Sommernachtsträume beim Neubeurer Nockherberg 2024

von Redaktion

Nach langer Pause gab es heuer wieder ein Singspiel – Kulisse von Theaterstück am Bürgl erneut im Einsatz

Neubeuern – Nach einer coronabedingten Pause von vier Jahren gab es endlich wieder einen Neubeurer Nockherberg. Die Erwartung war groß, denn es hatte sich in dieser nockherberg-freien Zeit doch einiges ereignet.

Doch die Besucher rieben sich die Augen: Wird heute etwa statt des Singspiels der „Sommernachtstraum“ vom Bürgl auf der Bühne von Ellmeiers Beurer Hof gespielt? Doch als der Regisseur des Singspiels, Sebastian Berndt, die Bühne betrat, war allen klar, dass es nur die Kulisse ist, die einschließlich der Elfenschaukel aufgebaut wurde.

„Blick auf die
Politik im Kleinen“

„Der Nockherberg ist ein Blick auf die Politik im Kleinen“, begann Sebastian Berndt seine Rede und wandte sich auch gleich direkt an den Bürgermeister Christoph Schneider: „Deine politische Intelligenz, Dein politischer Weitblick, Dein Mitnehmen der Bürger, das ist eine Katastrophe. Nimm Dir doch ein Vorbild an Deinen Vorgängern. Da war einfach was los und wir haben was zum Schreiben gehabt. Aber Du kriegst ja sogar Applaus, wenn das Abwasser um 1000 Euro mehr kostet.“

Zu Beginn des Singspiels lag Heinz (Baumgartner), der Vorsitzende der Theatergemeinschaft Neubeuern, dargestellt von Markus Leitner, in der Kulisse des Sommernachtstraums schlafend auf dem Boden und träumte davon, dass die Premiere des Sommernachtstraums noch bevorstünde.

Unter den Klängen der „Morgenstimmung“ von Edward Grieg kam eine Elfe (Josef Mager) auf die Bühne und meinte, bevor sie ihn weckte: „Mit Sicherheit träumt er vom Bühnenbau und einem Riesenapplaus.“

Tommi (Fritz „Tommi“ Grabl, spielte sich selbst) und Udo (dargestellt von Sebastian Heibler) erschienen auf der Bühne, worauf Heinz rief: „Die Bühne ist noch nicht gebaut.“ Doch Tommi entgegnete ihm: „Aber Heinz, das Theater ist doch schon lange vorbei“, und an Udo gewandt: „Das passiert ihm in letzter Zeit immer öfter. Wenn ihm die To-do-Liste abreißt, dann träumt er sich Projekte herbei.“

Doch die Elfe hatte gleich die Idee für ein neues Projekt, die sie Heinz ins Ohr flüsterte. Der war von dem Vorschlag begeistert: „Wir bauen die Burg Althaus wieder auf und wir spielen das Sommernachtstraumschiff auf dem Neubeurer See.“

Als Tommi seufzte: „So schlimm war’s noch nie“, reagierte Heinz beleidigt: „Jetzt habt‘s mich so weit. Nix mehr mach ich mehr, nix mehr Kulturdorf, das wird das nächste Rohrdorf ohne mich.“

Der Bürgermeister (gespielt von Fabian Berndt) wurde gefragt, was denn in Neubeuern los sei, es gebe ja gar keine Opposition mehr. „Ja“, entgegnete der Bürgermeister, „was ich mache, ist halt einfach richtig. Was soll ich sagen, neues Rathaus, neues Klärwerk, alles ohne Widerstand und wenn es hart auf hart kommt, hab ich ja noch meinen Bürgermeister der Herzen, den Wogga“, (gemeint war der Zweite Bürgermeister Wolfgang Sattelberger).

Gemeinderätin Christina zur Hörst trat auf mit dem Bart ihres Mannes Elmar (in der Doppelrolle Miriam Thoma), sang: „Ich will immer wieder dieses Fieber spüren, immer wieder mich engagieren, wenn es brennt, dann braucht ihr mich, hab keine Zeit für dich“ (mit Fingerzeig auf den imaginären Elmar) und stellte sich dann vor: „Ich bin‘s, die Christina. Ich hab den Elmar gefressen und mir seinen Theatererfolg beim Sommernachtstraum damit einverleibt.“

Am Ende erschien erneut die Elfe, klatschte in die Hände und fror alle ein. Bis auf Heinz, der gerade nicht auf der Bühne war. Die Elfe rief nach ihm: „Heinz komm raus, Deine Freunde, die können doch alle nichts. Der Bürgermeister, der Christoph aus Tirol, der wäre ohne Deine Tipps doch völlig hilflos, rathauslos, orientierungslos. Die Christina, wenn die den Bürgermeister gefressen hätte wie den Elmar, dann könnte sie das ganze Dorf kommandieren, dirigieren, regieren, nur Dich nicht. Der Schatt Walter würde ohne Deine Ideen und Deinen Weitblick doch keine einzige Rolle Dekor mehr verkaufen. Heinz, ohne Dich geht es hier doch nicht weiter.“

Dann weckte die Elfe mit einem erneuten Händeklatschen alles wieder auf und Heinz sang nach der Melodie „Layla“: „Ich mach nicht Schluss, denn ohne mich geht’s hier nicht weiter.“

Die Begeisterung des Publikums kannte keine Grenzen. Viele stimmten in den Gesang mit ein. Auch nach Ende des Liedes nahm der Applaus kein Ende. eri

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