Aschau – „Wir müssen alle unser Anspruchsdenken überprüfen, eine 24-7-Rundumversorgung kann es nicht geben. Daher müssen wir unsere Wünsche auch einmal auf das Machbare zurückschrauben. Man kann aus allen Teilen des Jahresberichts ganz deutlich erkennen, dass in Aschau auch im vergangenen Jahr viel angegangen und umgesetzt wurde und auch in den kommenden Jahren werden wir so weitermachen“, schloss Bürgermeister Simon Frank nach gut zwei Stunden und 156 Folien seinen Vortrag bei der Aschauer Bürgerversammlung in der Festhalle.
Große Projekte
in Arbeit
„Wir arbeiten zur Zeit an vielen großen Projekten, wie der Priental-Halle, am verstärkten Hochwasserschutz für die Gemeinde Aschau, dem Chalet-Dorf in Innerkoy, am neu konzipierten Linnerhof-Gelände in Sachrang und der Modernisierung der Trinkwasserversorgung. Diese Arbeiten fordern das volle Engagement aller Beteiligten und umfangreiche Gespräche mit den beteiligten Firmen“. Frank bedankte sich für die hervorragende Arbeit seiner beiden Stellvertreter Michael Andrelang und Monika Schmid, des gesamten Gemeinderates, aller Gemeindemitarbeiter und der vielen ehrenamtlichen Bürger in den Vereinen und Gremien der Gemeinde.
Beifall für
Helferkreis Asyl
Spontanen Beifall gab es während des Vortrages für die Arbeit des Helferkreises Asyl, der seit 2015 unter der Leitung von Bernhard Pflüger arbeitet, für den Einsatz der Bauhofmitarbeiter und für die Feuerwehrleute aus Aschau und Sachrang.
Am Ende des umfassenden Vortrages zur Lage der Gemeinde blieben für die Bürger in der gut besuchten Aschauer Festhalle nur wenige Fragen offen. Es waren, wie die Fragen nach der Anleinpflicht für Hunde oder der Anpassung des Wasserpreises, nicht die großen Probleme, die die Zuhörer bewegten. Bei der Frage, wie weit die Gemeinde Aschau, ihre Gewerbetreibenden und die Bürger vom Tourismus direkt oder indirekt profitieren, musste Bürgermeister Frank auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten. Aus der Hand könne er die Frage nicht fundiert beantworten.
Das Fehlen und die weitere Entwicklung der Kindergartenplätze wird auch große Auswirkungen auf die Integration der Flüchtlinge mit sich bringen, befürchtet der Helferkreis Asyl. Wenn die Kinder im Kindergarten nicht die notwendigsten deutschen Sprachkenntnisse erhalten, werden sie in der Schule sofort abgehängt und sind auf Dauer chancenlos, da zu Hause von den Eltern keine sprachliche Unterstützung erwartet werden kann. Der Rathauschef konnte hier keine befriedigende Lösung anbieten, die Förderung der Vorschulkinder zur Schulreife sei die wichtigste Aufgabe der Kindergärten.
Der Gemeinderat wird sich in der kommenden Zeit mit neuen Sportstätten für die Skater und Inliner beschäftigen müssen. Ihnen wurden durch die gemeindlichen Bauten an der Priental-Halle und an der Seta ihre Bahnen genommen. Auch der fortschreitenden Verödung des Ortskerns und dem Leerstand mehrerer Geschäfte wird die Gemeinde Aschau entgegenwirken müssen.
Das größte Projekt der Gemeinde Aschau seit vielen Jahren ist der Bau der Prientalhalle. „Wir sind mit dem Bau gut im Zeitplan, am 22. Juni um 10 Uhr wollen wir die fertige Halle für alle eröffnen.“ Der gestiegene Baupreisindex hat die Kosten gegenüber dem ersten Ansatz um 24 Prozent verteuert. Die Kosten für die Halle liegen derzeit bei rund zehn Millionen Euro.
Beim öffentlichen Personennahverkehr sei der ständige Wechsel die Regel: Neben der bestehenden Buslinien und der Eisenbahnverbindung gibt es neue Möglichkeiten wie die Ausweitung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes auf den Landkreis Rosenheim, der Carsharing-Bus Mikar und das Rosi-Mobil.
Der barrierefreie Bahnsteig im Aschauer Bahnhof wartet aber immer auf seinen Verwirklichung. „Wir wollten doch nur den Bahnsteig im Aschauer Bahnhof erhöhen und jetzt wird daraus ein Millionenvorhaben“: Der Bürgermeister war von der unendlichen Geschichte um den Bahnsteig sichtlich angefressen. Der zuständige bayerische Staatsminister Christian Bernreiter besuchte den Aschauer Bahnhof. Grundsätzlich ist die Deutsche Bahn für die Sanierung der Bahnhofsanlagen zuständig, allerdings ist der Bahnhof Aschau nicht auf einer Vorrang-Position. Da eine schnelle Umsetzung durch die Bahn nicht absehbar sei, stellte der Minister eine Planungsbeteiligung von maximal 80 Prozent durch den Freistaat in Aussicht – der Rest der Planungskosten von etwa 120000 Euro verbleibt zunächst bei der Gemeinde.
Der Tourismus habe sich nach den Einbrüchen der letzten Jahre wieder erholt, habe aber immer noch nicht den Stand von 2019 erreicht. Die Gästeanreisen haben mit 70491 Anmeldungen beinahe wieder Vor-Corona-Niveau erreicht, ebenso die Übernachtungszahlen mit 322071. Auch der der Jahreskalender ist mit Angeboten aller Art wieder gut gefüllt.
Ehrenamtliches Engagement
Ausführlich berichtete Bürgermeister Frank über das Engagement der Bürger in allen Bereichen: Der Seniorenbeirat fülle mit dem Bürgerbus und dem Repaircafé zwei große Lücken im Aschauer Hilfsangebot, im Aschauer Kleiderstüberl gebe es günstige Bekleidung für alle. Das Jahresmotto „Zamhocka“ versuchte Aschauer und Gäste zusammenzuführen, sei es bei vielen eigens konzipierten Veranstaltungen oder auch nur so „auf einen kleinen Ratsch“. „Die Versteigerung der vielen extra gefertigten Hocker war das Sahnehäubchen auf der Veranstaltungsreihe“.
Hoher
Freizeitdruck
Das Bergbauernmodell läuft seit 2015 im Oberen Priental und wurde über Sachrang hinaus bis 2025 auf das ganze Gemeindegebiet ausgedehnt. Die Landwirtschaft habe derzeit an vielen Fronten zu kämpfen: Zu den alltäglichen Belastungen kommt der erhöhte Freizeitdruck durch die Besucher hinzu. Auf dem Berg und im Tal gibt es keine Ruhezeiten mehr für Mensch und Tier, rund um die Uhr sind Wanderer und Sportler unterwegs, sei es zu Fuß, mit dem Bergradl oder im Winter mit Ski und Schneeschuh. Die Vermüllung des Geländes ist allgegenwärtig, Müll, der zur Reinhaltung des Viehfutters vom Landwirt wieder mühsam gesammelt werden muss. Das Betretungsverbot landwirtschaftlicher Flächen während der Vegetationszeit ist weitgehend in Vergessenheit geraten.
Gespannt bleibt auch das Verhältnis mit uneinsichtigen Hundehaltern, mit ihren freilaufenden Hunden aller Größen und damit verbunden mit dem Hundekot in den Futterwiesen.