Frasdorf/Grabenstätt – Über eine „Geschichtslehrstunde vom Feinsten“ freute sich eine Zuhörerin beim Vortragsabend mit dem Heimatforscher und Mundart-Autor Gustl Lex aus Grabenstätt. Gemeinsam mit dem Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn hatte der Frasdorfer Heimat- und Kulturverein eingeladen.
Wie schon seit mehreren Jahren besuchte Lex am Samstag vor dem Palmsonntag Frasdorf, wo er bereits über die Frasdorfer Wassertrinkerin, den Wahrsager Alois Irlmaier, den Priener „Kreuztrager“ Franz Xaver Stocker und viele andere Personen und Ereignisse gesprochen hat. Immer gründlich recherchiert und mit Bildern untermalt entführte auch diesmal Gustl Lex in eine Zeit, die längst aus der Erinnerung verschwunden ist.
60 Postkarten
sind erhalten
Der Erste Weltkrieg war dieses Mal das Hauptthema, aufgehängt am Schicksal des Französischen Kriegsgefangenen Pierre Duez, der in Grabenstätt gelandet war. In der Familie Lex fand sich noch ein Bündel mit über 60 Postkarten, die in den Jahren 1915 bis 1918 an den jungen Franzosen von seinen Lieben zu Hause geschrieben worden waren. Pierre Duez war schon bald nach Kriegsbeginn in deutsche Gefangenschaft geraten und musste später im Weitmoos in Eggstätt und dann in der Brauerei Grabenstätt arbeiten. Bei der Familie Lex hat er gewohnt, wo er so gut behandelt wurde, dass er auch noch nach Kriegsende den Kontakt gepflegt hat.
Durch langwierige Erkundigungen in Frankreich gelang es Gustl Lex, die Umstände der Gefangenschaft so wie sein gesamtes Leben zu erkunden.
Auch bei diesem Vortrag verstand es Lex, komplizierte geschichtliche Zusammenhänge leicht verständlich und spannend im schönsten Chiemgauer Dialekt zu vermitteln. Abschließend rief er dazu auf, gerade angesichts der heutigen Situation mit den dramatischen Kriegsereignissen die Menschlichkeit wieder mehr in den Vordergrund zu stellen. Für die musikalische Untermalung sorgte das Duo Hierl/Dicker.
Nur spärliche Erkenntnisse
Rupert Wörndl vom Heimat- und Kulturverein wies in seinem Schlusswort darauf hin, dass es im hiesigen Bereich über Kriegsgefangene während des Ersten Weltkrieges so gut wie keine Berichte gibt. Lediglich anhand von Fotos, die Max Hickl, der Lehrer von Stein, um 1915 gemacht hat, weiß man, dass in Aschau und Sachrang russische Kriegsgefangene waren.
Einem Zeitungsbericht von 1916 ist schließlich zu entnehmen, dass in Mönibuch damals ein „Arbeitsdepot“ war, aus dem drei russische Soldaten entwichen waren.