Zwei gelungene Beispiele

von Redaktion

Stephanskirchen vergibt Architekturpreise

Stephanskirchen – Wieso vergibt eine Gemeinde eigentlich einen Architekturpreis? So eine Frage kann nur stellen, wer noch nie eine Bauausschusssitzung besucht hat. Dort, so sagt scherzhaft Stephanskirchens Bürgermeister Karl Mair, wären ab und an durchaus schmerzensvolle Gesichter zu sehen.

Immer dann nämlich, wenn der Ausschuss einen Bau genehmigen muss, weil er sich „nach Art und Maß“ in seine Umgebung einfügt, obwohl das das Einzige ist, was von ihm positiv zu sagen wäre. „Einfügen nach Art und Maß“ ist nämlich gewissermaßen die absolute Mindestforderung für ein Gebäude. Das damit mögliche Spektrum ist aber weit, reicht von „fällt nicht direkt störend auf“ bis zu „ist ein Blickfang, ein echter Gewinn für die Gemeinde“.

Vor diesem Hintergrund wird klar, wozu der Baukulturpreis gut ist, den die Gemeinde Stephanskirchen vergangene Woche an zwei Bauherren verlieh: Bauvorhaben, die in jeder Hinsicht gelungen sind, als positives Beispiel herauszuheben, nach dem Motto „So ginge es auch“. Und sich dadurch gleichzeitig bei den Besitzern zu bedanken. Denn ein Bauen, das über den Tellerrand der bloßen Kosten hinaussieht, erfordert gerade bei Altbauten Engagement, Herzblut und durchaus auch Mut.

Aus Dornröschenschlaf geweckt

Die „Villa Waldeck“ in Stephanskirchen ist dafür ein Beispiel. Fast 15 Jahre stand die Jugendstilvilla leer und war, wie Bürgermeister Karl Mair bei der Preisverleihung erläuterte, auf dem besten Weg dazu, zu einem sogenannten „lost place“ zu werden: Bauten, deren einstige Schönheit noch zu erahnen ist, für die sich aber niemand findet, der Kosten und Mühen auf sich nimmt, um sie aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken. Der Villa Waldeck blieb dieses Schicksal dank Marina und Willi Triltsch erspart, sie ist wieder zu dem geworden, was sie bei ihrem Bau 1911 war: Ein Schmuckstück in Stephanskirchen. Ihre Sanierung und Restaurierung deshalb eine Bereicherung für die gesamte Gemeinde und damit für jeden Bürger.

Das gilt im Übrigen auch für den zweiten Bau, der den Stephanskirchener Baukulturpreis bekam, das neue „House of Products“ auf dem Gelände der Firma Marc O‘ Polo. Dieser Bau ist wegen seiner Lage für die Allgemeinheit zwar weniger augenfällig, aber seine architektonische Gestaltung dennoch von Bedeutung für Stephanskirchen.

Denn Gewerbe steht nie nur für sich, ist nicht nur wegen seiner Steuerkraft ein Gewinn für eine Gemeinde. Sondern auch, weil florierendes Gewerbe ein positiver Standortfaktor ist, der einen Ort auch für andere Unternehmen interessant macht. Und der erste Eindruck, den der Betrachter von einem Betrieb gewinnt, hängt ganz wesentlich mit davon ab, wie viel Mühe sich die Firma mit ihren Bauten gab.

Der neue Bau, das „House of Products“, von Marc O‘ Polo ist da sicher ein Aushängeschild, wie Bürgermeister Mair betonte. Er zeige schon von außen, dass auch Zweckbauten architektonisch reizvoll sein können. Ein Anspruch, der überdies voll und ganz erfüllt werde, sobald man das Gebäude betritt.

Unternehmerisches Aushängeschild

Hier sei in jedem Detail zu spüren, dass bei der Planung des Baus ein Gestaltungswille vorhanden gewesen sei, der weit über das unmittelbar Notwendige hinausreiche. Deshalb, so meinte Karl Mair, sei es keine Frage, dass der Mehrheitsaktionär der Firma, Werner Böck, sowie Geschäftsführer Maximilian Böck den zweiten der beiden diesjährigen Architekturpreise verdient haben.

Der Ansicht waren auch die zahlreich vertretenen Gemeinderäte, weshalb bei ihnen keine schmerzensvollen, sondern nur rundum zufriedene Gesichter zu sehen waren.

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