Von Automatenläden bis zur solidarischen Landwirtschaft

von Redaktion

Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein sucht Ideen für die Vermarktung regional erzeugter Lebensmittel

Kiefersfelden – Was können die Landwirte in der Region tun, um ihre Produkte besser zu vermarkten? Diese Frage stellten sich die rund 40 Interessenten, die zur Auftaktveranstaltung der Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein in den Gasthof „Bergwirt“ gekommen waren. Projektmanagerin Stefanie Wimmer informierte dort über die Ziele der Organisation.

„Vernetzung, Bewusstseinsbildung und Förderung“ sind laut Wimmer die drei Gebiete, auf denen die Ökomodellregion arbeitet. Ziel sei es, die Zusammenarbeit der Landwirte, zu denen sie auch Fischzüchter und Imker zählt, zu fördern. Ein monatlicher Stammtisch, bei dem nicht gejammert, sondern positiv über die Zukunft nachgedacht wird, gehöre dazu. Außerdem soll das Wissen um die Landwirtschaft bei Nicht-Landwirten gefördert werden. Zielgruppen seien unter anderem Schüler, für die Projekttage veranstaltet werden, und Touristen, denen Almwanderungen und ein „Kulinarisches Höferadeln“ angeboten werden. Der Termin für das nächste Höferadeln steht schon fest. Es ist am Sonntag, 21. Juli. Eine weitere Zielgruppe sind Gastwirte und Unternehmen, die Außer-Haus-Verpflegung anbieten. Sie sollen über die Verwendung regionaler Produkte wie etwa dem „Rosenheimer Weidefleisch“ informiert werden.

Auch die Vermarktung regionaler Erzeugnisse werde organisiert. Auf die Frage eines Besuchers, was die Gemeinde dabei tun werde, meinte Bürgermeister Hajo Gruber: „Die Gemeinde wird sicher keinen Laden eröffnen.“ Dies sei nicht ihre Aufgabe, außerdem seien Bauern und Gastronomen „näher am Geschäft“.

Den Besuchern mangelte es bei der abschließenden Ideensammlung nicht an Vorschlägen. Wichtig ist vielen, die regionalen Produkte direkt zu vermarkten. Dabei ist die Vermarktung ab Hof nach Einschätzung eines Landwirts problematisch, weil sie viel Zeit erfordere, was zu einem sehr niedrigen Stundenlohn der Arbeitskraft führe. Es sollten Alternativen geprüft werden, etwa die Eröffnung von Dorfläden, die ein möglichst breites Sortiment bieten und damit attraktiv für die Verbraucher sind.

Ein anderer Besucher hielt die Einrichtung von automatischen Läden ohne Personal für sinnvoll. Registrierte Benutzer hätten mit einer App Zutritt und könnten ihren Einkauf selbst für die Bezahlung erfassen. Dieser Laden könnte den Landwirten mitteilen, wenn ein Produkt vergriffen ist, sodass sie gezielt nachfüllen können.

Ein Landwirt schlug vor, das bestehende System durch „Solawi“ – kurz für „solidarische Landwirtschaft“ – zu ergänzen. Verbraucher sollten Kapital und Arbeit einbringen und dafür Lebensmittel erhalten.

Bevor ein neues Vertriebssystem eingerichtet und beworben wird, sollte nach Vorstellung eines Besuchers die Zielgruppe für regionale und ökologische Produkte ermittelt werden. Diese Ermittlung müsse nicht teuer sein, eine einfache Umfrage unter Passanten reiche aus. Wenn man die Zielgruppe kenne, könnte man diese über die für sie passenden Informationskanäle gezielt ansprechen.

Bürgermeister Hajo Gruber zeigte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung und der Vielzahl von Vorschlägen: „Besser hätte es gar nicht laufen können.“

Die Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein umfasste bisher die acht Mitgliedskommunen Bad Aibling, Bad Feilnbach, Raubling, Rohrdorf, Frasdorf, Neubeuern, Aschau und Samerberg. Bei der jüngsten Erweiterung kamen die Gemeinden Brannenburg, Nußdorf, Oberaudorf und Kiefersfelden hinzu. Das Management der Öko-Modellregion wird vom bayerischen Landwirtschaftsministerium und den teilnehmenden Kommunen finanziert.

Informationen finden sich auf der Netzseite „oekomodellregionen.bayern/hochries-kampenwand-wendelstein“. Die regelmäßigen Bürotage der Projektmanagerinnen Stefanie Adeili, Stefanie Wimmer und Irmi Prankl sind am Dienstag und Mittwoch am Dienstsitz in der Hauptstraße 32 in Frasdorf. Interessenten erhalten laut Wimmer auf Wunsch ab Herbst einen monatlich erscheinenden Newsletter. Alfred Schubert

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