Oberaudorf – Es war ein Schock für alle Beteiligten, als am Dienstagabend eine Fiat-Fahrerin zwei 88-jährige Fußgänger auf der Rosenheimer Straße in Niederaudorf übersah, mit ihnen zusammenprallte und tödlich verletzte. Bei Regen und Dunkelheit fuhr die 46-Jährige die beiden Senioren an, die wenig später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlangen.
Stelle in Niederaudorf
bekannt
Besonders tragisch erscheint dieser Vorfall, da der Bereich zwischen den Privaten Schulen Oberaudorf, dem Gasthof Keindl und dem Kindergarten Schatztruhe bei einigen Anwohnern schon seit längerer Zeit für Unruhe sorgt. „Die brettern da mit Vollgas an der Schule vorbei“, meinte beispielsweise die Oberaudorfer Gemeinderätin Regina Götz (Grüne), als über genau die Stelle, an dem nun der Unfall passierte, vor einem halben Jahr im Gremium diskutiert wurde.
Ende März wurden in der Sitzung sogenannte Probemessungen, also das Aufstellen eines temporären Blit- zers, ohne dass dafür Bußgeld fällig wird, beschlossen. Diese Messungen sollten zeigen, wie schnell auf der Rosenheimer Straße tatsächlich gefahren wird. Auch Bürgermeister Dr. Matthias Bernhardt meinte in der damaligen Diskussion bereits, dass ihm der Abschnitt schon seit geraumer Zeit „ein Dorn im Auge“ ist. Denn anstatt mit den erlaubten 50 Kilometern pro Stunde sei es dort immer wieder zu beobachten, wie die Fahrer von der Landstraße erst viel zu spät von 100 km/h abbremsen.
Mittlerweile sind die Probemessungen abgeschlossen. „Die Ergebnisse zeigen, dass rund 15 Prozent der Fahrer dort zu schnell unterwegs waren“, sagt Florian Seebacher, Geschäftsleiter von Oberaudorf, auf OVB-Nachfrage. Damit läge man knapp oberhalb des von der kommunalen Verkehrsüberwachung definierten „Normalbereichs“. Dieser liegt bei zehn bis zwölf Prozent. „Es zeigt also ganz unabhängig von dem Unfall, dass dort eine gewisse Gefahr besteht“, sagt Seebacher.
Generell sei die Gemeinde durch den Durchreiseverkehr, inklusive Blockabfertigung, an einigen Stellen stark belastet.
Seebacher sieht dabei eine „veraltete Denkweise“ des Staatlichen Bauamtes Rosenheim, bei der zu häufig der motorisierte Verkehr Vorrang hätte. „Da muss etwas passieren“, meint er und stellt eine weitere Diskussion der Ergebnisse im Gemeinderat in Aussicht. Auch der Bürgermeister bestätigt, dass die genauen Resultate der Messungen zeitnah dem Gremium vorgestellt werden.
„Wir sind außerdem seit geraumer Zeit mit dem Staatlichen Bauamt in Kontakt, um in dem Bereich eine Lösung zu finden“, sagt Bernhardt. Geplant ist laut Seebacher eine Bushaltestelle auf Höhe des Niederaudorfer Kindergartens, inklusive Fahrbahnverengung und Querungsinsel. „Die Pläne dafür liegen bereits vor, die Umsetzung soll im kommenden Jahr erfolgen“, meint der Geschäftsleiter.
Doch auch wenn die Pläne seitens der Gemeinde weitestgehend abgeschlossen sind, weist Bernhardt darauf hin, dass Oberaudorf eigentlich nicht federführend dafür zuständig ist. „Generell muss festgehalten werden, dass die Gemeinde hier auf einer Straße plant und versucht, Probleme zu lösen, die dem Landkreis zuzuordnen sind“, sagt der Rathauschef. Dementsprechend sei man auch „auf das Mitwirken des Staatlichen Bauamtes angewiesen“, zu dem aber ein guter Kontakt bestünde.
Unfall und Sicherheit
klar zu trennen
Generell müsse man das grundsätzliche Problem der Rosenheimer Straße allerdings von dem tragischen Unfall trennen, wie Geschäftsleiter und Bürgermeister betonen. Auch Johann Bichler, Feuerwehrkommandant von Niederaudorf, meinte, dass es in der Rosenheimer Straße nicht regelmäßig zu so schlimmen Unfällen komme. „Man muss in diesem Fall auch die Witterung bedenken“, sagt er. Denn an dem Abend, als die Fiat-Fahrerin Richtung Flintsbach unterwegs war, war es bereits sehr dunkel und es regnete in Strömen.
Ob die 46-Jährige dabei zu schnell unterwegs war, steht auch keineswegs fest. Dies ist laut Polizei noch Teil der Ermittlungen. „Es muss daher angemerkt werden, dass wir im Moment noch keine Kenntnisse über den tatsächlichen Unfallhergang haben“, sagt Bernhardt. Daher könne man nicht beurteilen, ob die geplanten Maßnahmen etwas an diesem speziellen Unfall und seinen tragischen Folgen geändert hätten.