Startschuss für ISEK

von Redaktion

Großkarolinenfeld entwickelt neues Städtebaukonzept

Großkarolinenfeld – Die Gemeinde Großkarolinenfeld will sich weiterentwickeln. Die großen Fragen sind allerdings: Wie, wo und in welchem Umfang? Weil zahlreiche Projekte angedacht sind, die sich in vielerlei Hinsicht gegenseitig beeinflussen, ist das zukünftige Vorgehen komplex. Um einen Überblick zu bekommen und Großkarolinenfeld sinnvoll in die Zukunft zu führen, startet in der Gemeinde nun ein ISEK – ein „integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“. Das Motto lautet „Großkarolinenfeld planen – Zukunft gestalten!“.

Bei einem Auftakttermin am kommenden Donnerstag, 27. Juni, von 19 bis 21 Uhr im Großkarolinenfelder Rathaus können sich die Bürger über das Vorhaben informieren und an dieser Stelle gleichzeitig aktiv einbringen.

Investitionsstau
im Jahr 1995

„Es gab in der Gemeinde schon im Jahr 1995 einmal ein sogenanntes interdisziplinäres Entwicklungsgutachten“, berichtet Bürgermeister Bernd Fessler. Damals habe man großen Investitionsstau in der Gemeinde gehabt. Viele Bauvorhaben standen an, gleichzeitig hatte man eine überlastete Kläranlage, die die neue Ansiedlung gar nicht verkraftet hätte. „Damals war das Konzept sehr hilfreich, um die Bauleitplanung auf ein verträgliches Maß zu reduzieren“, so Fessler.

Die Hintergründe sind dieses Mal etwas anders. So geht es zum Beispiel beim ISEK nun um zwei Gemeindeteile: Großkarolinenfeld selbst sowie den Ortsteil Tattenhausen. Dort kamen in Vergangenheit immer öfter Wünsche zur Nachverdichtung und Ausweisung von neuem Bauland auf. „Tatsächlich gäbe es in Tattenhausen noch freie Flächen, auch im Ortskern“, sagt der Bürgermeister. Gleichzeitig hat das Dorf in jüngster Zeit öfter mit Hochwasser zu kämpfen, was die Frage nach der Kapazität des Kanalsystems aufkommen ließ. Um weitere Überschwemmungen zu verhindern, wird zwar bereits eine Regenrückhalteanlage geplant. „Nichtsdestotrotz wird man das Kanalsystem aufdimensionieren müssen“, betont Fessler. Die Frage sei aber: In welchem Umfang? Wie viel neue Ansiedlung wird es geben?

Ähnliche Zusammenhänge gibt es im Ort Großkarolinenfeld. Der Bürgermeister hat eine ganze Liste an Bauvorhaben vorliegen, darunter befindet sich zum Beispiel der Bau eines neues Wertstoffhofes, ein neuer Kindergarten sowie die „Dritte Röhre“ unter den Bahngleisen. Auch hier stellen sich ähnliche Fragen: Wie groß sollen die Einrichtungen werden? Wie wird sich die Bevölkerung im Ort entwickeln?

Bei Bauvorhaben an der Bahnstrecke ist man außerdem von Streckensperrungen auf der Schiene abhängig. In welcher Zeitschiene soll also welches Projekt ablaufen? Wie beeinflusst das die Verkehrsströme? Und was lässt sich überhaupt finanzieren?

Der finanzielle Aspekt spielt eine wichtige Rolle für das ISEK. Denn das Konzept ist Voraussetzung, um Geld für die Projekte aus der Städtebauförderung zu bekommen. Auch das ISEK selbst wird gefördert. „Wir erhoffen uns vom ISEK Rückschlüsse, was man machen und wie man es finanzieren kann“, so der Bürgermeister. Denn Gemeindeentwicklung brauche einen strategischen Rahmen, der Themen integriert und Kräfte bündelt.

Fachlich wird das ISEK vom Planungsbüro Claudia Schreiber Architekten und Stadtplanung aus München begleitet. Es arbeitet mit dem Büro „Identität & Image Coaching“ aus Eggenfelden zusammen, welches auf Bürgerbeteiligung spezialisiert ist. Denn neben der fachlichen Seite spielt beim ISEK die aktive Teilnahme der Bürger eine große Rolle. „Letztlich ist es ihre Gemeinde, in der sie sich in Zukunft wohlfühlen wollen und deren Gestaltung nicht dem Zufall überlassen werden soll“, sagt der Bürgermeister.

Die Auftaktveranstaltung ist der offizielle Startschuss. Dort erfahren die Bürger mehr über den Beteiligungsprozess und werden über die ersten Ergebnisse der Bestandsaufnahme informiert. Sie werden auch gleich direkt einbezogen: Die Bürger können ihre Wahrnehmungen zu Stärken und Schwächen in der Gemeinde äußern. Das ISEK wird verschiedene Themen betrachten und in Zusammenhang bringen: Städtebau, Wohnen, Wirtschaft, Bildung, Soziales, Freizeit und Umwelt. Später wird es in Großkarolinenfeld und Tattenhausen einen Kreativworkshop geben.

Expertenrunde
zur Machbarkeit

In einer anschließenden Zukunftskonferenz werden die gegebenen Impulse diskutiert und weiterentwickelt. Wenn alle Ideen gesammelt sind, wird eine Expertenrunde deren Machbarkeit bewerten. Am Ende wird das ISEK allen Bürgern in einer weiteren Infoveranstaltung vorgestellt.

Bürgermeister Fessler geht davon aus, dass der Prozess rund zwei Jahre in Anspruch nehmen wird. Dann sollten die gemeinsamen Ziele für die Entwicklung der Orte feststehen und man kann die Maßnahmen strategisch sinnvoll angehen.

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