sind unter anderem der Parketthersteller Hamberger mit über 1000 Beschäftigten, das Hauptquartier des Modeunternehmens Marc O´Polo und die Zentrale der Arri-Beleuchtungstechnik ansässig.

Ein Bahnhalt in der Gemeinde Stephanskirchen würde insbesondere den Bahnhof Rosenheim und die gesamte Verkehrssituation im Großraum Rosenheim entlasten, so die Argumentation von Mair, Lederer und März. Daher werde die Schaffung eines Bahnhaltes in der Gemeinde Stephanskirchen auch in dem 2019 fertiggestellten Nahverkehrsplan von Stadt und Landkreis Rosenheim gefordert. „Mit dem Beitritt von Stadt und Landkreis Rosenheim zum MVV im Dezember 2023 hat der ÖPNV in unserer Region zugleich an Attraktivität gewonnen“, so Mair.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hatte mehrfach – zuletzt 2019 – die Realisierung eines Bahnhalts im Gemeindegebiet von Stephanskirchen mit Verweis auf eine einminütige Verzögerung des Regionalverkehrs auf der Strecke Rosenheim-Salzburg und daraus resultierende Anschlussprobleme an anderen Haltepunkten abgelehnt.

Im September 2023 präsentierte die Deutsche Bahn eine Planung zum Ausbau eines Hochleistungsnetzes in Deutschland, die auch eine Sanierung der Strecke Rosenheim-Salzburg vorsieht. Im Zuge dieser Maßnahme, die Gleise, Oberleitungen und die Leit- und Sicherungstechnik umfasst, sollte ein neuer Bahnhalt im Gemeindegebiet von Stephanskirchen berücksichtigt werden, finden die Kommunalpolitiker, da durch die umfassende Modernisierung der Strecke die bisherigen Argumente der Bayerischen Eisenbahngesellschaft gegen den Bahnhalt nicht mehr stichhaltig seien.

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bahn für den Brenner-Nordzulauf einen 14 Hektar großen Verladebahnhof zwischen Eitzing und Weinberg vorsieht, der über viele Jahre für den Abraum aus vier Tunnelröhren errichtet werden soll. Angesichts dieser Mehrbelastung der Strecke Rosenheim-Salzburg dürfte ein neuer Haltepunkt für Regionalzüge kaum mehr ins Gewicht fallen, argumentiert Mair.

„Erfreulicherweise hat sich die Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern in ihrem im Oktober 2023 vereinbarten Koalitionsvertrag für eine Planungsoffensive bei der Schieneninfrastruktur ausgesprochen, die auch neue Bahnhalte umfasst. Gerade in diesem Zusammenhang würden wir es begrüßen, wenn Stephanskirchen zum Standort eines der neu zu schaffenden bayerischen Bahnhalte würde“, heißt es in dem Schreiben an Bernreiter, das Mair, Lederer und März vorsichtshalber auch an den Ministerpräsidenten schickten.

Geantwortet hat der Verkehrsminister. „Kein Licht am Ende des Tunnels“, fasst Mair jüngst zusammen, als er seinen Gemeinderat über die Reaktion informierte. Bernreiter stimmte Mair zwar zu, dass es reichlich Pendlerbewegungen gebe und es vermutlich noch mehr würden.

Auch sei es der Staatsregierung ein Anliegen, das Angebot im öffentlichen Nahverkehr – ob auf der Straße oder der Schiene – noch attraktiver zu machen. Die Reaktivierung der Bahnstation Stephanskirchen sei mehrmals intensiv untersucht worden, schrieb Bernreiter.

„Das Ergebnis ist jedes Mal gewesen, dass die fahrplantechnische Machbarkeit aufgrund der vorhandenen Schieneninfrastruktur leider nicht gegeben ist.“ Auch nach Abschluss der von der DB InfraGO AG als Streckeneigentümerin geplanten Generalsanierung der Strecke München-Freilassing ergäben sich laut Minister nach Auskunft der DB „keine neuen Spielräume im Fahrplan des Regionalverkehrs“, die einen zusätzlichen Bahnhalt ermöglichen. „Ebenso wenig hat der Verladebahnhof im Zuge der Abraumbeseitigung Brenner-Nordzulauf Einflüsse auf den Nahverkehr“, glaubt Bernreiter. Nach dem Beitritt zum MVV könnten Stadt und Landkreis Rosenheim zur Gestaltung des allgemeinen ÖPNV auf die Erfahrungen des MVV zurückgreifen. „Zur weiteren Beratung steht Ihnen gerne die Regierung von Oberbayern zur Verfügung.“

Chiemgau-Express
als Alternative?

Das kam im Gemeinderat nicht gut an. Christian Ladner (Parteifreie) fragte nach dem Chiemgau-Express. Eine Alternative, „aber auch die ist nur mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zu machen, genau wie der Bahnhalt“, so Mair. Johannes Lessing (Die Grünen) hielt fest, dass das Argument der ein oder zwei Minuten mehr Zeit sicher keine Rolle mehr spiele, sei die Strecke erst saniert und damit mit höherem Tempo zu befahren. „Das ist eine politische Entscheidung.“

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