Landrat Siegi Walch trifft auf den Ritter Siegi von Kling aus dem Jahr 924 (Severin Schluck) und sein Trachtenmadl aus dem Jahr 2024 (Anna Wittenzellner).
Schnaitsee – Wirklich gebührend feierte Schnaitsee im Rahmen eines Festabends mit 300 Gästen in der „Taverna Ägäis“ ihren 1100. Geburtstag. Dabei zeigte der Ort nicht nur was er kulturell zu bieten hat, sondern präsentierte sich auch sonst von seiner besten Seite.
Die Musikgruppen „Dorbins“ und „Anheizholz“ sorgten zusammen mit dem Musikverein unter der Leitung von Christoph Müller für ungetrübten Musikgenuss. Die Theatergemeinschaft zeigte mit einem Gerichtsstück, das Romy Kinzner nach einer wahren Begebenheit im Schloss Kling geschrieben hatte, dass auch mimisch im Jubiläumsort hohes Niveau vorhanden ist. Zudem zeigten attraktive Luftaufnahmen von Joscha Foth die Schönheiten Schnaitsees und führten Filmsequenzen aus früheren Veranstaltungen in die jüngere Vergangenheit seit der 1000-Jahr-Feier 1956. Josef Lepschy erläuterte die Filminhalte.
Zusammen in Toleranz
und Respekt leben
Der gebürtige Schnaitseer Georg Rieperdinger führte mit viel Humor und geschichtlichem Fachwissen durch den Festabend. Gleich zu Beginn kamen die, von Helmut Kiermaier entworfenen Mottofiguren der 1100 Jahre Schnaitsee ganz persönlich in den Festsaal. Hier traf Ritter Siegi von Kling aus dem Jahr 924 (Severin Schluck) mit seinem Trachtenmadl aus dem Jahr 2024 (Anna Wittenzellner) auf seinen Namensvetter und Landrat Siegi Walch, der sich über die Namensgleichheit sichtlich freute.
Bürgermeister Thomas Schmidinger begrüßte die vielen Gäste, unter ihnen auch zahlreiche Bürgermeister aus Nachbargemeinden und Bürgermeister Franz Gassner aus der österreichischen Partnergemeinde Waldhausen im Strudengau. Ein besonderer Gruß galt allen Ehrenamtlichen, die aus Schnaitsee eine liebens- und lebenswerte Gemeinde machten. „Wir haben uns in Schnaitsee nach den Kriegen ständig weiterentwickelt. Jetzt dürfen wir zwar auf fast 80 Jahre im Frieden zurückschauen, aber wir dürfen nicht vergessen, was unsere Vorfahren erleiden mussten. Wir sind alle aufgerufen, miteinander in Freundschaft, Toleranz und Respekt zu leben. Und das ist auch mein Wunsch für die Zukunft unserer Heimat und für die Menschen darin.“
Traunsteins Landrat Siegi Walch nannte Schnaitsee eine positive und vitale Gemeinde. Walch kam aus dem äußersten Südosten Inzells nach Schnaitsee in den äußersten Nordwesten des Landkreises. „Bei meiner Fahrt hab ich es wieder einmal sehen dürfen, dass wir in einem besonders schönen Flecken Erde leben.“ Er hob den Bauernstand hervor, der für diese Schönheit stark mitverantwortlich ist. Er brach eine Lanze für unsere Heimat: „Unser Hoamat ist die Basis für uns Menschen. Hoamat ist Gefühl und ist Identität. Ich bin stolz auf unser Hoamat.“ Walch hob die Verdienste derjenigen Generationen hervor, die 1100 Jahre lang das Land geprägt hatten. „Gottes Segen für unser Hoamat.“
Ortsheimatpfleger Reinhold Schuhbeck blickte auf die Veränderungen im Leben der Menschen in 1100 Jahren zurück. „Bis etwa 1800 hat sich nicht viel verändert. Die Menschen wussten damals nur, dass alles von Gott gegeben ist. Das Leben war geprägt von der Sorge etwas zum Essen zu haben. Sie hatten Angst vor der Verdammnis in der Hölle und gaben ihr Geld, um auf der Himmelsleiter nach oben zu kommen. Ihnen war das Seelenheil, das ihnen damit versprochen wurde, sehr wichtig. Die weltlichen und geistlichen Obrigkeiten bestimmten ihr Leben.“
Nächsten Generationen
sollen in Frieden leben
Schuhbeck sagte, dass erst nach 1800 dieses Weltbild ins Schwanken geriet und der Kircheneinfluss sank. „In den letzten 200 Jahren mehrte sich der Wohlstand der Bürger und seit 1945 dürfen wir in Schnaitsee in Frieden leben. Unsere Vorfahren haben die Demokratie eingesetzt, und die gilt es zu verteidigen“, so der Heimatpfleger. „Schnaitsee steht sehr gut da. Mein Wunsch ist es, dass auch die nächsten Generationen in Frieden und Freiheit leben können.
Graf Ignatz von Toerring-Jettenbach brachte die Verbundenheit seines Geschlechts mit Schnaitsee in sein Grußwort ein. „Seit 1255, als die Toerringer die Jettenbacher Burg des Schnaitseer Chuno nach dessen Tod mit einer List und einigen Fassln Bier übernahmen, gehören wir quasi zusammen.“ So überbrachte Graf Ignaz auch die Glückwünsche des Ortes Jettenbach an den Jubilar Schnaitsee. Mit der eigens von Monika Schluck und Wolfgang Kinzner komponierten und getexteten Hymne an Schnaitsee, dem Lied „Dausendoahundert“ endete der offizielle Teil.