Neue Schrift für alte Steine

von Redaktion

Vier seltene Relikte aus der Zeit des Königreichs Bayern in Aschau erhalten

Aschau – „Hier schwingt der Meister höchstpersönlich den Pinsel!“ Andreas Fischer, von der gleichnamigen Aschauer Malerwerkstatt, erneuert die unleserlich gewordene Schrift an einer der vier vom Heimat- und Geschichtsverein (HGV) vor gut 30 Jahren „geretteten“ alten Kilometersäulen im Priental. „Dass er das unentgeltlich, als Beitrag zum Erhalt der Heimatkultur tut, ist aller Ehren wert“, so der ehemalige Zweite Vorsitzende des HGV, Wolfgang Bude.

Die Wegweiser aus Sandstein wurden im vergangenen Jahr von Mitgliedern des Vereins gereinigt (wir berichteten), aber die Schrift bedurfte nach so langer Zeit in Wind und Wetter der Erneuerung.

Nur noch wenige Beispiele im Freistaat

Die vier Prientaler Kilometersteine sind ein Relikt aus der Zeit des Königreichs Bayern. Im ganzen Freistaat sind nur noch ganz wenige vorhanden. Bei den Straßenbaumaßnahmen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gingen die meisten dieser „Distanzsteine“ verloren. Sie wurden in den Straßenuntergrund eingebaut oder landeten irgendwo im Kieswerk oder in einer Mauer.

Im Königreich Bayern wurden Straßen ab 1833 durchgehend mit solchen Steinen oder Säulen ausgestattet; zunächst waren darauf Meilen verzeichnet, später – ab 1872 – wurde auch in Bayern das metrische System eingeführt und die Längen in Kilometer angegeben. Die Entfernung zwischen zwei großen Steinen betrug in der Regel fünf Kilometer, also etwa eine Fußstunde. Zwischen diesen beiden großen Säulen standen jeden Kilometer kleine Marksteine. Alle Steine waren in den jeweiligen Landkarten, vor allem in den Militärkarten, genau verzeichnet.

Im Priental taten die Kilometersteine bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Dienst, dann gerieten sie in Vergessenheit. Die Steine waren ursprünglich für Fußgänger und Fuhrwerke konzipiert, bei Fußgängergeschwindigkeit waren die Entfernungsangaben lesbar, mit dem Auto konnten die Aufschriften nicht schnell genug entziffert werden.

In den 1980ern konnte der Heimat- und Geschichtsverein die noch vorhandenen vier Steine vor der Zerstörung retten, renovieren und wieder aufstellen.

Alle vier sind aus Sandstein gehauen und zylindrisch geformt. Das obere Ende läuft spitz zu. Ihre Höhe beträgt zwischen 1,60 Meter und 1,80 Meter. In der Mitte der Ansicht steht zunächst die Fünf-Kilometer-Distanz; zu beiden Seiten folgen dann die Distanzen zum jeweils nächsten Ort.

Der erste Kilometerstein (von Süd nach Nord) stand in der Nähe des Geigelstein-Aufstiegs in Sachrang. Bei Bauarbeiten sollte er 1987 entfernt werden. Der HGV holte den Stein, ließ ihn restaurieren, und der Aschauer Bauhof stellte ihn in sicherer Entfernung von der ursprünglichen Stelle wieder auf. Auf dem Kilometerstein steht: „30 Kilometer – 12 Kilometer nach Niederaschau – 29 nach Kufstein.“

Der zweite Kilometerstein wurde 1992 im Gemeindeteil Stein wieder aufgestellt. Er war nach dem Ausbau der Staatsstraße 2093 schon geraume Zeit als Exponat im Straßen- und Wegebaumuseum in Wasserburg zu sehen. Alt-Bürgermeister Werner Weyerer, damals beim Straßenbauamt in Rosenheim tätig, ließ ihn dort abholen und schenkte ihn im Namen des Aschauer Männerchores dem damaligen Vorstand des HGV, Dr. Hans Stocker zum Geburtstag. Auf ihm ist zu lesen: „25 Kilometer – 7 nach Niederaschau – 5,5 nach Sacherang.“

Der dritte Kilometerstein stand ursprünglich an der Brauereimauer in Hohenaschau. Im Zuge der Kanalisationsarbeiten war er dort im Weg. Der Bauhof entfernte ihn deshalb 1989 und der HGV ließ ihn restaurieren. Danach bekam er 1991 in etwa 100 Metern Entfernung im Rahmen des Fuß- und Radwegebaus seinen neuen Platz. Auf dem Stein steht „20 Kilometer – 10,5 nach Sacherang – 2 nach Niederaschau“. Dieser Stein wurde jetzt von Andreas Fischer neu beschriftet.

Der Stein Richtung Frasdorf fehlt

Der vierte und letzte Kilometerstein steht seit 1988 vor Bucha an der Bushaltestelle. Der Stein stand ursprünglich an der ehemaligen Straßenführung Bucha – Innerkoy. Er lag nach dem Straßenbau Aschau-Bernau versteckt und fast begraben im Wald. Da sich die Straßenführung geändert hatte, bekam auch der Stein einen neuen Platz. Auf dem Stein steht: „5 Kilometer – nach Niederaschau 1,9 – nach Station Bernau 5.“ Mit Station Bernau ist die Post- oder Bahnstation im Ort Bernau gemeint.

Nach etwa 30 Jahren Standzeit sind sie inzwischen wieder stark verwittert und auch das Streusalz macht dem Sandstein schwer zu schaffen. Gelegentlich brauchen sie daher etwas Pflege. Der Stein an der Straße Richtung Frasdorf ist nicht erhalten.

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