Stephanskirchen – Braune lockige Mähne, kurzer Vollbart, helle Haut, gertenschlank – so wird Jesus Christus seit Jahrhunderten abgebildet. Siehe Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“. So dürfte der Zimmermann und Wanderprediger aus Nazareth aber wohl kaum ausgesehen haben. Sonst wäre er vor 2000 Jahren an der Levante aufgefallen wie ein bunter Hund, der Judaskuss wäre überflüssig gewesen.
Zahlreiche Spekulationen
Spekulationen über Jesus aus Nazareth gibt es viele. Wie er lebte, wie alt er wurde, ob er verheiratet war, wie er aussah und so weiter und so fort. „Dabei hat der Mensch Jesus schon laut Bibel viel zu bieten“, sagt Kerstin Frisch. Was die meisten Menschen im Alltag aber kaum wahrnähmen.
In Stephanskirchen könnte sich das geändert haben. Die gesamte Fastenzeit über hingen im Gemeindegebiet 45 Bilder zum Menschen Jesus. In Läden, Praxen, dem Rathaus, der Schule, in der Kfz-Werkstatt und im Bestattungsinstitut, in Lokalen. Aufgehängt von den Schloßberger Pfarrgemeinderäten. Die zogen ganz schnell mit, als ihre Vorsitzende, Kerstin Frisch, mit der Idee kam. Ebenso Pfarrer Fabian Orsetti. „Ich bin über einen Podcast auf die Ausstellung ‚Mensch Jesus‘ aufmerksam geworden“, erzählt sie. Ausstellungsmacherin Eva Jung hätte so mitreißend davon erzählt, dass sie die Ausstellung unbedingt nach Stephanskirchen holen wollte.
„Wir wollen den Leuten ins Bewusstsein holen, was für eine coole Socke Jesus war“, sagt Matthias Wenig lachend. Deswegen sollte es keine klassische Ausstellung im Pfarrzentrum sein, die dann doch überwiegend die Kirchgänger sehen, sind sich Frisch und Wenig einig. „Er hat ja viel erlebt. Und vieles hat bis heute inhaltlich Bestand“, sagt Kerstin Frisch.
Die Rückmeldungen der Angesprochenen waren überwiegend positiv, die meisten fanden die Idee „total spannend“. Nur wenige angesprochene Ladenbesitzer und Praxisinhaber lehnten mit Verweis auf muslimische Kunden oder Patienten ab. Dabei ist Jesus als „Isa ibn Maryam“ als Gesandter Gottes und großer Prophet hoch angesehen.
Ein bisschen Provokation konnten sie sich nicht immer verkneifen, die Mitglieder des Pfarrgemeinderates: In der Autowerkstatt beispielsweise hing das Bild von „Jesus, der Frauenversteher“. Inklusive nachdenkenswertem Untertitel und Verweis auf die zugehörige Bibelstelle. Untertitel und Bibelstelle gehören zu allen Motiven. Welche Bibelstelle könnte zu „Jesus, der Stinksaure“ passen? Zu finden im Markus-Evangelium: Jesus jagt die Händler aus dem Tempel. Jesus war und ist ein Phänomen, ein Popstar. Welche Bibelstelle ist eines Popstars der Zeitenwende würdig? Die wohl bekannteste überhaupt, die Bergpredigt. Sie wissen schon: „Glückselig sind die, die …“
Nun wird die Ausstellung „Mensch Jesus“ in der Kirche St. Georg in Schloßberg zusammengeholt. Morgen, Sonntag, ist dort „Eröffnungsgottesdienst“, um 10.30 Uhr. Danach ist Zeit für einen Kaffee und Gespräche über die Ausstellung und ihre Motive. Bis 21. April ist die Ausstellung in Schloßberg zu sehen, wandert dann vom 6. bis 21. Mai in die Kirche in Haidholzen. In beiden Kirchen haben die Besucher der Ausstellung Gelegenheit, sich zu äußern. Auf diese Rückmeldungen sind Kerstin Frisch und Matthias Wenig heute schon gespannt.