Feldkirchen-Westerham – Wehende Fahnen und stolze Standarten sind nahezu bei jedem Fest, jedem Festzug und auf vielen Trauerfeiern zu sehen. Die kostbaren Fahnentücher sind in mühevoller Handarbeit bestickt und zeigen das Bild des Vereins oder Verbandes. Sie geben Auskunft über Herkunft und Heimat. Doch was steckt dahinter? Was sagen sie aus? Welche Bedeutung kommt dem Paten, dem Göd, zu?
Die Zweite seit
der Gründung 1890
Der Gauverband I der oberbayerischen Gebirgstrachtenerhaltungsvereine erhält dieses Jahr eine neue Standarte. Es ist die zweite Standarte seit der Verbandsgründung im Jahr 1890. Diese und die Fahnenbänder werden anlässlich des 134. Gaufestes und des 125. Gründungsfestes des Gastgebervereins „D´ Mangfalltaler“ Westerham von Reinhard Kardinal Marx geweiht und ihrer Bestimmung übergeben.
Ilse Aigner als
Schirmherrin
Die Schirmherrschaft übernimmt Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Sie ist der Trachtensache in besonderer Weise verbunden, in Westerham zuhause, Vereinsmitglied und wird als äußeres Zeichen der Verbundenheit ein Fahnenband überreichen. Aus den Händen von Fahnenmutter Hildegard Kallmaier, der Fahnenbraut Tamara McCuish und der Trauermutter Lotte Eicher werden mit feierlichem Prolog die verbandseigenen Fahnenbänder vom Gauverband I überreicht.
Auch der künftige Göd, der „Bayerische Inngau-Trachtenverband“, bekommt ein Fahnenband, dieses übergibt für den Gauverband I Elisabeth Hollinger. Die ehrwürdige Aufgabe, das Fahnenband des Göds zu überreichen, wird Johanna Schweinsteiger zuteil. Symbolisch zeigen die Bänder die Verbundenheit zueinander, die Freude am gemeinsamen Feiern. Sie stehen aber auch für das Zusammenhalten in schlechten Zeiten. Ein Versprechen, das sicher viele Jahre anhalten und den gemeinsamen Weg ebnen und begleiten wird. Die Fahne führt den Verein an. Mehr noch, sie zeigt, wer hinter der Fahne steht und wer die Gesinnung teilt. Sie gibt Auskunft über Herkunft, Namen und Zeitdaten des Vereins. Ebenso verhält es sich bei der neuen Gaustandarte: Ihr folgen bei den Trachtenfesten Gauvorstand und -ausschuss, die Festvereine, wiederum angeführt von ihren Fahnen, alle Kinder und Jugendlichen.
Geschichtlich betrachtet schließt sich der Kreis zu den Trachtenvereinen. Die Fahne ist Ausdruck der Verbundenheit mit dem christlichen Glauben, zu Heimat und bayerischer Tradition und das Versprechen, die Bräuche zu pflegen und zu erhalten.
Die Madonna nimmt alle unter ihren Schutz. „Maria breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus“, so beginnt die Textfassung eines bekannten Marienliedes, das im Gotteslob zu finden ist. So auch die Abbildung der Schutzmantel-Madonna auf der neuen Standarte. Unter ihrem kostbaren Mantel sind Personen in Trachten zu sehen, die beispielhaft die Vielfalt der Trachten im Gauverband I darstellen. Spiegelseitig mit einem Band der Zusammengehörigkeit vereint finden sich die Namen der acht Gebiete, aus denen der Gauverband I besteht.
Auch die beiden Brauchtumsgruppen, die Aperschnalzer des historischen Rupertiwinkels und die Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes, wurden bedacht. Eine Goaßl und ein Handböller sind abgebildet. Alle Abbildungen stehen sinnbildlich für die große Trachtenfamilie, die Bayerns größten Trachtenverband bildet.
Hutschnüte
mit Bedeutung
Fähnrich und Begleiter sind an ihren Hutschnüren und den Schärpen erkennbar. Sie tragen mit Stolz und Würde das Aushängeschild des Vereins. Die Hutschnüre sagen aus, dass sie ihren Hut während des Gottesdienstes und des Fahnengrußes aufbehalten dürfen, früher vor allem deshalb, um die Fahne zu beschützen. Heutzutage muss die Fahne nicht mehr verteidigt werden, doch Pflege, Lagerung und Präsentieren wollen gelernt und überliefert sein. Fahne senken vor dem Herrgott, bei Beginn und Ende eines Gottesdienstes, der Wandlung und dem offenen Grab als letzten Gruß an einen Verstorbenen, gehören ebenso dazu wie die Präsentation bei der Bayernhymne und dem Lied „Großer Gott, wir loben Dich“.