Nußdorf – Der Schiffleutverein Nußdorf beging am vergangenen Sonntag festlich seinen 200. Schiffleutjahrtag. Die Feierlichkeiten begannen mit einem Kirchenzug, gefolgt von einer Messe in der Kirche St. Leonhard, die von Pfarrer Christoph Rudolph zelebriert wurde. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor. Kirchenpfleger Dr. Hans Hausner beleuchtete in einem Vortrag die enge historische Verbindung der Kirche mit den Schiffleuten.
Bruderschaft im
Jahr 1635 gegründet
Ursprünglich hatten sich die Innschiffer in einer Bruderschaft zusammengeschlossen, um Gottes Schutz für ihre gefährlichen Fahrten zu erbitten, einander in Not, Krankheit und Alter zu unterstützen und die Hinterbliebenen verunglückter „Wasserfahrer“ finanziell abzusichern. Wie Josef Dürnegger in der Nußdorfer Ortschronik berichtet, wurde „die Schiffleutbruderschaft im Jahr 1635 gegründet und ist damit der älteste Verein unserer Gemeinde“. Der heutige Schiffleutverein sieht sich in der Tradition dieser Bruderschaft und ist ein bedeutendes Zeugnis der traditionsreichen Inn-Schifffahrt.
Ein wichtiger Beleg für die Gründung war der sogenannte „Bruderschaftsbrief“, der jedoch seit langer Zeit als verschollen gilt. Wahrscheinlich befand er sich im Archiv der Pfarrei Erl, zu der Nußdorf über 400 Jahre lang, bis 1812, gehörte. Dieses Archiv ging jedoch verloren, als die Erler Kirche während der Wirren des Tiroler Freiheitskampfes am 17. Mai 1809 niederbrannte.
Trotz dieses Verlustes bleibt die Verbindung zur Bruderschaft durch erhaltene Traditionen lebendig. Der Schiffleutverein trägt diese Geschichte bis heute weiter und bewahrt damit ein bedeutendes Stück regionaler Identität. Die Schutzpatrone der Schiffleute, Nikolaus, Johannes Nepomuk und Maria, spielen auch heute noch eine zentrale Rolle. Zeugnisse wie Zunftstangen mit Schiffssymbolen und Votivtafeln sind in der Kirche St. Leonhard und in Kirchwald erhalten.
Ein Höhepunkt der Feier am Sonntag war die Präsentation der historischen Innplätte St. Nikolai aus Wasserburg, die gegenüber des Schneiderwirts aufgestellt wurde. Die St. Nikolai hat 2024 bei den Bürgerspielen des Theaterkreises Wasserburg als zentrales Bühnenelement gedient, bevor sie im Sommer vergangenen Jahres den Besitzer wechselte und bei Johann Dettendorfer in Nußdorf einen neuen Heimathafen fand. In einer der kommenden Vorstandssitzungen des Nußdorfer Schiffleutvereins soll über eine mögliche Beteiligung der Schiffleute an der Innplätte beraten werden.
In einem gegenüberliegenden Ladenlokal wurde das Modell eines Schiffszugs ausgestellt, das der Schiffleutverein nach der Umgestaltung des Blaahauses in Kiefersfelden übernommen hat. Die Ausstellung bot faszinierende Einblicke in die historische Welt der Schifffahrt.
Der Vorsitzende des Nußdorfer Schiffleutvereins, Johann Dettendorfer senior, begeisterte Vereinsmitglieder und Gäste im voll besetzten Saal des Schneiderwirts mit einem eindrucksvollen Fotovortrag, der 200 Jahre Dorf- und Schiffleutgeschichte lebendig werden ließ.
In seinem Rückblick auf das Jahr 2024 berichtete der Schriftführer von einem ereignisreichen Jahr, geprägt durch die Teilnahme an Dorffesten, Jubiläen und verschiedenen Veranstaltungen in der Region. Eine langjährige Tradition wurde fortgeführt, als die Grundschule Nußdorf unter seiner Begleitung das Inn-Museum in Rosenheim besuchte, um den Kindern die Geschichte der Inn-Schifffahrt näherzubringen.
Auch 2025 verspricht ein besonderes Jahr zu werden: Vor 550 Jahren wurde die Innfähre bei Windshausen erstmals urkundlich erwähnt. Die Jubiläumsfeierlichkeiten dazu sind für den Herbst im Rahmen eines Volksmusikabends geplant. Zudem stehen ein Vereinsausflug im April, das Schiffleutfest im Juni und die Teilnahme am Trachten- und Schützenzug in München auf dem Programm.
Wertvoller Beitrag
zur Heimatpflege
Mit den Worten „Nahui in Gotts Nam!“ begrüßte die Bürgermeisterin die Mitglieder des Schiffleutvereins und lobte deren Engagement für die Pflege der Tradition, die Weitergabe der Geschichte an die Jugend und ihr karitatives Wirken. Sie dankte dem Verein für seinen Beitrag zur Heimatpflege und zum gesellschaftlichen Leben in Nußdorf und rief dazu auf, auch in Zukunft ein bedeutendes Stück regionaler Identität zu bewahren. Der Verein startete mit 491 Mitgliedern in den 200. Jahrtag und konnte im Verlauf 23 Neuzugänge verzeichnen, sodass er nun auf stolze 514 Mitglieder angewachsen ist.